Zoff vor Thüringer AfD-Parteitag – Muhsal tritt nicht mehr an

Erfurt  Im Vorfeld des Listenparteitages der Thüringer AfD gibt es interne Querelen. Der Chef der Alternativen Mitte, Helmut Witter, appelliert an den Bundesvorstand: Der Landesvorstand um Höcke soll entmachtet werden.

Die Thüringer AfD will im Oktober ihre Parteiliste für die Landtagswahl 2019 wählen.

Die Thüringer AfD will im Oktober ihre Parteiliste für die Landtagswahl 2019 wählen.

Foto: dpa

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Innerparteiliche Querelen begleiten bereits im Vorfeld den Listenparteitag der Thüringer AfD, auf dem Mitte Oktober die Kandidaten für die Landtagswahl 2019 gewählt werden sollen. Dabei werden zahlreiche Kampfabstimmungen erwartet.

„Die Thüringer AfD hat nur dann eine Chance, wenn der Bundesvorstand den kompletten Landesvorstand absetzt und entmachtet“, sagte Helmut Witter am Montag. „Ich appelliere an den Bundesvorstand, dies zu tun.“ Denn wenn einmal das Flüchtlingsthema wegfallen sollte, werde sich für die AfD in Thüringen – so wie sie derzeit politisch aufgestellt ist – „kein Mensch mehr interessieren“.

Witter ist Landesvorsitzender der vor einem Jahr gegründeten Alternativen Mitte (AM), einer bürgerlich-konservativen Parteiströmung, die sich offensiv gegen völkische Bestrebungen sowie gegen vermeintlichen Personenkult um Parteichef Björn Höcke wendet.

Auch die überraschende Vorverlegung des Parteitags, der ursprünglich für Anfang 2019 geplant war, sieht Witter im Kontext des AfD-internen Spannungsfelds. Die Parteispitze habe veranlasst, den Parteitag um mehrere Monate vorzuziehen, „um der Alternativen Mitte Wind aus den Segeln zu nehmen und sie zu schwächen“. Denn innerhalb der Partei würden sich zunehmend Kräfte formieren, die unabhängige Vorstellungen von geeignetem Führungspersonal entwickelten. Mit der Vorverlegung habe die Parteispitze verhindern wollen, dass diese Kräfte erstarken und sich durchsetzen könnten.

Es sei aus sachlichen Gründen „zwingend erforderlich“ gewesen, den Parteitag deutlich vorzuziehen, sagte hingegen Stefan Möller, der gemeinsam mit Höcke der AfD vorsteht.

Bei der Landtagswahl 2019 rechne die AfD mit etwa 20 Abgeordneten im Thüringer Landtag. Man benötige deshalb ausreichend Zeit, um so viele Kandidaten für den Landtag fit zu machen. Die angehenden Politiker müssten professionell geschult werden, Reden zu halten, bei Podiumsdiskussionen eine gute Figur abzugeben und mit der Presse umzugehen.

Mit etwa 70 Kandidaten, die um die begehrten Listenplätze für die Landtagswahl konkurrieren, rechnet Möller. Die ersten zwanzig Personen auf der Liste hätten – legt man die momentanen Umfragewerte zugrunde – gute Chancen auf ein Landtagsmandat.

Muhsal tritt nicht mehr an

Von den acht Abgeordneten, die die AfD im Landtag vertreten, wird nur die Juristin Wiebke Muhsal aus Jena freiwillig verzichten und sich nicht erneut zur Wahl stellen. „Vor allem aus familiären Gründen“, wie sie unserer Zeitung sagte. Vor zwei Monaten wurde Muhsal das vierte Mal Mutter. „Das eine Jahr bis zur Landtagswahl will ich aber noch voll durchziehen.“

Möller sagte am Montag, er wolle noch ein Gespräch mit ihr führen. Vor zwei Wochen hatte Muhsal in einem Interview durchblicken lassen, dass sie sich möglicherweise aus der Landespolitik zurückziehe.

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