Der Soundtrack des Bleicherode-Films kommt aus Brehme

Brehme.  Matthias Müller aus Brehme bekommt die Chance, Filmmusik für einen Kinofilm zu schreiben, und erfüllt sich damit einen Lebenstraum.

Matthias Müller hat die Chance bekommen, zum Kinofilm „Lotti oder Bleicherode, der etwas andere Heimatfilm" nicht nur den Soundtrack zu schreiben, sondern auch die Tonabmischung in seinen Sunrock Studios in Brehme zu übernehmen.

Matthias Müller hat die Chance bekommen, zum Kinofilm „Lotti oder Bleicherode, der etwas andere Heimatfilm" nicht nur den Soundtrack zu schreiben, sondern auch die Tonabmischung in seinen Sunrock Studios in Brehme zu übernehmen.

Foto: Eckhard Jüngel

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Ohne Musik kann ein Film nicht wirken, nicht leben. Filmmusiken, ganze Soundtracks geben einem Kino- oder Fernsehfilm erst einen unverwechselbaren Charakter. Dass das auch bei dem Film „Lotti oder Bleicherode, der etwas andere Heimatfilm“ so ist, wissen seit Dienstagabend auch die Besucher der Film-Premiere im Bleicheröder Kino.

Der Soundtrack ist nur wenige Kilometer westlich von Bleicherode, in Brehme im Eichsfeld entstanden. Komponist ist der Musiker und Tonexperte Matthias Müller. Er hat viele Beziehungen nach Bleicherode. „Und seit diesem Projekt noch mehr. Zur Stadt und zum Regisseur Hans-Günther Bücking.“ Vor einem Jahr begannen die Dreharbeiten. Es hatte ein Casting für Laienschauspieler gegeben. „Das war völlig an mir vorüber gegangen“, sagt Matthias Müller. Doch dann bekam er Wind von dem Vorhaben. Die Dreharbeiten liefen bereits. Müller rief einfach im Kino in Bleicherode an und fragte, ob er nicht auch irgendwie Teil des Projektes werden könnte. Vielleicht etwas Musik beisteuern. Eigentlich hatte er nicht mit einer Reaktion gerechnet. „Aber dann waren die Dreharbeiten beendet und mein Telefon klingelte“, erzählt der Brehmer. Am anderen Ende war Regisseur Hans-Günther Bücking. „Er wollte sich mit mir unterhalten. Auf dem Weg von den Dreharbeiten kamen er und seine Ehefrau, die Schauspielerin Marion Mitterhammer, mit Sack und Pack zu mir ins Studio.“ Marion Mitterhammer spielt die Hauptrolle im Bleicherode-Film. Etwa eine Stunde habe man sich in den Sunrock Studios beschnuppert. „Dann war es, als ob wir uns schon Jahre kennen.“ Die beiden Filmschaffenden wollten herausfinden, was die Intention Müllers ist. „Ich nehme an, dass meine Begeisterung und auch meine persönlichen Bindungen an Bleicherode ausschlaggebend waren, dass ich gebeten wurde, den Soundtrack zu schreiben und auch die Tonabmischung des Filmes zu übernehmen.“ Ein Projekt, das für Müller Neuland war.

Der Brehmer ist nicht nur Mitglied der Band Emma, deren Musik im Film eine Rolle spielt, sondern in Bleicherode aufgewachsen. Als er den Rohschnitt als Grundlage zugeschickt bekam, wollte er seinen Augen nicht trauen. Gleich in den ersten Szenen taucht das Haus als Schauplatz vieler Handlungsstränge auf, in dem Müller aufgewachsen ist. „Der Kameraschwenk über die Fassade ging bis hinauf zu den beiden Fenstern meines früheren Kinderzimmers.“ Und als Müller mit dem in Bleicherode geborenen Regisseur über beider Kindheit plauderte, stellte sich heraus, dass Müllers Vater, der damalige evangelische Pfarrer von Bleicherode, Bücking getauft hat. Dieser hat mehr als 60 Kinofilme gedreht, dazu mehr als 50 Fernseh- und Werbefilme. 1983 war er Kameraassistent für den Film „White Star“ mit Dennis Hopper in der Hauptrolle. Sein Film „Justiz“ nach dem Roman von Friedrich Dürrenmatt war 1994 sogar als bester fremdsprachiger Film für den Golden Globes nominiert.

