Die Maschen der Betrüger im Eichsfeld

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Trickbetrüger greifen gern zum Telefon. Allein im Eichsfeld wurden 2020 bei der hiesigen Polizei 53 solcher Fälle bekannt.

Trickbetrüger greifen gern zum Telefon. Allein im Eichsfeld wurden 2020 bei der hiesigen Polizei 53 solcher Fälle bekannt.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Eichsfeld.  Delikte nehmen im Landkreis zu. Polizeichef Dietmar Kaiser hat Tipps für die Eichsfelder

Betrug – diese Delikte nehmen im Eichsfeld zu. 679 Fälle gab es vergangenes Jahr, 242 mehr als 2019. Die weitaus meisten laufen über das Internet, sagt Dietmar Kaiser, Leiter der Polizeiinspektion. Daneben gebe es eine recht bedeutende Anzahl an Trickbetrügereien. 53 Fälle, die über das Telefon liefen, wurden 2020 bekannt.

Immer noch erfolgreich sind die Betrüger mit den Maschen „falscher Polizist“, „Enkeltrick“ und „Gewinnversprechen“. Der Schaden in diesen Fällen betrug im Vorjahr weit über 100.000 Euro. „Problematisch ist es für uns als Polizei auch immer, erfolgreiche Fälle für die Prävention zu nutzen. Hier wird dann mitunter eine zusätzliche Stigmatisierung durch die Öffentlichkeit entstehen und dann die Tatsache, dass das erfolgt, dazu führen, dass sich Geschädigte ‚schämen‘ und sich erst recht nicht melden. Deshalb sind wir in der Öffentlichkeitsarbeit mit ganz konkreten Fällen zurückhaltend“, erklärt der Polizeichef.

Die Polizei holt nie Schmuck oder Geld ab

Und er macht noch einmal ganz klar, dass die Polizei nie Geld, Schmuck und anderes irgendwo ablegen lässt oder holt. „Wir brauchen Ihr Geld nicht und dürfen es auch nicht nehmen.“ Besondere Vorsicht gilt bei Festnetztelefonanschlüssen. Laut Kaiser sind sie das „Einfallstor“ der Betrüger, weil diese regelmäßig von älteren Bürgern genutzt würden. Zudem glichen die Täter oft die Vornamen mit denen von 1930 bis 1950 vorrangig genutzten Namen ab. Nun könne man seinen Namen zwar nicht mehr ändern, aber vielleicht für die Telefonbucheinträge auf die Vornamen oder ganz auf den Eintrag verzichten, meint er. Recht häufig waren auch die Anrufe vermeintlicher Softwareunternehmen, um sich Zugang zum Rechner und folgenden Identitätsdiebstahl, Passwortphishing oder Onlinebanking zu verschaffen.

Für alles, was Software betrifft, hätten entsprechende Unternehmen eigene Homepages, es seien ja Internetunternehmen, und es werde sich keiner die Mühe machen, anzurufen, außer der Straftäter. Kaisers Rat: „Auflegen.“ Auch auf sogenannte Fakeshops, betrügerische Shops im Internet, fiel mancher herein. Hier hätten die Opfer vermeintliche Waren bei vermeintlich deutschen Internethändlern bestellt und die Zahlungen auf ausländische IBAN überwiesen.

Gerade im Internet erst prüfen und dann bestellen

Nachdem die Ware nicht kam und man keinen Kontakt mehr zum Händler herstellen konnte, recherchierten Betroffene im Internet und stießen auf diverse Warnungen. „Wenn dies vor Kaufabschluss geschehen wäre, hätte der Geschädigte seine Kaufabsicht vielleicht überdacht. Also: erst prüfen, dann bestellen. Das machen Sie doch auch bei jedem Kühlschrank. Vergleichen, prüfen, suchen und erst dann kaufen. Aber einen Motor im Internet für 457 Euro einfach so? “ Kaiser hätte so einige Beispiele, was schief gehen kann.

Zu besonderer Vorsicht rät er, wenn eine Überweisung an einen deutschen Händler, die IBAN beginnt mit DE, auf eine ausländische IBAN veranlasst werden soll. In solchen Fällen, meint er, sollte besser woanders bestellt werden. „Selbst wenn man die Ware bekommt, könnte es am Ende immer noch auf die Beteiligung an Steuerhinterziehung hinauslaufen beziehungsweise auf Hehlerware, die man dann regelmäßig auch wieder verlieren könnte“, gibt er zu bedenken.

Der Anstieg der Betrugsdelikte ist auf viele Rahmenbedingungen zurückzuführen. Im Zuge der Pandemie wurde sehr viel mehr bestellt. Die Läden vor Ort waren und sind zu, die im Internet auf. „Und das sind dann die Tatgelegenheiten“, so Kaiser. Dazu komme, dass auch jetzt viele im Internet Ungeübte bestellten und damit für die Täter leichte Beute sind. „Wir haben hier einen Anstieg um nahezu 50 Prozent“, sagt er.

An der Organisation der Bearbeitung solcher Fälle und der Technik in Heiligenstadt und Leinefelde hat die Polizei selbst einiges geändert, um erfolgreicher zu sein. Das hat laut Kaiser auch die Zahl der eingeleiteten Verfahren verändert. Zudem mache sich die Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Mühlhausen bemerkbar.

Kontakt zur Polizei in Heiligenstadt unter Telefon: 03605/6510.Die Polizeistation in Leinefelde ist täglich von 6.30 bis 15.30 Uhr besetzt.