Nachruf auf Eberhard Liesaus: Ein prägender Gestalter im Eichsfeld

Eichsfeld.  Eberhard Liesaus, Geburtshelfer der heutigen Kliniklandschaft, verstarb vor wenigen Tagen.

Dr. Eberhardt Liesaus war chirurgischer Oberarzt, später Amtsarzt und Sozialdezernent des Landkreises.

Dr. Eberhardt Liesaus war chirurgischer Oberarzt, später Amtsarzt und Sozialdezernent des Landkreises.

Foto: Otto Roth

Irgendwann an diesem Februartag 2015 klingelt mein Telefon. Am anderen Ende der Leitung meldet sich Eberhard Liesaus. Jetzt sei die Zeit gekommen, sich noch einmal einzumischen. Eberhard Liesaus wird grundsätzlich. Das Heimatmuseum, das damals noch so heißt, könne doch nicht ernsthaft einen Teil der Verwaltung beherbergen. Das müsse, sagt er, verhindert werden. Meine Aufgabe sei es doch wohl, nachzusehen, ob überhaupt Platz im Museum sei für diese Verwaltungsschreibtische, die der Bürgermeister da hinstellen wolle.

Liesaus packt mich, der ich damals noch Lokalredaktionsleiter war, bei der Ehre. Ist im Museum wirklich kein Platz? Gerade hatte Heiligenstadts Bürgermeister Thomas Spielmann erklärt, dass auf 2400 ungenutzten Quadratmetern Verwaltungsmitarbeiter Platz finden sollten. Ausreichend hinterfragt war der Plan bis dato nicht. Er wird schließlich nicht umgesetzt. Auch deshalb, weil Eberhard Liesaus mit seinem Anruf den Anstoß gab, genauer hinzuschauen. Er hat damit zumindest einen Anteil daran, dass das Eichsfeldmuseum deutlich wahrnehmbarer und moderner geworden ist – und weiterhin ausschließlich als Museum genutzt wird.

Liesaus mischte sich ein in Heiligenstadt und im Landkreis. Er konnte, wenn man mit ihm sprach, grundsätzlich werden. Sei es als Stadtratsvorsitzender oder in den Aufsichtsräten und den Vereinen, in denen er sich engagierte. Sein Wort besaß stets Gewicht. Gerade fünf Jahre alt, kommt er mit seiner Mutter ins Eichsfeld. Sie sind Vertriebene aus Schlesien. In Niederorschel besucht er die Grundschule und legt in Dingelstädt das Abitur ab. Nach dem Medizinstudium in Berlin und der Facharztausbildung am damaligen Heiligenstädter Vincenz-Krankenhaus ist er von 1972 bis 1990 chirurgischer Oberarzt. Später wird er Amtsarzt und Sozialdezernent des Landkreises bis zu einer Pensionierung 2006.

Eberhard Liesaus wird immer mit dem Eichsfeld-Klinikum verbunden sein. Er gilt als einer der Geburtshelfer der heutigen Kliniklandschaft im Landkreis. Früh stellt er im Altkreis Heiligenstadt die Weichen dafür, nach der Gebietsreform 1994 realisiert er das im Altkreis Worbis. Nach seiner Pensionierung übernimmt er das wichtige Amt des Patientenfürsprechers – ist Bindeglied zwischen Patient und Klinik und als solches dafür verantwortlich, auf Kritik von Patienten zu reagieren. „Ein Klinikum ist nicht für sich und seine Mitarbeiter, sondern ausschließlich für die Patienten und deren Wohl da.“ Das sagte Liesaus einmal in einem Interview mit dieser Zeitung. Auch da wurde er wieder grundsätzlich: Kritik, sagte er, sei ausdrücklich erwünscht. Aber konstruktiv möge sie bitte bleiben.

Konstruktiv hat sich Eberhard Liesaus stets für seine Heimat eingesetzt und dabei für seine Überzeugungen gekämpft. Bisweilen unbequem, aber stets geradeaus – offen und ehrlich, aber nie in den Mittelpunkt drängend. Wenn er aber von einer Sache überzeugt war, dann wusste er stets, wo die richtigen Ansprechpartner zu finden sind, um seine Ziele zu erreichen.

Dieser prägende Gestalter wird Heiligenstadt und dem Landkreis fehlen. Seinem Einsatz sind viele Reformen zu verdanken, die bis heute gehalten haben. Gerade 80-jährig, verstarb Eberhard Liesaus vor wenigen Tagen. Das Mitgefühl gilt seiner Familie.