Aus alter Scheune in Hüpstedt wird ein Mehrgenerationenhaus

Hüpstedt.  Junge Bauherren realisieren in Rekordzeit ambitioniertes Projekt in einem 500 Jahre alten Gebäude in Hüpstedt.

Dajana Wagner zeigt, wie die Scheune vorher ausgesehen hat. Bei Ausschachtungsarbeiten für das Fundament wurde eine alte Trompete gefunden. Christoph Wagner möchte diese als Erinnerungsstück im Haus zeigen.

Dajana Wagner zeigt, wie die Scheune vorher ausgesehen hat. Bei Ausschachtungsarbeiten für das Fundament wurde eine alte Trompete gefunden. Christoph Wagner möchte diese als Erinnerungsstück im Haus zeigen.

Foto: Eckhard Jüngel

Vor fast genau zehn Monaten ging es los. Viele trauten es Christoph und Dajana Wagner vielleicht nicht zu. Aber heute sind sie immer noch im Plan. „Nach hinten raus wird es immer ein bisschen stressig, aber wir sind guter Dinge“, sagt der Bauherr, während er den Rohbau zeigt. Zwar haben die Wohnungen noch keine Toiletten oder Duschen, manche sind aber schon gefliest und gestrichen. „Es sind auch noch sechs Wochen, bis die ersten Parteien einziehen.“

Christoph und Dajana Wagner haben sich ein ambitioniertes Wohnprojekt ausgesucht, als sie im April 2019 die alte Scheune kauften. Sie gehört zu den ältesten Gebäuden in Hüpstedt, dem Gutshaus, und blickt auf eine fast 500-jährige Geschichte zurück. Eine Million Euro, inklusive Kaufpreis, sollten in das Objekt fließen. Im Sommer 2019 begannen die Bauherren damit, kleinere und baufällige Außengebäude abzureißen und Angebote einzuholen. „Wir mussten zum Teil anderthalb Meter ausschachten, fuhren dafür mit dem Bagger durch den großen Torbogen in die Scheune, was recht praktisch war. Dort haben wir auch eine alte Trompete gefunden“, so Christoph Wagner. Das Erinnerungsstück soll später auch im Haus gezeigt werden.

Alte Schindeln gingen an die Burg Gleichenstein

Im Januar dieses Jahres begann dann die Transformation der Scheune in ein Wohnhaus. Zuerst wurde die Bodenplatte gegossen, die Fundamente ausgebessert. „Dass wir teilweise das Fundament neu legen mussten, war eine Sache, die wir nicht auf uns zukommen sahen und die viel extra Zeit und Geld kostete. An anderen Stellen konnten wir beides sparen, das hat sich ausgeglichen.“

Anschließend mauerte man an den Giebeln verstärkend hoch. „Da waren die Wände nur 65 Zentimeter breit“, sagt Christoph Wagner und beschreibt die dicksten Wände mit satten 1,20 Meter. Anschließend wurden die Decken eingesetzt. Vorher hätte das Dach nicht abgenommen werden können, da die Fallhöhe zu groß gewesen wäre. Mit dem neuen Dach gab es auch drei Gauben, die nun mit Schiefer verkleidet sind – und graue Tonziegel ergeben das Endbild.

„Die alten Schindeln, weil sie historisches Baumaterial sind, gingen zur Burg Gleichenstein. Das löste für mich das Entsorgungsproblem.“ Zeitgleich wurden die Fenster geschnitten. Mit eine Spezialsäge wurde von beiden Seiten angesetzt, um die Außenwände zu durchdringen.

Für alle neun Wohnungen bereits Mieter gefunden

Bei der Fassade gab es letztendlich eine Planänderung. Sie wurde nicht von außen isoliert und verkleidet, sondern in Fleißarbeit verspachtelt und ergibt nun das Bemerkenswerteste an der Scheune. „Die Kalksteine müssen offen bleiben, damit sie im Sommer genug Sonne bekommen und die angestaute Feuchtigkeit der Wintermonate austrocknet. Außerdem sind die Wände so dick, dass zusätzliche Isolierung nicht viel gebracht hätte.“

Auch im Inneren haben die Bauherren darauf geachtet, den Charme der Scheune zu erhalten. Freigelegte Balken und Mauerwerk geben jeder Wohnung ihren ganz eigenen Charakter.

Insgesamt fanden neun Wohnungen ihren Platz in der Scheune, an der in diesem Jahr ausschließlich Firmen aus der Region gearbeitet haben und in die neben viel Herzblut auch eine Menge Eigenleistung der Familie geflossen ist. „Für alle haben wir bereits Mieter gefunden, die letzten ziehen in der Weihnachtswoche ein und ganz freiwillig wurde es am Ende ein Mehrgenerationenhaus.“