Die Langsamkeit des Reisens

Heiligenstadt/Edinburgh.  Markus Stitz aus Heiligenstadt hat neuen Schottlandfilm fertig und dreht nun in Thüringen.

Extremradsportler Markus Stitz aus Heiligenstadt dreht derzeit in Thüringen, unter anderem an der Wartburg.

Extremradsportler Markus Stitz aus Heiligenstadt dreht derzeit in Thüringen, unter anderem an der Wartburg.

Foto: Markus Stitz

Markus Stitz ist Extremradsportler. Seit vielen Jahren lebt er in Schottland. Im Moment ist er aber in Deutschland und natürlich auch im Eichsfeld, schließlich ist er in Heiligenstadt geboren und zur Schule gegangen. Er sei auch ganz froh, gerade in Deutschland zu sein. „Die Corona-Lage in Schottland ist ungleich schlimmer als hier“, erzählt er. „Ich bin extrem vorsichtig.“ Als er vor einer Woche nach Deutschland einreiste, war er einer der letzten, die vor den neuen Beschränkungen noch reisen konnten. „Am Abend war dann Schluss.“

Bis zum 26. Oktober, so berichtet Stitz, gebe es in Schottland, vor allem im Central Belt, der sich von Edinburgh über Greater Glasgow bis zur Westküste erstreckt, ganz strikte Regeln. In Pubs werde kein Alkohol mehr ausgeschenkt, um 18 Uhr ist zu. Selbst in Hotelrestaurants können ab 18 Uhr nur noch Hausgäste essen, niemand von außerhalb. Auch dürfe man sich nicht mit anderen Haushalten privat treffen, draußen nur mit einem anderen Haushalt und maximal sechs Leuten.

„Hochzeiten können nur mit zwölf Personen stattfinden, inklusive Brautpaar und Pfarrer.“ Wer nicht unbedingt raus muss, bleibe lieber drinnen. „Edinburgh mit seinem sonst so quirligen Leben hat sehr stark gelitten.“

In der Natur, wenn er über Stock und Stein fährt, neue Touren entdeckt und Filme dreht, sei er inzwischen ganz allein. Wie bei seinem jüngsten fertigen Projekt. Ein neuer Film ist entstanden: „Ohne Eile – Schottland von Küste zu Küste auf dem John Muir Way“.

Es sei eine einzigartige Reise durch Schottlands abwechslungsreiche Landschaften, Geschichte und Kulturerbe. „Und dabei denke ich auch über einen der großen Vorteile des Fahrradfahrens nach: die Fähigkeit, langsam zu reisen und mit der Umgebung eins zu werden.“ Der John-Muir-Way würdigt den gleichnamigen Naturforscher und -schützer, verbindet Helensburgh im Westen mit Dunbar, Muirs Geburtsort, im Osten. Die Route führte Stitz nicht zuletzt durch Schottlands ersten Nationalpark, Loch Lomond & The Trossachs.

„Meine frühen Erfahrungen mit Bikepacking wurden dadurch definiert, dass ich so wenig wie möglich pausierte. Und obwohl ich den Nervenkitzel von Rennen immer noch liebe, ich habe zuletzt das Atlas-Mountain-Race in Marokko erfolgreich beendet, denke ich, dass Bikepacking eine einzigartige Gelegenheit bietet, langsamer zu werden und sich wieder mit der Natur zu verbinden.“ Dieser Film entstand in Zusammenarbeit mit Gavin Morton vom Green Action Trust.

Im Moment dreht Markus Stitz in Deutschland. „Eigentlich wollte ich nach Malawi und Australien“, sagt er mit einem Lächeln. Aber dann reizte ihn die Idee, im 30. Jahr der Deutschen Einheit durch Thüringen zu reisen, aber nicht genau auf der Grenze, sondern zu Orten im Inneren. „Die Wartburg war dabei, Buchenwald, das Weimarer Bauhaus, aber auch Gotha.“ Es gehe um die Entwicklung, sozusagen die Renaissance nach dem Mauerfall.

Mit der Kamera auch im Eichsfeld unterwegs

Der Besuch in Gotha hat für Stitz eine spezielle Bedeutung. Er selbst ist bereits mit einem Singlespeed-Rad einmal um die Welt gefahren. Im frühen 20. Jahrhundert hatte ein Amerikaner den gleichen Plan, der aber scheiterte. „Er hat damals sein Fahrrad in Gotha gekauft.“

Aber auch im Eichsfeld ist Stitz im Moment mit Rad und Filmkamera unterwegs. „Natürlich war ich auf dem Hanstein“, sagt er. Dieses Projekt soll später eine Reise per Fahrrad von Schottland bis Deutschland dokumentieren. „Eine Auftragsarbeit.“ Mehr darf er noch nicht verraten. Ende des Monats will der Eichsfelder wieder in seine Wahlheimat Schottland reisen. „Ich hoffe, bis dahin hat sich die Corona-Lage etwas beruhigt. Aber wenn ich nach meiner Ankunft in Quarantäne muss, dann ist es eben so.“