„Warum versagst Du hier so sehr?“ Thüringens Ex-AfD-Chef rechnet mit Höcke ab

Erfurt  Thüringens AfD-Initiator und Ex-Parteichef Matthias Wohlfarth geht mit seinem Nachfolger scharf ins Gericht. „Sei gegrüßt, Björn!“ Mit diesen Worten eröffnet Wohlfarth seinen „Offenen Brief an Björn Höcke“. Es folgt eine Abrechnung.

Matthias Wohlfarth, AfD-Mann erster Stunde. Archivfoto: Sebastian Willnow/dpa

Matthias Wohlfarth, AfD-Mann erster Stunde. Archivfoto: Sebastian Willnow/dpa

Foto: zgt

Bisher gärte es nur, mal an dieser, mal an jener Stelle. Björn Höckes Dresdener Rede hat jetzt zu einer Explosion der Unzufriedenheit an der AfD-Basis geführt.

Sprachführer der Höcke-Kritiker ist Matthias Wohlfarth aus Seitenroda. Er ist, wie er betont, der „Initiator der AfD in Thüringen“.

Im April 2013, als die AfD in Herrenhof gegründet wurde, gehörte Wohlfarth zu den Gründungsmitgliedern in Thüringen. In Herrenhof wurde er zum Landessprecher gewählt; Björn Höcke hingegen war damals noch weitgehend unbekannt in der jungen Partei. Bis Juni 2014 war Wohlfarth Landesvorsitzender der AfD. Sein Nachfolger heißt seither Björn Höcke.

„Sei gegrüßt, Björn!“ Mit diesen Worten eröffnet Wohlfarth seinen „Offenen Brief an Björn Höcke“. Es folgt eine Abrechnung.

Björn Höcke – dies vorab – war am Sonntag für Nachfragen und eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

„Personenkult verbietet sich. Grenzen zur NPD müssen in Inhalt und Stil erkennbar gezogen werden“, merkt Wohlfarth an – und richtet folgende Frage an Höcke: „Warum versagst Du hier so sehr?“

Höckes Agieren führt nach Wohlfarths Worten zu einem Schaden für die AfD: „Die politischen Gegner wollen eine NPD light aus der AfD machen und Deine zu oft als NPD light wahrgenommenen Auftritte sind ein Glücksfall für sie.“

Auch zu Höckes umstrittener Rede in Dresden äußert sich Ex-AfD-Chef Wohlfarth: „Satzanalysen hin oder her. Es war wieder das falsche Thema zur falschen Zeit, im falschen Ton, vom falschen Mann.“

Wohlfarth erwähnt „die Kommentare von der Mehrzahl der Bundesvorstandsmitglieder, die Dir in Wiederholung parteischädigendes Verhalten bescheinigen. Und das zurecht, wozu übrigens auch Deine erschütternde Haltung zur innerparteilichen Demokratie gehört.“

Ein Mitglied des aktuellen AfD-Landesvorstandes wollte sich zu den von Wohlfarth erhobenen Vorwürfen am Sonntag nicht offiziell äußern. Wohlfarth sei ein „Mann der ersten Stunde“ der AfD Thüringen. Kontakte zur Fraktion bestünden seines Wissens seit längerer Zeit nicht mehr. Wohlfarths Positionen seien in der heutigen AfD vermutlich nicht mehrheitsfähig.

Erste scharfe Kritik an Höcke und seinem Umfeld wurde Ende 2016 laut, als etliche Parteimitglieder einen Wahlanfechtungsantrag beim Landesschiedsgericht der Partei stellten. Das war in der Geschichte der AfD ein einmaliger Vorgang.

Die Unterstützer des Antrags sahen in der personellen Zusammensetzung des Vorstands eine satzungswidrige Macht- und Abhängigkeitskonzentration rund um das Duo der Fraktionschefs Björn Höcke und Stefan Möller. Neben ihnen gehören dem zwölfköpfigen Parteivorstand drei Personen an, die bei Höcke bzw. der Fraktion beschäftigt sind.

Der Dresdener Politikprofessor und AfD-Experte Werner J. Patzelt sagte der Thüringer Allgemeinen dazu: „Es gehört sich nicht in einer demokratischen Partei, sich eine politische Gefolgschaft durch ökonomische Abhängigkeiten zu sichern. Das wird der Partei im Bundestagswahlkampf nachhängen.“

Will der AfD-Bundesvorstand Höcke aus der Partei werfen?

Das könnte Sie auch interessieren:

Holocaust-Aussagen: AfD-Bundesspitze gegen Höcke

Strafanzeige gegen Höcke – Auch AfD-Politiker kritisieren seine Aussagen

„AfD ist Partei der Schande“: Empörung nach Höckes Hetzrede

Kommentare sind für diesen Artikel deaktiviert.