Wie viel Geld Erfurter OB-Kandidaten für Wahlkampf ausgeben

Die sieben OB-Kandidaten haben sehr unterschiedliche Etats für den Wahlkampf. Vier legen ihr Budget offen. Drei nennen keine Summen. Vom Plakat über Ostereier bis zu Blumensamen reicht das Werbematerial der Parteien.

Der Erfurter Oberbürgermeister-Kandidat Thomas Kemmerich (FDP) veranstaltete am Samstag auf dem Anger ein kleines Volksfest. Foto: Marco Schmidt

Der Erfurter Oberbürgermeister-Kandidat Thomas Kemmerich (FDP) veranstaltete am Samstag auf dem Anger ein kleines Volksfest. Foto: Marco Schmidt

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Erfurt. Die einen legen jeden Cent offen, die anderen machen ein Geheimnis daraus: Wie viel Geld und Sachmittel investieren die Erfurter OB-Kandidaten in den Wahlkampf? Diese Frage stellte unsere Zeitung allen sieben Kandidaten. Dabei geht es um Transparenz und darum, zu sehen, inwieweit kleinere Parteien gegen die vermutete "Materialschlacht" der großen ankommen können.

Während SPD, Linke, Grüne und Piraten bis ins Detail exakte Angaben machten, äußerte sich der Kandidat der Freien Wähler, Dr. Gerd Stübner, nur kurz: "Da der Wahlkampf noch bis zum 22. April bzw. 6. Mai im Gange ist, werden derzeit keine Angaben gemacht", lautete seine Antwort.

Den größten Etat dürfte wohl der amtierende OB Andreas Bausewein zur Verfügung haben: "Bis zu 60.000 Euro" stelle der Kreisverband für den Wahlkampf zur Verfügung, teilte die Partei mit. Finanziert werden damit unter anderem die Flyer, die Bauseweins Helfer in die Briefkästen aller Erfurter Haushalte werfen ließ. Neben 2200 Plakaten gehörten 2000 Einkaufsbeutel, 1000 Eier und 1000 Rosen zu den Werbemitteln, die auch an Ostern und zum Frauentag verteilt wurden.

Michael Panse, der für die CDU antritt, nannte keine Summe. "Der Wahlkampf läuft derzeit noch, Spenden werden weiter eingeworben, möglicherweise steht auch eine Stichwahl an." Er verwies darauf, dass der Einsatz ehrenamtlicher Wahlhelfer aus der CDU "unverzichtbar für den Wahlkampf" sei. Das Geld, das von der Erfurter CDU und von Spendern komme, gibt er unter anderem aus für Plakate, Stände, Veranstaltungen und ein Fahrzeug.

Die Linke hat für ihren parteilosen Kandidaten Michael Menzel 2011 und 2012 nach eigenen Angaben 21.300 Euro bereitgestellt. Auch er verweist darauf, dass viel Arbeit von ehrenamtlichen Helfern übernommen wird. Menzel setzt auch auf Masse: Er ließ 80.000 Wahlzeitungen drucken, um die Erfurter Haushalte direkt zu erreichen. Dazu kommen 50.000 Flyer, 60.000 Bürgerbriefe, die bereits 2011 verteilt wurden und 1.400 Plakate. 300 Ostereier stehen genauso auf der Materialliste wie 750 Feuerzeuge, 800 Kugelschreiber und 500 Flaschenöffner.

Kleines Volksfest auf dem Anger

Thomas L. Kemmerich, der für die FDP antritt, erregte Aufmerksamkeit mit einem kleinen Volksfest, das er am Samstag auf dem Anger veranstaltete - mit Livemusik und Kinderspielgeräten. Was sein Wahlkampf kostet, wollte er nicht sagen. Das Geld stamme von der Partei, aber auch von Spendern. Er verzichtet auf kleine Plakate, weil "zum Wahltermin hin die meisten Pappen schief und krumm und zerschmuddelt ein trauriges Bild abgeben". Auch Kemmerich beschickte alle Erfurter Haushalte mit Flyern und baut stark auf "einen großen Stamm an Helfern und Unterstützern".

Die Grünen nannten eine Gesamtsumme von 9.500 Euro, die für den Wahlkampf von Kathrin Hoyer zur Verfügung stehen. 1.000 Euro davon kommen vom Landesverband, den Rest muss der Kreisverband tragen. Das Geld reicht für 1.100 Plakate, 10.000 Flyer und 1.000 Wahlkampfzeitungen sowie - eine grüne Spezialität - 1.000 Tütchen mit Sonnenblumensamen. Internetauftritt und Wahlkampfstände werden häufig von ehrenamtlichen Helfern betreut, die auch Flyer verteilen.

Am Detailliertesten listeten die Piraten ihre Wahlkampf-Kosten auf - sie sind überdies auf deren Internetseite nachzulesen. 1.000 Euro stehen für Peter Brückners Wahl-Werbung zur Verfügung, die Verwendung dieser Mittel wird basisdemokratisch abgestimmt. Neben 2.500 Flyern und 350 Plakaten gaben die Piraten auch Geld für Pinsel und Leim aus (48,20 Euro). Augenzwinkernd ergänzt Brückner, dass er für seine ehrenamtlichen Helfer 30 Bratwürste und zwei Kästen Getränke finanziert hat. Außerhalb des Piraten-Wahlkampfetats.

Wahlhelfer der Parteien

  • Wir fragten die Kandidaten, welche prominenten Wahlkampf-Helfer zur Unterstützung nach Erfurt kommen.
  • Michael Panse (CDU): Gegenüber den scheinbar weniger bekannten Personen scheint es mir nicht angemessen, einzelne Unterstützer als prominent namentlich herauszustellen. Gefreut habe ich mich allerdings über die Unterstützung von Dr. Vitali Klitschko.
  • Michael Menzel (parteilos für die Linke): Bodo Ramelow, Sarah Wagenknecht, Gesine Lötzsch, Dietmar Bartsch, Oskar Lafontaine und andere.
  • Andreas Bausewein (SPD): Walter Steinmeier, Torsten Schäfer-Gümbel, Matthias Platzeck, Matthias Machnig, Klaus Wowereit (am 20. April).
  • Thomas Kemmerich (FDP): Ich habe keine prominenten Persönlichkeiten, die mich im Wahlkampf beehren. Meine Vorstellung von Politik braucht nicht das Gutheißen eines "Schirmherren".
  • Kathrin Hoyer (Grüne): Katrin Göring-Eckardt, Anja Siegesmund, Horst Frank (Konstanz, erster grüner OB Deutschlands)
  • Dr. Gerd Stübner (parteilos für die FW): Hubert Aiwanger, Bayerischer Landesvorsitzender und Bundesvorsitzender der Freien Wähler.
  • Peter Brückner (parteilos für die Piraten): Die Piratenpartei setzt eher auf Inhalte als auf Bilder und Prominente. Gesichterwahlkampf finde ich persönlich eher eine Beleidigung für die Wähler.

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