30 Amtsjahre: Werner Henning ist Deutschlands dienstältester Landrat

Eichsfeld.  Der dienstälteste Landrat Deutschlands, Werner Henning, Landrat des Landkreises Eichsfeld, feiert heute 30-jähriges Jubiläum in diesem Amt.

Die Wendezeit: Mit nur 33 Jahren ist Werner Henning am 7. Dezember 1989 zum Vorsitzenden des Rates des Kreises in Heiligenstadt gewählt worden.

Die Wendezeit: Mit nur 33 Jahren ist Werner Henning am 7. Dezember 1989 zum Vorsitzenden des Rates des Kreises in Heiligenstadt gewählt worden.

Foto: Eckhard Jüngel

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Heute vor 30 Jahren ist Werner Henning (CDU) zum Vorsitzenden des Rates des Kreises im Altkreis Heiligenstadt gewählt worden. Diese Bezeichnung entspricht der des Landrates. Aber schon im Mai 1990 wurde bei den ersten freien Kommunalwahlen aus dem Vorsitzenden ein „echter Landrat“, nämlich der des Altkreises Heiligenstadt. Als 1994 Worbis und Heiligenstadt zum Landkreis Eichsfeld fusionierten, klappte es erneut. Bis heute ist er im Amt, wurde 2018 mit seinem besten Wahlergebnis in seine letzte Amtszeit gewählt. Er ist der dienstälteste Landrat in Deutschland.

Aber nicht nur in dieser Position gibt er oft den Ton an, nein, auch oft an der Geismarer Kirchenorgel, ja, selbst in Gemeinden ist er schon mal bei einer Festlichkeit als Gastmusiker eingesprungen. Was er sich nicht nehmen lässt, ist das Weihnachtsessen der Volkssolidarität Heiligabend, bei dem er Klavier spielt. Und wie es sich gehört, kennt er sich als Chef des ländlichen Raumes mit rassigem Geflügel und Kaninchen aus, er weiß, wie man Straßen baut, die Finanzen zusammenhält und sich gegen Ungemach vom Land wehrt. Da steigt er gern in den Ring für sein Eichsfeld, hält aber eisern die Regeln der Fairness ein. 30 Jahre hat er dem Eichsfeld die Treue gehalten. Es gab ein Angebot, in ein Ministerium zu wechseln. Er lehnte ab.

Eine, die ihn viele Jahre als Kämmerin und erste Beigeordnete begleitet hat, ist Martina Gatzemeier. Sie sagt über ihn: „Er ist eine Persönlichkeit, die das Eichsfeld wie kein zweiter geprägt hat. Er führte in seinem Umfeld eine kräftige und wohl auch höchst anspruchsvolle Handschrift. Es war für ihn, so sagte er es immer mal wieder, eine spannende Zeit, in der sich ungemein vieles verändert hat.“ Sie erinnert an die Kreisfusion, die Gründung der Eichsfeldwerke und der Kulturbetriebe, die Neustrukturierung der Krankenhauslandschaft, die Übernahme der Grundsicherung- damals als einziger Kreis in Thüringen –, eine zukunftsfähige Schulnetzplanung und nicht zuletzt die finanzielle Umstellung auf Doppik. Henning habe das Eichsfeld zu einem erfolgreichen und über seine Grenzen hinaus beachteten und anerkannten Landkreis entwickelt, seinen Bestand mit starken und sachbezogenen Argumenten gegen die Pläne zu einer neuerlichen Gebietsreform der Landesregierung verteidigt. „Sein Erfolg ist nicht das Kind großer Reden, sondern die Konsequenz aus vorausschauendem Denken, Arbeit und Fleiß, Durchhaltevermögen und Durchsetzungskraft, umsichtigem Handeln und einem fürsorglichen Umgang mit den Menschen, der geprägt ist durch seine tiefe Verwurzelung im christlichen Glauben. Ich bin sehr dankbar, dass ich mit ihm zum Wohle des Eichsfelds habe zusammenarbeiten dürfen.“

