Der Landkreis Eichsfeld feiert Geburtstag

Eichsfeld  Ungewöhnliche Feier des 25-jährigen Bestehens. Betriebsfest mit geladenen Gästen und einer Portion Selbstironie

Ingelore Hennecke von der Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ließ noch schnell den Wimpel bringen. Landrat Werner Henning nahm es mit Humor, dass dieser später zwischen Baumann und Clausens Kaffeetassen leuchtete. Foto: Silvana Tismer

Foto: Silvana Tismer

Es war ein ungewöhnlicher Geburtstag gestern. 25 Jahre Landkreis Eichsfeld galt es zu feiern. Auf einen großen Festakt wurde verzichtet. Vielmehr war es ein Betriebsfest des Landratsamtes mit geladenen Gästen aus Politik, Finanz, Wirtschaft, den Kirchen, Polizei, Gesellschaft und den Fraktionen des Kreistages. Es entbehrte auch nicht einer gewissen Selbstironie, dass sich die Personalvertretung ein ganz besonderes Programm gewünscht haben: Zwerchfellreizung mit der Beamten-Comedy vom Duo Baumann und Clausen.

Es war leicht und locker. Mit einem kleinen Sektempfang stimmte man die Gäste schon einmal ein, begleitet vom Saxophonquartett der Eichsfelder Musikschule im Foyer. Und auch beim kleinen Festakt sorgten Musikschüler für die passende Umrahmung.

Mit Blick auf ein Vierteljahrhundert, so meinte Landrat Werner Henning (CDU), tue es ab und an gut, inne zu halten und sich des eigenen Standortes zu vergewissern – „nicht zu oft, doch eben auch nicht völlig ausbleibend“. Die rechtliche Neugründung des Landkreises Eichsfeld vor 25 Jahren ist für ihn ein würdiger Anlass für die Rückbesinnung. Und mit dem Landkreis ist am Ende auch jeder Bürger verwoben.

Und so fing alles an: Seine Gründungsurkunde erhielt der Landkreis mit dem Gesetz zur Neugliederung der Landkreise und kreisfreien Städte in Thüringen vom 16. August 1993. Die Kreise Heiligenstadt und Worbis wurden aufgelöst und ein neuer Landkreis Eichsfeld gebildet. Und festgeschrieben wurde auch der Sitz des Landratsamtes: Heiligenstadt. Die Wahl zum Kreistag fand am 12. Juni 1994 statt, und der eigentliche Geburtstag des Landkreises Eichsfeld ist der 1. Juli 1994.

„In der Rückschau betrachtet, erscheint heute manches leichter, als es damals tatsächlich war“, meinte Werner Henning. Vieles sei zu Beginn noch ungelöst gewesen. Es habe viele Fragen gegeben, darunter die, wie die künftige Verwaltungsstruktur aussehen wird.

Was dann über die vielen Jahren passiert ist, beschrieb Henning mit wenigen Zahlen: 1994 verfügte der zusammengelegte Landkreis über 1031,15 Vollbeschäftigteneinheiten – aktuell sind es 673,8 Vollzeitplanstellen. Und lag 1995 das Haushaltsvolumen bei rund 88,9 Millionen Euro, so sind es im momentanen Plan um die 147,5 Millionen Euro. „Unterm Strich heißt dieses: Mit einem Drittel weniger Personal wird heute ein um zwei Drittel gesteigertes Haushaltsvolumen umgesetzt“, so der Landrat, der aber auch keinen Hehl daraus machte, dass es Findungsprozesse gab, ebenso Strukturanpassungen in den Tochtergesellschaften beziehungsweise den kreislichen Unternehmen sowie deren Verbänden und Vereinen.

Stellvertretend nannte er die Fusion beider Kreissparkassen, der Gasgesellschaften, die in den Eichsfeldwerken erfolgten Zusammenschlüsse im ÖPNV sowie die großen Anpassungsprozesse in der Entsorgungswirtschaft, die Belange der Eichsfelder Kulturbetriebe mit ihrem Aktienvermögen an der EAM in Kassel sowie den großen Verschmelzungsprozess in der Krankenhauslandschaft.

