Das Eichsfeld näht Masken

Eichsfeld.  In mehreren Firmen und Gemeinden des Landkreises werden derzeit Gesichtsmasken hergestellt. Probleme bei Materialbeschaffung.

Die Born GmbH Knitwear for fashion & engineering aus Dingelstädt produziert neuerdings, hier Näherin Karla Lins, in großer Stückzahl Mund-Nasen-Abdeckungen.

Die Born GmbH Knitwear for fashion & engineering aus Dingelstädt produziert neuerdings, hier Näherin Karla Lins, in großer Stückzahl Mund-Nasen-Abdeckungen.

Foto: Eckhard Jüngel

Obwohl Abstandhalten und häufiges Händewaschen immer noch als die effektivsten Schutzmaßnahmen vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus gelten, greifen immer mehr Menschen nun auch zu einer Gesichtsmaske. Und da es möglich ist, dass bald eine Pflicht für eine solche Maske erlassen wird, wie bereits in anderen europäischen Ländern, näht man auch im Eichsfeld fleißig. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Probleme gibt es dabei neben der Namensgebung – Mundschutz dürfen nicht-zertifizierte Masken nicht genannt werden – vor allem bei der Materialbeschaffung.

Bei der Born GmbH Knitwear for fashion & engineering in Dingelstädt ist es beispielsweise der Stoff, an den die Textilfirma nur mit Mühe komme. Dort hat man aktuell teilweise auf die Maskenproduktion umgestellt, weil es wegen der Coronakrise zu einem Einbruch anderer Aufträge und auch zu Stornierungen kam. So seien Produktionskapazitäten frei geworden, sagt Geschäftsführer Rembert Born. Da sich das Unternehmen teilweise ohnehin auf sogenannte klinische Textilien – zum Beispiel Bandagen – spezialisiert hat, betrat es damit kein völliges Neuland.

Verschiedene Qualitätsstufen an Farbe erkennbar

Die Näherinnen stellen nun also Gesichtsmasken in verschiedenen Qualitätsstufen her. Blau, schwarz, grün und weiß sind sie und haben alle eine geringe Durchlassfähigkeit, was Feuchtigkeit betrifft. Den Härtetest mit einem Schluck Wasser zeigt der Geschäftsführer selbst: Die Flüssigkeit perlt ab, die Maske bleibt trocken. Außerdem haben die Masken nach Firmenauskunft eine antibakterielle Wirkung.

Das Unternehmen beliefert Unikliniken, wo Verwaltungsmitarbeiter und Pflegekräfte die Masken tragen, und wolle nun auch verstärkt für den privaten Bereich produzieren. Man denke in einem nächsten Schritt an Masken für Kinder und Jugendliche, sollte eine entsprechende Tragepflicht in der Schule angeordnet werden.

29 Jahre ohne eine Stunde Kurzarbeit

Trotz der Arbeit an den Masken musste Rembert Born für 20 Prozent seiner Mitarbeiter Kurzarbeit anmelden. „Wir haben es 29 Jahre geschafft: Für 40 Leute keine Stunde Kurzarbeit. Bis jetzt“, sagt er, der die Firma 1991 von der Treuhand übernommen hatte. Auch wenn es nicht einfach sei, in solchen Zeiten die Mannschaft durchzumanövrieren und die eigene Produktion zurückgefahren sei, haben die 25 Näherinnen gut zu tun.

3000 Masken geplant in Uder

Fleißig an der Nähmaschine arbeiten neben anderen Firmen im Eichsfeld derweil auch Freiwillige. Hier seien als Beispiele Bernterode und Breitenworbis sowie Uder und Niederorschel genannt. Bürgermeister Gerhard Martin (CDU) hat in Uder spontan 15 Näherinnen gefunden, die um die 3000 Masken nähen werden. Die Bänder und Stäbe seien dafür schon beschafft, nur das Tuch fehle. Man habe aber auch Stoffspenden aus dem Ort erhalten. Erst wenn alles vorhanden ist, soll es losgehen. Dann gibt es neben der Näh- auch eine Pflegeanleitung für die Masken, und die werden dann kostenlos an die Bürger verteilt.

Bernterode und Niederorschel helfen sich selbst

Ähnlich soll es auch in Bernterode und Breitenworbis laufen. Bernterodes Bürgermeister Cornelius Fütterer (parteilos) ist glücklich über acht freiwillige Helfer aus den beiden Orten. Zusammen mit der ortsansässigen Bürgerstiftung hatte er sich um das Material und die Organisation gekümmert. Die ersten 1000 Masken seien bereits fertig. Nur fehle es an den Gummibändern. „Nachbestellt haben wir, aber wer weiß, wann das ankommt“, sagt der Bürgermeister.

In Niederorschel sollen 6000 Masken in ehrenamtlicher Arbeit genäht werden. Der Stoff dafür sei bereits bestellt, sagt Bürgermeister Ingo Michalewski (CDU). Der Startschuss für die Produktion soll noch diese Woche fallen. Dann werden die Masken in der Bevölkerung verteilt oder jeder könne sich seine in der Verwaltung abholen. Genaueres werde noch bekannt gegeben. „Da man von einer zukünftigen Maskenpflicht ausgehen muss und auf Bundes- und Landesebene nicht vorgesorgt wurde, müssen wir uns eben selber helfen“, so Ingo Michalewski.