Der Amtskollege aus dem Werra-Meißner-Kreis, Stefan Reuß (SPD), hält viel von ihm: „Zunächst gratuliere ich sehr herzlich zu diesem außergewöhnlichen Dienstjubiläum. Ich schätze an Dr. Henning seine Ausgewogenheit und Abwägungsfähigkeit, ohne dabei eine klare Linie zu verlassen. Dinge sehr schnell zu erfassen und eine Position mit Verlässlichkeit zu vertreten, schätze ich als besondere Stärke an ihm. Obwohl wir parteipolitisch unterschiedlich verortet sind, hat dies nie eine Rolle gespielt.“ Menschlich sei Henning ein sehr bodenständiger, freundlicher, den Menschen zugewandter Typ. „Man könnte auch von einem Menschenfänger im positivsten Sinne sprechen. Ich kann mich nicht erinnern, schon einmal ein unfreundliches Wort oder eine unfreundliche Geste erlebt zu haben.“ Er sei ein rundum angenehmer Mensch, so Reuß. „Wir haben auf der dienstlichen Ebene eine ganze Menge besonderer Erlebnisse gehabt, wo es auch darum ging, schwierige Entscheidungen zu treffen und zusammenzustehen. Auch emotionale Momente waren dabei, Feierlichkeiten genauso wie traurige Anlässe. Ich freue mich immer und empfinde es als besonderes Erlebnis, wenn er zu Veranstaltungen bei uns im Landkreis wie ganz selbstverständlich kommt.“

„Menschenfänger“ und „Landgraf“

Bernhard Reuter (SPD), der Göttinger Landrat, kennt Werner Henning „als kompetenten, meinungsstarken, verbindlichen, zugewandten Kollegen.“ Ihn beeindrucke, wie der Eichsfelder seine regionale und weltanschauliche Identität mit pragmatischer und intellektueller Offenheit verbinde. „Das macht ihn zu einem guten Nachbarn, scharfsinnigen Gesprächspartner und verlässlichen Akteur für die Region. Er macht keinen Hehl daraus, was ihn prägt. Man kann nachvollziehen, warum er wie handelt. Das schätze ich sehr.“ Reuter hat Respekt vor Hennings Gradlinigkeit. „Der Austausch mit ihm mag in der Sache manchmal hart sein, ist menschlich aber immer ein Gewinn.“ Die besondere Qualität der Zusammenarbeit liege in ihrer beständigen Verlässlichkeit. „Berechenbarkeit – und ja, auch Vertrauen – sind ein seltenes Gut in der Politik.“

Ein eher unbequemer Wegbegleiter ist Heinz Funke, Sozialdemokrat, Anwalt und Mitglied des Kreistages: Seine Bilanz zum Jubiläum falle überwiegend positiv aus. „Dass der Landkreis im Thüringenvergleich gut dasteht, davon kann sich jeder überzeugen. Das liegt nicht nur an den guten Rahmenbedingungen des Eichsfeldes, sondern auch an der guten Arbeit des Landrates.“ Dieser habe den Landkreis geformt, vorangebracht und dabei überwiegend kluge und weitsichtige Entscheidungen getroffen. „Leider ist Dr. Henning manchmal mehr Landgraf als Landrat. Er vergisst gelegentlich, die Menschen ins Boot zu holen und teilhaben zu lassen an der Entscheidungsfindung. Demokratische Beteiligung der Menschen anstatt technokratischem Verwaltungshandeln – das muss sich in den nächsten 30 Jahren verbessern.“

Rolf Berend (CDU) erinnert sich an die erste Fahrt nach Berlin im März 1990, als beide in die Volkskammer gewählt wurden. „Wir haben zusammen in der ersten Fraktionssitzung im Interesse der Eichsfelder und vieler DDR-Bürger die Wiedereinführung der kirchlichen Feiertage thematisiert und gleich einen entsprechenden Antrag gestellt, der danach von der Volkskammer positiv verabschiedet wurde“, erzählt er. In den folgenden 20 Jahren habe es eine gute Zusammenarbeit gegeben, als Berend Europaabgeordneter war. „Wir haben manches Projekt mit EU-Mitteln vor allem in der Infrastruktur erfolgreich gestaltet.“ Auch als Berend im Kreistag saß, sei es immer eine konstruktive Zusammenarbeit gewesen. Beide waren zudem im Thüringer Landkreistag. Eines aber werde wohl immer bleiben: Geht es nach Henning, werde das Eichsfeldlied bei Anlässen vollständig gesungen. „Wenn ich zum Schluss stets ,Bist du gewandert...’ am Mikro anstimmte, konnte man fast darauf warten, dass der Landrat von unten rief: Herr Berend, aber bitte alle fünf Strophen, nicht nur drei!“

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