Eichsfeld: Debatte um Schulsozialarbeit in den Ferien

Eichsfeld.  Leistungsvereinbarung geplant, um gleiche Qualitätsstandards zu erreichen. Ferienprojekte abgelehnt

Markus Rilli von der Villa Lampe ist Schulsozialarbeiter und berichtete dem Jugendhilfeausschuss über die Erfahrungen während des Corona-Lockdowns.

Markus Rilli von der Villa Lampe ist Schulsozialarbeiter und berichtete dem Jugendhilfeausschuss über die Erfahrungen während des Corona-Lockdowns.

Foto: Eckhard Jüngel

Schulsozialarbeit während des Corona-Lockdowns, aber auch die Frage nach der Schulsozialarbeit in den Ferien, gerade in diesem besonderen Jahr, waren die Hauptthemen der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses am Dienstagabend.

Einen Teil der Arbeit leistet das Jugendamt, den anderen die Villa Lampe. Markus Rilli und Anne Koubek von der Villa hatten einen Bericht vorbereitet – als Beispiel für die Arbeit vor Ort. Beide sind Schulsozialarbeiter an den Tilman-Riemenschneider-Schulen im Heiligenstädter Neubaugebiet „Auf den Liethen“, Markus Rilli in der Regelschule, Anne Koubek in der Grundschule.

„Klar, viele Kinder und Jugendliche haben sich gefreut, dass sie schulfrei haben“, sagte Markus Rilli. Aber nicht nur Schüler, sondern auch viele Eltern hätten schnell vor großen Problemen gestanden, unter anderem der Unterricht zu Hause, die Isolation und die Ganztagsbeschäftigung mit den Kindern.

„Wir haben überlegt, was gerade in dieser Zeit wichtig ist“, so Rilli. „Wir haben die Schüler angeschrieben und gefragt: Was braucht ihr?“. Beide stellten klar, dass sie sich rund um die Uhr als Ansprechpartner gesehen haben, in der Villa wurden sogenannte Mikrosoft-Teams zur Unterstützung der Lernarbeit daheim gebildet. Schnell habe man gesehen, dass einige Schüler mit dem Stoff allein nicht zurechtkamen.

„Dann tauchten Prüfungs- und Zukunftsängste auf“, nickte Anne Koubek. Gerade bei den Absolventenjahrgängen, wenn auch Bewerbungsgespräche abgesagt wurden. Dazu kam, dass auch die Spielplätze geschlossen waren, man sich nicht treffen konnte. Eltern kontaktierten die beiden Schulsozialarbeiter, manchmal einfach nur mit der Frage, wie sie ihre Kinder beschäftigen könnten.

„Wir haben regelrechte Beratungsgespräche geführt, wie neue Strukturen für den Alltag gefunden werden können und immer wieder versucht, zu motivieren“, so Rilli.

Am „Liethen-Fenster“ ausgedrucktes Lehrmaterial ausgereicht

In der Grundschule, so Anne Koubek, sei man mit den Lehrern vor Ort gewesen, habe jeden Tag neu beraten und Lösungen gesucht, wie es weitergehen könnte.

„Manche Kinder hatten kein Internet oder keinen Computer, konnten teils das Homeschooling nicht abarbeiten. Dazu kam noch ein erhöhtes Konfliktpotenzial in Familien. Wir haben das ,Liethen-Fenster’ eingerichtet, also durch das Fenster ausgedrucktes Lehrmaterial ausgereicht, Tipps und Hilfestellungen gegeben“, erzählte Anne Koubek.

Ganz wichtig bei alledem sei auch gewesen, Medienkompetenz zu schulen, mit Verschwörungstheorien aufzuräumen und Tipps zu geben, wo und wie man sich aus seriösen Quellen informieren kann. Um den Kontakt zu den jungen Menschen weiter zu halten, haben die beiden einen virtuellen Schulhof auf sozialen Netzwerken, hier vor allem bei Instagram aufgebaut.

„Von Lerntipps über Rezepte, Infos zur aktuellen Coronalage und das Entlarven von Fakenews bis hin zu Chatrooms und sogar einem Tanzprojekt, bei dem daheim ein Video gedreht werden konnte und alles bei der Villa in ein langes Video mündete. Villa-Chef Maik Herwig ergänzte, dass dieses Angebot innerhalb von zweieinhalb Monaten über 76.000 Zugriffe hatte. „Eine enorme Zahl.“

Angebot der Sozialarbeiter in den sozialen Medien wird gut angenommen

Das Fazit von Rilli und Koubek: Die Gespräche während der Corona-Zeit waren intensiver, die Flexibilität und Kreativität je nach Bedarfen, auch Dankbarkeit und ein Zugang zu Eltern und Kindern auf einer neuen Ebene. Aber genau an diesem Punkt sei mit Ferien-Beginn diese Arbeit weggebrochen.

Vom Jugendamt, so hat sich Kreistagsmitglied Norbert Sondermann (Grüne) mit einem Brief an den Landkreis gewandt, habe es geheißen, dass die vorgeschlagenen Kurzkonzepte, wie Schulsozialarbeit in den Ferien aussehen könnte, als nicht ausreichend abgelehnt wurden. Felix Freund (CDU) wollte ebenfalls wissen, warum diese Arbeit nicht weitergeführt wurde.

Heike Grimm betonte in der Ausschusssitzung einmal mehr, dass man nur knappe personelle Ressourcen habe, Schulsozialarbeiter auch mal Urlaub bräuchten oder auch mal krank wären.

„Wir müssen dafür sorgen, dass während der Schulzeit ausreichend Personal da ist.“ Was in den Ferien passiere, falle in den Bereich der offenen Jugendarbeit. Seitens der Schulleiter habe es auch keinerlei Anfragen gegeben.

„Aber gerade in diesem Jahr wäre Schulsozialarbeit in den Ferien wichtig gewesen“, monierte auch Petra Welitschkin (Linke). Das Jugendamt berichtete ebenso für seine Schulsozialarbeiter, merkte an, man habe mit Einzelfällen auch in den Ferien Kontakt gehalten, aber keine Erfordernisse für ganze Arbeitstage gesehen. „Das Thema darf nicht auf die Seite“, mahnte Thomas Spielmann (FW).

Nun will das Jugendamt mit der Villa Lampe sprechen, um eine Leistungsvereinbarung in Sachen Schulsozialarbeit abzuschließen, um überall gleiche Standards und pädagogische Ziele zu erreichen.

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