Der Geschmack des Sommers

Silvana Tismer
| Lesedauer: 5 Minuten
Auch in diesem Jahr können Erdbeeren auf den Feldern des Beerenhofs Feußner in Frieda selbst gepflückt werden. Ulrich Feußner ist Chef des Erdbeerhofes und lässt sich während der Ernte die Erdbeeren schmecken.

Auch in diesem Jahr können Erdbeeren auf den Feldern des Beerenhofs Feußner in Frieda selbst gepflückt werden. Ulrich Feußner ist Chef des Erdbeerhofes und lässt sich während der Ernte die Erdbeeren schmecken.

Foto: Sebastian Grimm

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Eichsfeld/Wanfried.  Später Start der Erdbeersaison 2021. Warme Nächte lassen Beeren rasant reifen. Selbstpflücker gern auf den Feldern gesehen

Der Strohhut schützt gut vor der prallen Sonne. Darunter beißt Ulrich Feußner herzhaft in eine dicke rote Erdbeere, die er gerade mit geübtem Griff gepflückt hat. Es ist eine Sonata. Süß und saftig. „So schmeckt der Sommer“, sagt er mit einem breiten Lächeln. Hinter ihm sind viele Gäste dabei, ihre mitgebrachten Eimer und Körbe zu füllen. Elias Steube steht mit Waage und Kasse bereit.

Seit einer Woche ist die Erdbeersaison endlich angelaufen. Auf den Selbstpflückerfeldern bei Frieda tummeln sich die Leckermäulchen. „Mehr als die Hälfte unserer Kunden kommen aus dem Eichsfeld herüber“, sagt Ulrich Feußner. Ost und West, Hessen oder Thüringen gibt es für ihn schon lange nicht mehr. „Wir sind doch alles eins“, sagt er und erzählt von einer Urgroßmutter aus dem Eichsfeld , wo man Verwandte in Bernterode hat.

Seit zehn Jahren gibt es den Beerenhof Feußner mit Sitz in Wanfried. Erdbeeren gibt es hier seit 1994. Doch die Familiengeschichte mit Landwirtschaft und Viehzucht dauert schon viel länger. Im Hofladen gibt es Beeren, Marmeladen und viele andere Dinge rund um Erd-, Him- und Brombeeren.

Doch in den nächsten drei Wochen wird sich alles um die Erdbeere drehen. Die Saison hat sehr spät begonnen. „Eigentlich ist es der späteste, mögliche Termin“, sagt Feußner und schiebt den Strohhut zurück. „Der Mai war sehr kalt. Jetzt sind wir froh über die Wärme, vor allem über die warmen Nächte.“

Erdbeeren reifen auf den Feldernin der Wärme der Nacht

Erdbeeren, so erklärt der Experte, sind eigentlich keine Beeren, sondern eine Nuss. Sie gehören zu den Nachtschattengewächsen. „Sie reifen in der Wärme der Nacht.“ So erlebt er ständig, wenn er abends noch einmal über das Feld streift, das Beeren noch gelb sind und am nächsten Morgen in voller roter Pracht erstrahlen. Er ist froh über den Morgentau, so stehen die Pflanzen sozusagen in sattem Grün wie eine Eins. Darum muss eigentlich jedes Feld täglich von vorn bis hinten durchgepflückt werden. Die warmen Nächte lassen die Früchte jetzt so schnell reifen, dass man mit den Pflücken kaum hinterherkomme. „Darum sind wir über jeden Selbstpflücker froh“, sagt Feußner. „Es ging von null auf hundert.“

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Ob es eine gute Erdbeersaison wird, das könne man erst am Ende sagen. Nur werde sie wohl recht kurz. Noch drei Wochen, so Gott wolle, könne man pflücken, schätzt er. Ein bisschen Sorgen macht er sich um die angekündigten Unwetter. „Dann könnten wir ein kleines Problem bekommen.“

Erdbeeren hätten übrigens mehr Vitamin C als Orangen und lösen selbst keine Allergien aus. Nur bei den Blättern muss man etwas vorsichtig sein. Sie haben an den Rändern kleine Dörnchen, die die Haut verletzen und eine allergische Reaktion auslösen können. Aber das komme selten vor. Drei Jahre können Erdbeerpflanzen auf demselben Feld stehen. Dann muss eine andere Fruchtfolge angebaut werden. Nach sechs bis acht Jahren erst wieder kann besagtes Feld für Erdbeeren genutzt werden.

Er schaut über die diesjährigen drei Felder, die direkt am Sportplatz liegen. Von Großtöpfer kann man fast herüberspucken. Das sind die drei Felder, die ausschließlich den Selbstpflückern zur Verfügung stehen und die wegen der Coronapandemie etwas auseinandergezogen sind, damit sich die Gäste gut mit Abstand verteilen können. Hier steht unter anderem die Sonata-Beere. Sie ist so saftig und süß, dass sie fast im Mund zerplatzt.

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„Ich höre oft das Vorurteil, dass wir schon morgens um 5 Uhr die besten Beeren wegpflücken und dann für die Kunden nur das ,Beiwerk’ bleibe. Das ist Quatsch“, sagt er.

Es gebe ein weiteres Feld auf der anderen Seite Wanfrieds, auf dem ausschließlich für den Verkauf vom Beerenhofteam gepflückt wird. Dort steht eine andere Sorte. Welche genau, das will Ulrich Feußner nicht verraten, nur so viel, dass es sich um eine Weiterentwicklung der alten Sorte Mieze Schindler handele. Deren Geschmack sei legendär.

Sie hatte einen Nachteil: Sie war nicht haltbar. Jetzt habe man eine Sorte, die wie die Mieze Schindler schmecke, aber nicht gleich verderbe. „Viele Kunden sagen, das schmecke wie früher“, freut er sich. Insgesamt seien es vier Erdbeersorten auf den Feldern, um die vier Wochen Ernte zu garantieren.

Der beste Zeitpunkt zum Pflücken sei vormittags. Da sei es noch nicht so heiß. Darum sind erdbeerhungrige Kunden schon ab 7 Uhr morgens auf dem Feld willkommen – und auch zu finden. „Einige pflücken sich schnell vor der Arbeit ihr Quantum“, sagt er. Montags bis samstags darf von 7 bis 18 Uhr gepflückt werden, sonntags von 8 bis 12 Uhr. Hat man eigentlich Erdbeeren irgendwann satt? „Nein“, sagt er mit einem Lachen und beißt in die nächste dicke Sonata. „Erdbeeren gehen immer.“

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