Und Henning benannte eines, einen unschätzbaren Vorteil: dass sich alle gleichermaßen „an dem alles einenden Begriff des ‚Eichsfeldes‘ festgehalten haben.“ Mit diesem Kapital ausgestattet, sei es leichter gefallen, „das noch DDR-beschwerte Vergangene hinter uns zu lassen und gewissermaßen die Flucht nach vorn anzutreten.“ Und es wurde investiert. Das Geld floss in die Schulen, in die Sozialeinrichtungen sowie in die Infrastruktur – auch ein Beitrag, um die damalige hohe Arbeitslosigkeit zu senken.

Mit der Zeit, so Henning, entwickelte sich hieraus „der uns hoffentlich auch heute noch in Thüringen kennzeichnende Stil einer großen Liberalität in Fragen des politischen Bekenntnisses sowie in der eigenständigen Umsetzung von zielführenden Projekten.

Die gerade gewonnene neue kommunale Freiheit wollte man behalten. Und so brauchte es „wirkliche Erfolge in der Sache“. Bei den Eichsfeldwerken wurden Geschäftsfelder zusammengefasst, die bis heute mehr als eine halbe Milliarde Euro in das Anlagevermögen investiert haben, einen Jahresumsatz von rund 100 Millionen Euro generieren, so der Landrat. Sie hätten wesentlich zum ganzheitlichen Erfolg beigetragen. Henning schaut, wie er sagte, aber auch dankbar auf „den gigantischen Prozess des Zusammenwachsens unserer Krankenhauslandschaft zum heutigen Eichsfeld-Klinikum, der mit einer großen Umstrukturierung sowie neuen Fortentwicklung der Pflegelandschaft im Bereich der Behinderten- und Seniorenbetreuung verbunden war“. Und eine Besonderheit, ein Alleinstellungsmerkmal in Thüringen: die doppische Betrachtungsweise sowie das Bekenntnis zur alleinigen Verantwortung in den Belangen des Grundsicherungsamtes nach den Regularien des „Optionsmodells“.

Auch die führende Rolle über acht Jahre beim kommunalen Modellprojekt Schulhort blieb nicht unerwähnt. Thüringenweit einmalige Wege, so Hennings gestrige Bilanz, ging der Landkreis in der Abarbeitung der Leader-Förderung oder der Umsetzung des E-Governments. Und alles in allem sein Fazit: Heute kann man im Landkreis „dankbar und entspannt auf das Erreichte schauen“. Denn der verfügt über eine solide Finanzwirtschaft und musste – bei vergleichsweise niedrigen Kreisumlagen – im Jahresabschluss noch nie Fehlbeträge ausweisen.

Im Freistaat und auch anderswo ist das längst nicht mehr selbstverständlich. Und Henning weiß auch, warum es im Eichsfeld anders ist: Es ist die ­gute Zusammenarbeit. Benannt wurde da der Kreistag, wo trotz unterschiedlicher politischer Bewertungen oder Schwerpunktsetzungen immer verantwortbare Lösungen gefunden wurden. Der Wunsch des Landrates ist, dass das so bleibt. Ein Dankeschön gab es auch für die Institutionen, Parteien, Verbände und Vereine, für die beiden christlichen Kirchen, die Schulen und die Musikschule, für die Kreissparkasse, die freien Trägern sowie die Gemeinden.

Die Fusion der beiden früheren Landkreise Heiligenstadt und Worbis zum Landkreis Eichsfeld ist laut Henning gut gelungen. Die Zusammengehörigkeit sei das vorherrschende Lebensgefühl. „Wir werden in Ost- und Westdeutschland zuweilen als eigenwillig – immer aber als authentisch und erfolgreich – wahrgenommen und damit respektvoll beachtet. Das ist heute nicht wenig“, erklärte er.

Und dann ging es mit der Heiterkeit los: Baumann und Clausen betraten die Bühne. Der Eichsfeld-Wimpel leuchtete zwischen ihren Kaffeetassen. Natürlich hatten die zwei Komödianten einen Sketch zum Eichsfeld im Gepäck und reizten mit ihrer Beamtenmentalität das „Fachpublikum“ zu Lachtränen. Im Anschluss wurde ordentlich gefeiert mit Büfett und Livemusik.

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