„Zu hart und zu vereinfacht“: GEC relativiert Kritik an Stadt

Erfurt  Auf einer Krisensitzung zum Karnevalsumzug wird das Kriegsbeil begraben. Umzug künftig ohne „Marbacher Burschen“

Kritik an vermeintlich zu viel Bürokratie durch die Stadtverwaltung wurde beim Karnevalsumzug am 3. März und in den Tagen danach laut.

Kritik an vermeintlich zu viel Bürokratie durch die Stadtverwaltung wurde beim Karnevalsumzug am 3. März und in den Tagen danach laut.

Foto: Marco Schmidt

Bei einem Krisengespräch am Freitag haben die Gemeinschaft Erfurter Carneval (GEC) und die Stadtspitze Frieden geschlossen. Der GEC-Präsident Thomas Kemmerich gestand anschließend ein, dass die teils scharfe Kritik an der Stadt nach dem Karnevalsumzug „durchaus zu hart“ und „in der Hitze des Gefechtes zu vereinfacht“ geäußert worden sei.

Die Verkürzung der Route von 3,9 auf 2,5 Kilometer sei nicht etwa von der Stadt, sondern von der GEC selbst ausgegangen. Man habe im Vorfeld auf ein externes Sicherheitskonzept ohne Absperrgitter vertraut, das jedoch nicht eingetroffen sei. Daher habe man auf das alte Konzept mit den preisintensiven Gittern zurückgreifen müssen. Die damit verbundenen Kosten hätten die GEC gezwungen, die Strecke zu verkürzen.

Im Umfeld des Umzuges am 3. März hatten Vertreter der GEC zudem manche Auflagen etwa zu der nötigen Ordnerzahl kritisiert, bei denen die Stadt ihren Ermessensspielraum weit weniger ausgeschöpft habe das als in mancher Karnevalshochburg üblich sei. Die von der Stadt genannten Regelungen zu einem Festzelt hätten die Betreibung so unwirtschaftlich erscheinen lassen, dass kein Betreiber gefunden wurde und auf das Zelt verzichtet werden musste.

Die große und damit teure Anzahl der Ordner sei aber ebenfalls schon im Konzept enthalten gewesen, betonte am Freitag Ordnungsdezernent Andreas Horn (CDU). „Es geht nicht, dass von der Stadt erwartet wird, dass sie bei den Ordnerzahlen runtergeht und dann bei einem Unfall die Verantwortung übernimmt“, sagte er.

Laut einer Mitteilung der Stadt ließ Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) noch etwas deutlicher Luft ab. „Ich finde die Schwarze-Peter-Spiele der Karnevalsvereine nicht fair“, soll er geklagt haben. Das GEC-Sicherheitskonzept sei viel zu spät bei der Stadt abgegeben worden. Nur weil die zuständigen Ämter extrem kurzfristig reagiert hätten, habe der Umzug überhaupt stattfinden können.

„Unsere Mitarbeiter ärgern sich sehr darüber, wenn sie hinterher trotz ihres Einsatzes in den Hintern getreten werden“, meinte Bausewein laut der Mitteilung. Laut dem Schreiben nahm auch der Präsident des „Anger Karneval Club“ (AKC), Peter Schowanek, am Treffen teil. Er soll „in puncto Kommunikation Nachholbedarf“ eingeräumt haben, heißt es.

Einig waren sich die Beteiligten über die Bewertung der Gruppe „Marbacher Burschen“. Sie sollen beim Umzug über die karnevalistischen Stränge geschlagen und Stadtvertreter auf der Tribüne in Bezug auf die in Marbach geplante Moschee als „Volksverräter“ und „Stümper“ beschimpft haben.

„Unter aller Kanone“, meinte am Freitag GEC-Präsident Thomas Kemmerich. „Das tut uns leid, das findet bei uns keine Billigung, und das verurteilen wir.“ Kemmerich bestätigte, dass die Gruppe von künftigen Umzügen ausgeschlossen werde.

Künftige Umzüge soll es aber geben. Wenn es nach der GEC geht, finden sie auch wieder mit Start und Ziel am Domplatz statt. Die GEC, die am liebsten die Stadt als Veranstalter sehen würde, erhofft sich zumindest eine größere finanzielle Unterstützung. Der Umzug wird von den 35 Senatoren privat finanziert, die in diesem Jahr mit 20.000 Euro von der Stadt bezuschusst wurden.

„Einen Euro pro Besucher müsste der Stadt der Umzug doch wert sein“, meinte Kemmerich. Ausgehend vom diesjährigen Zuspruch, würde das einem städtischen Zuschuss von 55.000 Euro entsprechen, etwa die Hälfte der Kosten.

Im Haushalt sind für die nächsten Jahre keine Mittel eingeplant. „Wir können den Karneval nicht kommunalisieren“, soll Kultur-Dezernent Tobias Knoblich geäußert haben.

GEC-Präsident Kemmerich ist aber zuversichtlich, eine Lösung zu finden. Dazu beitragen sollen auch die regelmäßigen Gespräche, die beide Seiten am Freitag vereinbart haben.

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.