Die mechanische Regentrude

Eichsfeld.  Leaderförderung für eine neue Idee im Literaturmuseum „Theodor Storm“ in Heiligenstadt ist bewilligt.

Gideon Haut (links), Leiter des Literaturmuseums „Theodor Storm“ hat das Förderschild der RAG Eichsfeld durch die Leader-Manager Anne-Marie Born und Daniel Fiedler entgegengenommen. Im Märchen-Raum soll das mechanische Puppentheater auf einer Fläche von sechs Quadratmetern aufgebaut werden.

Gideon Haut (links), Leiter des Literaturmuseums „Theodor Storm“ hat das Förderschild der RAG Eichsfeld durch die Leader-Manager Anne-Marie Born und Daniel Fiedler entgegengenommen. Im Märchen-Raum soll das mechanische Puppentheater auf einer Fläche von sechs Quadratmetern aufgebaut werden.

Foto: Laura Huschenbett / RAG Eichsfeld

Die Gremien der Regionalen Aktionsgruppe (RAG) Eichsfeld haben entschieden – die Rang- und Reihenfolge aller eingereichten Projektideen des laufenden Aufrufs steht. Rund 1,07 Millionen Euro Leader-Fördermittel werden an insgesamt 27 private und kommunale Maßnahmen aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen im Landkreis ausgereicht. Der Begriff Leader ist die Abkürzung für das französische „Liaison entre actions de dévelopment de l‘économie rurale“ und bedeutet so viel wie die Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft. Durch die Umsetzung der Projekte sollen gezielt Impulse zur Entwicklung der Region gesetzt werden. Die Förderquoten betragen zwischen 35 und 65 Prozent.

Im Rahmen des Auswahlprozesses und der Entscheidung darüber, welches Projekt Fördermittel bekommt, haben die Gremien der RAG Eichsfeld insgesamt über 40 Maßnahmen besprochen und bewertet, erzählt Anne-Marie Born, Regionalmanagerin der RAG Eichsfeld. Infolge der Corona-Pandemie musste das Verfahren dabei auch etwas angepasst werden.

„Wir haben vermehrt digitale Abstimmungs- und Kommunikationsformen angewendet“, sagt Daniel Fiedler, ebenso Regionalmanager der RAG Eichsfeld. Trotz der notwendigen Anpassung der Verfahrensweise seien die ersten Förderbescheide bei den Antragsstellern eingegangen – die Projektträger stehen nun in den Startlöchern.

So ist auch das Literaturmuseum „Theodor Storm“ in Heiligenstadt mit dabei. „Museumsleiter Gideon Haut ist mit einer außergewöhnlichen Idee an uns herangetreten“, erzählt Anne-Marie Born. „In die Ausstellung des Museums soll ein mechanisches Puppentheater aus Holz integriert werden, das eine Szene aus Theodor Storms Märchen ,Die Regentrude’ darstellen wird.“

Puppentheater entsteht auf einer Fläche von nur sechs Quadratmeter

Der Erfurter Puppenbauer Martin Gobsch will in rund 1300 Arbeitsstunden alle Figuren von Hand fertigen. „Hier entsteht ein echtes Unikat, ein Highlight für Jung und Alt“, so Anne-Marie Born.

Für die Realisierung erhält das Literaturmuseum Leader-Fördermittel in Höhe von rund 27.000 Euro. „Wir als RAG Eichsfeld begrüßen die Erweiterung des Angebotsspektrums des Museums.“ Der Aufenthalt für die vielen regelmäßig kommenden Schulklassen sowie auch für neue Besucher könne somit noch erlebnisreicher gestaltet werden. „Das Puppentheater soll der Höhepunkt des Museumsbesuchs werden. Martin Gobsch widmet sich nur wenigen ausgewählten Projekten. Auf der Erfurter Krämerbrücke stehen die Menschen Schlange, um einen Blick in die Schaufenster seiner Werkstatt und auf sein dortiges mechanisches Puppentheater zu werfen. Seine Arbeiten sind Meisterwerke deutscher Handwerkskunst“, fügt Museumsleiter Gideon Haut bei der symbolischen Übergabe des Fördermittelbescheides stolz hinzu.

Einige Maße wurden von Martin Gobsch bereits vor Ort genommen, erste Skizzen sind schon zu Papier gebracht. In den kommenden 18 Monaten soll ein akustisch wie visuelles eindrückliches 3D-Erlebnis entstehen. „Wir freuen uns sehr, dass die RAG Eichsfeld unser Vorhaben mit der Förderung unterstützt“, sagt Gideon Haut.

Zu den weiteren förderwürdigen Leader-Maßnahmen zählen unter anderem die Neugestaltung des Spielplatzes am Märchenpark in Mackenrode, die Errichtung einer Teufelsskulptur auf der Teufelskanzel, Modernisierungs- und Sanierungsarbeiten im Holunger Freibad oder der Bau eines Padel-Tennis-Courts – einer Trendsportart – durch den Ershäuser Sportverein.

Die Nachfrage nach Fördermitteln ist im Eichsfeld groß

Insgesamt beläuft sich das Investitionsvolumen der in diesem Projektaufruf geförderten Maßnahmen auf rund 1,8 Millionen Euro. Die Umsetzungszeiträume variieren dabei projektabhängig und enden spätestens im Jahr 2023. Jede einzelne Idee wurde zuvor von den Antragstellern vor dem Fachbeirat der RAG Eichsfeld vorgestellt und anschließend anhand einer Matrix mit einer Punktezahl bewertet. So entsteht eine Prioritätenliste, nach der die Fördermittel vergeben werden.

„Auch wenn die aktuelle Förderperiode der EU dieses Jahr offiziell endet, so hoffen wir, bereits zeitnah weitere Fördermittel sinnvoll einsetzen zu können. Die Nachfrage im Eichsfeld ist groß“, weiß Fiedler. Es gebe noch viele innovative Maßnahmen, wobei man gern unterstützen wolle. „Wir erhoffen uns davon einen Mehrwert für die gesamte Region“, sagt Daniel Fiedler. Projektvorschläge könnten jederzeit an die RAG Eichsfeld herangetragen werden. „Es ist wichtig, rechtzeitig auf uns zuzukommen, damit wir den Prozess von der ersten Idee bis hin zur Antragsreife gemeinsam beschreiten können – wir beraten gern“, betont Anne-Marie Born.