Was ist ein gerechter Lohn?

3,18 Euro brutto pro Stunde, 512 Euro monatlich - reicht das zum Leben? Kann das überhaupt ein gerechter Lohn sein? Im gültigen Tarifvertrag Ost wird genau diese Summe im Friseur-Handwerk (3,18 Euro nach der Ausbildung, 3,82 Euro nach zwei Jahren) teilweise gezahlt.

Thüringens Landtagsabgeordneter Thomas Kemmerich (FDP) ist Chef einer Friseurkette und berichtete Günther Jauch über sein Einstiegsgehalt von sechs Euro. Foto: Marco Schmidt

Thüringens Landtagsabgeordneter Thomas Kemmerich (FDP) ist Chef einer Friseurkette und berichtete Günther Jauch über sein Einstiegsgehalt von sechs Euro. Foto: Marco Schmidt

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Erfurt. Thüringens Landtagsabgeordneter Thomas Kemmerich (FDP), zugleich Vorstandsvorsitzender einer Friseur-Kette, positionierte sich in der ARD-Talk-Show "Günther Jauch". Er berichtete von sechs Euro Einstiegsgehalt für seine Angestellten, die ohne Trinkgeld auch bis zu 12 Euro verdienen könnten. Kemmerich wehrte sich dagegen, dass das Friseur-Handwerk Verursacher der Diskussion über zu niedrige Löhne sei. Aber auch er konnte nicht abstreiten, dass es Teil davon ist.

Zwar sinken in Deutschland die Arbeitslosenzahlen stetig, doch die Zahl von Geringverdienern nimmt gleichzeitig zu. 1,4 Millionen Menschen erhalten weniger als fünf Euro pro Stunde und jeder Fünfte weniger als 10,36 Euro.

Auch Unionspolitiker sehen Handlungsbedarf

Im Osten ist der Anteil dabei höher als im Westen, Thüringen hat beispielsweise mehr Billigarbeiter als Hessen oder Bayern. Betroffene sind gezwungen, sich im Alltag erheblich einzuschränken oder in einem zweiten Job etwas zusätzlich zu verdienen - oder sie beantragen einen Zuschuss bei der Arbeitsagentur.

Bei "Günther Jauch" appellierte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) an die Wirtschaft, dass diese den Menschen dienen müsse und nicht umgedreht. Angesichts des Lohndumpings beklagte Oskar Lafontaine von den Linken einen "Verfall der öffentlichen Moral" und mahnte erneut einen Mindestlohn an.

Genau den strebt die Große Koalition in Thüringen über den Bundesrat an. Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) hatte den Gesetzentwurf der schwarz-roten-Regierung in die Länderkammer eingebracht, weil "Handlungsbedarf besteht".

Einen flächendeckenden Mindestlohn gibt es hierzulande nicht - im Gegensatz zu 20 von 27 EU-Staaten. Für zwölf Branchen wurde in Deutschland immerhin eine Lohnuntergrenze eingeführt.

"Das Land ist reif für diesen Schritt", sagte von der Leyen. "Wer Vollzeit arbeitet, muss davon leben können", so die Ministerin. "Im nächsten Koalitionsvertrag steht das drin."

In welcher Höhe, das ließ sie offen. Doch genau darüber gibt es unterschiedliche Meinungen, weil die Einführung möglicherweise Arbeitsplätze kostet. Die Gewerkschaften fordern, dass in Deutschland bald niemand weniger als 8,50 Euro erhält. Die einen Partei-Vertreter wollen 10 Euro Mindestlohn (Lafontaine), andere auch 8,50 Euro (Anton Schaaf/SPD) oder eher sieben (Kemmerich).

Einigkeit herrscht allerdings darüber, dass er kommen muss. 3,18 Euro in der Stunde oder 512 Euro im Monat sind für jeden Menschen unzumutbar.

Umfrage: Finden Sie die Einführung eines Mindestlohns richtig?
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