Emotionen aus Visionen

Mit dem Rohschnitt von „Lotti“ im Gepäck machte Familie Müller eine Woche Urlaub. Und egal, wo er war, in einem Wald oder an einem Gewässer, ließ der Brehmer Umgebung und Filmszenen auf sich einwirken und sang Melodien ins Handy. „Mich hat die Intensität der Bilder tief beeindruckt.“ Er hätte es nicht für möglich gehalten, dass jemand Bleicherode mit einem „Hollywood-Auge“ sehen kann. Natürlich stand er in regem Kontakt mit Bücking, der als Regisseur selbstredend auch Vorstellungen hatte. „Wir sprachen intensiv über unsere Ideen.“ Die deckten sich stark: handgemachte Musik, Gitarren, Blues, Rock. Für eine Schlüsselszene, die ohne Dialog auf einem düsteren Friedhof spielt, griff Müller zum Cello. „Es ist irre. Es sind Emotionen, die die Bilder an sich nicht haben, die auch die Musik an sich nicht hat. Sie entstehen erst, wenn Bilder und Musik zusammenkommen.“ Das Schwere sei, dass es nicht sofort funktioniere. „Es sind am Anfang nur grobe Skizzen der Visionen. Und diese Visionen muss man gemeinsam in der Musik und im Zusammenspiel mit den Bildern entwickeln.“

Der Soundtrack war das Eine. Das Andere aber war die Tonabmischung. Mitunter seien die Aufnahmen sehr schlecht gewesen. Müllers Aufgabe war es nun, nachzuarbeiten. „Teils mussten wir mit den Schauspielern nachsynchronisieren. Die Kunst ist es, dass am Ende die Tonspur genau passt, als ob man nie Hand angelegt hätte.“ Auch Geräusche, die Szenen noch verstärken, wurden eingebaut, das Knarren einer Diele oder der aufgeschreckte Schrei einer Krähe. Sogar ein lokaler Radiosender „Radio Schneckenhengst“ wurde im Nachgang erfunden – samt lokalem Akzent und Songs von Emma, wobei Bücking Textzeilen aussuchte, die jeweils genau zur Handlung passen. „Es war eine faszinierende Arbeit“, sagt Matthias Müller. In den vergangenen Monaten habe er nichts anderes gemacht, laufende Projekte dafür gestoppt. „Es gab noch eine Herausforderung: Mehrkanaltontechnik.“ Gott sei Dank sei sein Studio darauf ausgelegt. „Denn Filmmusiken haben mich schon immer fasziniert und beeindruckt. Ich habe mir immer gesagt: Matthias, irgendwann schreibst Du einen Soundtrack.“

Zusammenarbeit geht weiter

Ein großer Dank geht von ihm an Hans-Günther Bücking und Marion Mitterhammer für das Vertrauen und für die Chance. Müller ist immer noch begeistert, wie die beiden es geschafft haben, diesen Film auf die Beine zu stellen. „Mit ausgebildeten Schauspielern zu arbeiten, ist schon Kunst. Aber mit Laien zu arbeiten und dieses Ergebnis zu haben, das ist große Kunst.“ Bücking habe einen Blick für Menschen. Er sehe sofort den Charakter seines Gegenübers und besetze dementsprechend die Rollen.

Aber das absolute i-Tüpfelchen ist für den Eichsfelder nicht der Satz des Regisseurs: „Matthias, das hast du gut gemacht“, sondern der Satz: „Ich würde gern weiter mit dir zusammenarbeiten.“ Genau das folgt jetzt. Müller darf für den nächsten Film, der bereits abgedreht und eine österreichische Produktion ist, wieder die Tonabmischung übernehmen.

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