Wasser- und Abwasserzweckverband Eichsfelder Kessel setzt auf nachhaltige Konzepte

Eichsfeld  WAZ ist auf dem Weg zum Selbstversorger mit Energie.

Steffen Eggert, Leiter der Kläranlage in Bernterode/Wipper, zeigt den Energieverbrauch, der Vorreinigung, der Belüftung, beim Rücklaufschlamm und der Schlammbehandlung. Im Hintergrund sieht man die neue Photovoltaikanlage auf dem Rechengebäude.

Steffen Eggert, Leiter der Kläranlage in Bernterode/Wipper, zeigt den Energieverbrauch, der Vorreinigung, der Belüftung, beim Rücklaufschlamm und der Schlammbehandlung. Im Hintergrund sieht man die neue Photovoltaikanlage auf dem Rechengebäude.

Foto: Eckhard Jüngel

Der Wasser- und Abwasserzweckverband Eichsfelder Kessel (WAZ) beschäftigt sich schon länger damit, wie er energieeffizienter werden kann. Der Verband hat sich sogar das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 weitgehend energieautark zu werden, also alle Energie, die er verbraucht, selbst herzustellen. Einen weiteren Schritt in diese Richtung ist er im Dezember 2020 gegangen, in welchem er auch sein 30-jähriges Bestehen feiern konnte.

Da nämlich wurde er erneut hinsichtlich seines Energie-Management-Systems (EMS) zertifiziert. „Wir befassen uns stets mit unserem Energieverbrauch und woher der kommt“, sagt Geschäftsleiter Oliver Thiele. „Wir sind ein energieintensives Unternehmen. Insgesamt 35 Prozent des öffentlichen Energiebedarfs wird für die öffentliche Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung benötigt.“

Und die Energiekosten seien nach denen für das Personal und vor denen der Abwasserabgabe die zweithöchsten im Verband. „Die Top 10 unserer 84 trink- und abwassertechnischen Anlagen im Verbandsgebiet verbrauchen 84 Prozent unseres Energiebedarfs. Dort wollen wir zuerst ansetzen.“

Im Jahr 2019 wurde deshalb ein innovatives Energiekonzept, kurz INEWA, für alle Bereiche des WAZ erarbeitet. Dazu gehören drei Handlungsfelder: Man will den Energiebedarf senken, den Energieverbrauch reduzieren und auch selbst Energie gewinnen sowie speichern. Zum letzten Punkt gehören Solaranlagen, die beispielsweise schon auf der Kläranlage in Leinefelde vorhanden sind und aktuell auch auf der Kläranlage in Berterode/Wipper installiert werden.

Ferner ist eine Klärschlamm-Faulungsanlage auf der Kläranlage Leinefelde geplant, die Energie aus Abwasser erzeugen kann. Auch Wasserkraftanlagen sollen zum Einsatz kommen. Solche Kleinstwasserwerke wolle man beispielsweise innerhalb der Anlage in Weißenborn etablieren, denn dort lassen es die natürlichen Gegebenheiten, sprich das Gefälle im Gelände, zu.

Mit diesem INEWA-Konzept konnte sich der Verband im Rahmen des Fördermittelaufrufes 2020 für „investive Kommunale Klimaschutz Modellprojekte im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative“ des Bundesumweltministeriums als einziger Aufgabenträger im Freistaat Thüringen erfolgreich qualifizieren. „Es ist speziell für kleine und mittlere Ver- und Entsorger anwendbar und nutzt bereits heute vorhandene Technologien. Wir haben somit Modellcharakter für unsere Branche“, so Oliver Thiele. Mit der in Aussicht gestellten 80-prozentigen Förderung, die vom Freistaat mit gefördert wird, wolle man die Top-10-Anlagen bis 2025 weitgehend energieautark gestalten. Die jüngst erhaltene, neue Zertifizierung entspricht der aktuellsten Norm und bildet das Fundament bei der Bewertung und Verbesserung der Maßnahmen auf dem Weg zur Energieeffizienz.

Seit Aufbau des EMS im Jahr 2013 konnte der WAZ nach eigenen Angaben energetische Einsparungen von mehr als 1,4 Millionen Kilowattstunden erzielen (Stand 31. Dezember 2018). Damit habe der Ausstoß von mehr als 735 Tonnen Kohlendioxid vermieden und somit ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden können. „Wir werden weiter unsere Anstrengungen im EMS unter gleichzeitiger Gewährleistung der Ver- und Entsorgungssicherheit vornehmen, für unsere Kunden und zum Schutz unserer Umwelt“, so Oliver Thiele.