Walsmann und Bausewein gehen in Erfurt in die Stichwahl

Erfurt  Amtsinhaber Bausewein verliert die Hälfte seiner Stimmen, bleibt aber stärkster Kandidat in der Landeshauptstadt. Perdelwitz überrascht mit fast 10 Prozent.

Im Rathausfestsaal verfolgte Andreas Bausewein (SPD) gemeinsam mit Parteifreunden und anderen OB-Kandidaten die Bekanntgabe der Wahlergebnisse.

Foto: Marco Schmidt

Eine Stichwahl zwischen Amtsinhaber Andreas Bausewein (SPD) und der CDU-Herausforderin Marion Walsmann am 29. April wird entscheiden, wer das Amt des Erfurter Oberbürgermeisters für die nächsten sechs Jahre ausfüllen wird. Bei der ersten Wahlrunde am Sonntag kam keiner der acht Kandidaten der absoluten Mehrheit und damit einem Sofortsieg auch nur ansatzweise nahe.

Als Wahlsieger darf sich allenfalls Sebastian Perdelwitz fühlen, der mit seiner Initiative „Mehrwertstadt“ und dem Versprechen von frischem linken Wind aus dem Stand auf 9,5 Prozent kam. Die Linken selbst hingegen schafften es mit ihrer Kandidatin Karola Stange erneut nicht, an gute Landtags- und Stadtratsergebnisse anzuknüpfen. Ihre 11,1 Prozent bedeuten eine nur minimale Steigerung gegenüber der letzten OB-Wahl und machen aus der vermeintlichen Mit-Favoritin für die Stichwahl die Wahlverliererin.

Die AfD ist mit ihrem Kandidaten Stefan Möller wohl endgültig in der Kommunalpolitik angekommen. Seine 14,4 Prozent liegen jedoch klar unter dem Wert etwa der Bundestagswahl und lassen vermuten, dass Möller jenseits der eingeschworenen AfD-Klientel keine neuen Wähler überzeugen konnte.

Mit Blick auf die im kommenden Jahr anstehende Stadtratswahl hätten sich Daniel Stassny (Freie Wähler; 4,2 Prozent) und Marko Enke (FDP; 2 Prozent) sicherlich mehr Stimmen gewünscht. Das Ergebnis von Alexander Thumfart (Grüne; 6,4 Prozent) entsprach hingegen eher seinen Erwartungen.

Die Wahlbeteiligung lag bei 49 Prozent und damit mehr als fünf Prozentpunkte über dem Wert von 2012. Das bedeutet aber zugleich, dass Andreas Bausewein als stärkster Kandidat mit seinen 30,4 Prozent gerade einmal rund 15 Prozent der Wahlberechtigten von sich überzeugen konnte.

Im Vergleich zur letzten Wahl verlor er rund die Hälfte seiner Stimmen. Bausewein beeilte sich, das magere Ergebnis mit der Vielzahl der Kandidaten in diesem Jahr und den noch schlechteren Ergebnissen der SPD-Amtsinhaber in Weimar und Jena zu rechtfertigen.

Marion Walsmann konnte von Bauseweins Verlusten nur eingeschränkt profitieren. Ihr fehlen nun ebenfalls einige Prozente, um zuversichtlich in die Stichwahl gehen zu können. Angesichts des enormen physischen und finanziellen Aufwandes, den die CDU-Frau betrieb, sind 21,9 Prozent weniger, als die CDU erhofft hatte. Die Minimalziele – das Erreichen der Stichwahl und ein wahrnehmbar besseres Ergebnis als die knapp 15 Prozent von 2012 – erreichte sie aber souverän.

Der Weg zur Stichwahl läuft nun auf einen Lagerwahlkampf hinaus. Das Ergebnis wird von der Wahlbeteiligung abhängen, aber auch davon, wohin die Stimmen der unterlegenen Bewerber wandern.

Mit offiziellen Empfehlungen halten sich die sechs ausgeschiedenen Kandidaten noch zurück. Doch deuteten sie immerhin an, ob sie eher zu Walsmann oder zu Bausewein tendieren.

Für Walsmann sprach sich am Wahlsonntag der AfD-Mann Möller aus. Er wolle zwar keine Empfehlung geben, werde selbst aber wählen gehen. „Und ich werde nicht für den amtierenden OB stimmen“, sagte Möller.

Ähnlich unmissverständlich, aber pro Bausewein, sprach der Mehrwertstadt-Kandidat Perdelwitz. „Für uns gibt es keinen Möller und keine Walsmann, das war von Anfang an klar“, sagte er. Stange verwies auf ausstehende Linke-Sitzungen, will persönlich bei der Stichwahl aber „gegen Videoüberwachung und Stadtwache“, also für Bausewein stimmen. Sie sprach sich zudem klar für eine Mitte-Links geführte Stadtspitze aus.

Der Freie Wähler Stassny und der Grüne Thumfart verzichteten selbst auf solche Andeutungen. Vielleicht erwarten sie noch ein Signal von Bausewein. Dass ihre eigenen Inhalte aber näher bei Bausewein als bei Walsmann liegen, verschwiegen sie nicht.

Eine Auffälligkeit am Rande: Sowohl Stassny als auch Perdelwitz spekulierten angesichts ähnlicher Ziele darüber, welche Chancen ein gemeinsamer Kandidat gehabt hätte. Stassny hatte sich beim OB-Casting der Mehrwertstadt als Kandidat beworben, die Endrunde aber verfehlt.

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