Weimar schließt Partnerschaft mit Zamosc in Polen

Zamosc in Polen ist seit Freitag Weimars fünfte Partnerstadt. Nun muss sich zeigen, wie lebendig der Austausch wird. Peter Rathay sprach nach der Vertragsunterzeichnung mit Oberbürgermeister Stefan Wolf

Der Stadtpräsident von Zamosc, Marcin Zamoyski, und Weimars Oberbürgermeister Stefan Wolf (rechts) tauschten im Beisein der Dolmetscherin die Urkunden aus. Foto: Peter Rathay

Der Stadtpräsident von Zamosc, Marcin Zamoyski, und Weimars Oberbürgermeister Stefan Wolf (rechts) tauschten im Beisein der Dolmetscherin die Urkunden aus. Foto: Peter Rathay

Foto: zgt

Zamosc. Im historischen Rathaus von Zamosc ist Freitagvormittag der Partnerschaftsvertrag mit Weimar besiegelt worden. In einem feierlichen Akt setzten der Stadtpräsident von Zamosc, Marcin Zamoyski, und der Oberbürgermeister von Weimar, Stefan Wolf, ihre Unterschriften darunter. Anschließend unternahmen sie einen Rundgang durch die Altstadt. Wolf war bereits einen Tag zuvor in Begleitung des polnischen Honorarkonsuls in Weimar, Hans Hoffmeister sowie der Weimarer Stadtratsvorsitzenden Sylvia Sippach und der Geschäftsführerin der Weimar GmbH, Ulrike Köppel, in die südostpolnische Stadt gereist.

Mit der Partnerschaft von Zamosc und Weimar finden zwei sich in Vielem ähnliche Städte zueinander. So beherbergen beide Weltkulturerbe. Wie die Klassikerstadt das Konzentrationslager Buchenwald an seiner Seite hat, so wurden aber auch in Zamosc 8000 Menschen von Deutschen ermordet und zahllose Menschen von hier aus in Vernichtungslager verschleppt. An der Rotunde an der historischen Wallanlage legte Wolf ein Gebinde im Gedenken an die Opfer deutscher Verbrechen nieder. Pfingstsamstag besucht er das nahegelegene ehemalige KZ Belzec.

Wir sprachen mit Wolf über die neue Städtepartnerschaft:

Herr Wolf, wie stressig war denn Ihre Reise nach Zamosc?

Ich bin ja nicht das erste Mal hierher gefahren, von daher wusste ich, was für eine Strecke auf uns zukommt. Ich glaube, vor zwei Jahren habe ich sogar noch länger gebraucht.

Auf jeden Fall hatten sogar die polnischen Journalisten Mitleid mit Ihnen.

Mich hat die Tour nicht gestört, ich konnte mir während der Fahrt die Umgebung in aller Ruhe anschauen. Dabei sind mir die vielen Storchennester aufgefallen. Und ich fand auch, dass es immer weniger alte Bausubstanz gibt. Die Häuser sind in vielen Fällen neu gebaut oder renoviert worden.

Jetzt ist es also offiziell: Weimar und Zamosc gehören zusammen. Was erwarten Sie von der Städtepartnerschaft?

Es gibt auf den verschiedensten Gebieten die Möglichkeit einer Zusammenarbeit. Ich finde es besonders wichtig, dass die jungen Leute miteinander in Kontakt kommen. Gemeinsam können sie etwas über die Geschichte erfahren, auch über die Schattenseiten wie etwa die Zeit des Nationalsozialismus. Mit dem Wissen kommt auch die Verantwortung.

Aber auch auf Verwaltungsebene kann es zu einem regen Austausch kommen; die Städte sind ähnlich groß und haben durchaus ähnliche Probleme.

Gibt es etwas, das Sie an der Stadt besonders beeindruckt?

Die ganze Atmosphäre ist einzigartig, der Markt mit seinen alten Häusern sehr beeindruckend. Obwohl man so weit östlich ist, kann man in der Innenstadt ein mediterranes Flair spüren. Das liegt natürlich vor allen Dingen an der beeindruckenden italienischen Renaissance-Architektur.

Im nächsten Jahr werden die ersten Busse aus Thüringen Richtung Zamosc fahren . . .

. . . das werden fünf, sechs Busse sein. Die Vorbereitung für die Weimarer Bürgerreisen 2013 haben gerade begonnen. Das dauert natürlich eine Weile, um das Programm für so viele Leute vorzubereiten und alles zu planen. Aber auch auf anderen Ebenen wird es Austausch geben. Grundsätzlich stehen sich die beiden Städte sehr nah: Kultur- und Hochschullandschaft können sich ergänzen.

Hat es Sie überrascht, dass Sie von den polnischen Journalisten nach Ihrer Fußball-Leidenschaft gefragt wurden?

In einem Land, in dem die Europameisterschaft anläuft, ist das sicher verständlich. Aber ich bin kein Fachmann. Allerdings hat mich der Fußballverein im Weimarer Ortsteil Gaberndorf als Maskottchen auserwählt: Denn als ich dort war, hat die Mannschaft nach langer Zeit mal wieder gewonnen.