Zoff um die Glühlampe: Totgesagte leuchten länger

Die Verbannung der (guten) alten Glühlampe, die seit 2009 schrittweise europaweit vollzogen wird, wollen EU-Parlamentarier rückgängig machen.

Die Glühlampe steht vor einem einleuchtenden Comeback. Foto: Marco Kneise

Die Glühlampe steht vor einem einleuchtenden Comeback. Foto: Marco Kneise

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Berlin. Obwohl der Name Herbert Reul nicht zu den bekannteren unter den Politikern zählt, ist er kein kleines Licht. Im Europa-Parlament sitzt der CDU-Politiker dem 55-köpfigen und enorm einflussreichen Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie vor. Der 58-jährige Studienrat aus Leichlingen in Nordrhein-Westfalen forderte die EU-Kommission sogar auf, schnell zu prüfen, ob die Energiesparlampen überhaupt noch vertrieben werden dürfen. Seiner Meinung nach wurden sie, getrieben vom Klimaschutz-Wahn, in einem Hauruck-Verfahren verboten und gehören zum politischen Sondermüll.

Anlass für den Vorstoß gab eine Studie des Bundesumweltamtes, das vor dem Quecksilber in den Wunderlampen warnt. Zerschellt eine aus irgendeinem Grund, überschreitet die Konzentration des giftigen Elements das zwanzigfache des zugelassenen Wertes. Das kann besonders bei Schwangeren und Kindern zu gravierenden Schäden im Gehirn und in den Nieren führen.

Glühlampen mit 100 sowie 75 Watt werden in der EU nicht mehr verkauft. Da sie nur fünf Prozent der verbrauchten Energiemenge in Licht umsetzten, gelten sie als unmäßige Energiefresser. Würde die EU umgerüstet, so ein Rechenmodell, könnte Energie in der Höhe des gesamten Bedarfs von Rumänien eingespart werden.

Die FDP-Abgeordneten im EU-Parlament hatten sich bereits gegen das Glühlampenverbot ausgesprochen und Vize-Parlamentspräsidentin Silvana Koch-Mehrin forderte nochmals eine Aussetzung.

"CDU und FDP im Europaparlament vertreten hier klar die Lobbyinteressen der Glühlampenhersteller, nicht von Umwelt und Verbrauchern", meinte gegenüber unserer Zeitung Dorothea Steiner, umweltpolitische Sprecherin der Bündnisgrünen im Bundestag. "Was diese Parteien verschweigen, ist, dass auch beim Einsatz von Glühlampen Quecksilber entsteht, nämlich in den Kohlekraftwerken, die den Strom erzeugen. Dieses belastet großflächig die Umwelt. Gemessen am Stromverbrauch ist und bleibt die Glühlampe eine Katastrophe. Die Hersteller müssten umgehend verpflichtet werden, die Rückgabe alter Energiesparlampen in allen Geschäften sicherzustellen. "

Diese Meinung vertritt auch Ralph Lenkert von der Linkspartei, ebenfalls Mitglied im Umweltausschuss, gegenüber der "Thüringer Allgemeine". Der Thüringer sieht sich aber eher an der Seite der Koalitionsparteien. Das aber nicht nur, weil sein Sohn bei einer Kissenschlacht eine Energiesparlampe final zerschmetterte und die anschließenden hektischen Aktionen ins Familiengedächtnis eingingen.

Überraschend hat Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamtes, die Studie seiner Behörde wieder einkassiert, indem er es falsch nannte, ins Zeitalter der Energieverschwendung zurückzukehren. Er rief die Hersteller auf, die Bruchsicherheit der Lampen zu erhöhen und den Einsatz von Quecksilber einzuschränken. Er verwies auf Lampen mit einem Hüllkolben, die an gefährdeten Stellen eingesetzt werden sollten. Damit dürfte er auch Austragungsstätten von Kissenschlachten gemeint haben.