Zukunftsstadt: Visionen zum Alltag in Nordhausen werden präsentiert

Nordhausen. Nordhausen ist schon vieles, Rolandstadt, Hochschulstadt, und nun möchte man noch Zukunftsstadt werden. 168 Kommunen haben sich bei einem Bundeswettbewerb im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2015 beworben.

Fünfzig wurden ausgewählt. "Allein das ist schon toll", freute sich Oberbürgermeister Klaus Zeh. Ziel sei eine Vision für 2030 und die folgenden Jahre. Nordhausen hat sich allein beim Thema "erneuerbare Energien" eine Menge vorgenommen. 2020 sollen 45 Prozent und 2030 der komplette Strom aus erneuerbaren Quellen stammen. Bei der Wärme strebt man bis 2030 30 Prozent an.

Petra Diemer vom Amt für Zukunftsfragen und Stadtentwicklung stellte die ehrgeizigen Ziele vor: "Es geht darum, die Stadt von Morgen zu entwickeln", sagte sie. Beate Meißner von der Stadtverwaltung, Kerstin Faber, als Vertreterin der Internationalen Bauausstellung, Dagmar Everding von der Nordhäuser Hochschule und Mathias Wilde von der Goetheuniversität Frankfurt/Main sind sowohl Kooperationspartner der Bewerbung und stellten ihre Gedanken zum Thema vor: "Der ISEK-Prozess war bereits spannend. An Wettbewerb gefällt mir die stärkere Zusammenarbeit mit dem Bürger", sagte Beate Meißner. Nordhausen habe wegen seiner Kompaktheit viele Vorteile, betonte sie.

Für Kerstin Faber steht der Gedanke, nicht nur die Stadt, sondern die gesamte Region mit einzubeziehen im Vordergrund. "Die Städte haben sich vom Land entkoppelt, weil sie in der Ernährung nicht mehr von Bauern vor Ort abhängig sind, sondern man im Supermarkt ganzjährig Erdbeeren und Äpfel von überall auf der Welt kaufen kann. Es ist wichtig, neue Beziehungen zu finden. Ein Schwerpunkt können dabei die erneuerbaren Energien sein."

Wie die Stadt 2030 aussehen kann, beschrieb Dagmar Everding. "Ein großer Teil der Veränderungen ist gar nicht zu sehen, denn es handelt sich um Leitungen und unterirdische Energiespeicher. Auf den Dächern gibt es beispielsweise vermehrt Photovoltaik."

Wie teuer der Stadtumbau werden würde, konnte sie jedoch nicht beziffern, denn es gäbe auch Einsparungen und Gewinne durch die Maßnahmen zu verzeichnen. Mathias Wildes Thema war die Mobilität. "Mehr Radfahrer und die E-Mobilität sollen später das Stadtbild prägen. Städte sollten mehr soziale und kulturelle Aspekte in die Planung einbeziehen, nicht nur die Nutzung durch Autos."

In kleinen Gruppen konnten die interessierten Gäste mit den Verantwortlichen diskutieren und erste Gedanken sammeln. Im Rahmen des Wettbewerbes sollen die Bürger mehr mit einbezogen werden, ihre Ideen und Vorschläge äußern, deshalb sind bis zum März des nächsten Jahres vier weitere Veranstaltungen geplant. Bei drei Werkstätten werden Bürger gemeinsam mit Stadt und Planern Visionen entwickeln, die Anfang März vorgestellt werden.