Eichsfeld: Ein Riesenrad aus Noten und Worten

Brehme  Einen Steinmetzmeister lässt ein Traum nicht los: Nach 20 Jahren und einem neuen Versuch erscheint heute der erste Schlager aus der Feder von Wilfrid Sölter.

„Bin wie ein Riesenrad“ heißt der Schlager aus Eichsfelder Feder, der heute veröffentlicht wird. Geschrieben hat den Song Wilfried Sölter (rechts), Melanie Scholz singt, Julius Ruben Napp ist der Pianist und Schlagzeuger. Matthias Müller (hinten) hat den Song in seinen Brehmer Sunrock Studios produziert. Das Stück ist ein echtes Gemeinschaftswerk. Foto: Silvana Tismer

„Bin wie ein Riesenrad“ heißt der Schlager aus Eichsfelder Feder, der heute veröffentlicht wird. Geschrieben hat den Song Wilfried Sölter (rechts), Melanie Scholz singt, Julius Ruben Napp ist der Pianist und Schlagzeuger. Matthias Müller (hinten) hat den Song in seinen Brehmer Sunrock Studios produziert. Das Stück ist ein echtes Gemeinschaftswerk. Foto: Silvana Tismer

Foto: Silvana Tismer

Vor 20 Jahren hat es Wilfried Sölter schon einmal versucht. Der Steinmetz aus Landolfshausen schrieb zwei Texte und dazu ein paar Noten. „Ich habe das damals einem Göttinger Komponisten gezeigt“, erzählt der 65-Jährige. „Nun ja. Eins sei gut, eins sei schlecht, sagte er. Er hat mir mehr oder weniger zu verstehen gegeben: Schuster, bleib bei deinem Leisten.“ Die Zettel landeten in der Mülltonne.

Zwei Jahrzehnte später traf Wilfried Sölter einen Toningenieur. Dem erzählte er die Episode. „Und er sagte: Versuch es noch einmal.“ Der Steinmetzmeister, inzwischen im Ruhestand, hörte auf diesen Rat. Zuerst suchte er einen Refrain, Zeile für Zeile kam hinzu. Überall fand er Anregungen, selbst bei einem Regenbogen am Himmel. Aber irgendwann sei er nicht mehr weitergekommen und habe sich Hilfe gesucht.

„Durch 1000 Zufälle bin ich Melanie Scholz begegnet.“ Sie lächelt. Melanie Scholz ist ausgebildete Sängerin, stammt aus Duderstadt, gibt selbst Gesangsunterricht, beherrscht Klassik, Oper und Musical. „Ich habe mir gedacht, ich könnte es auch einmal mit einem Schlager versuchen“, sagt sie. Genau das, ein Schlager, ist es nämlich, was nun in den Brehmer Sunrock Studios bei Matthias Müller entstanden ist. „Ich habe Melanie das gezeigt, was ich schon hatte. Und sie meinte mit Blick auf die Noten, da könne man was draus machen“, erzählt Sölter. Gemeinsam überlegten sie, ein Demo aufzunehmen. Aber sie stellten sich die bange Frage, ob nicht jemand das Motiv einfach klauen würde. Melanie Scholz rief Julius Ruben Napp an. „Ich hab da jemanden, der hat ein Lied geschrieben. Ich brauche dich als Pianisten, ich singe dazu“, teilte sie ihm ohne Umschweife mit. Der Westeröder, der mittlerweile in Teistungen lebt, ist Pianist, Organist und dazu noch Chorleiter in Westerode und Fuhrbach. Er nahm sich die Noten her und legte auf dem Flügel los. „Ich kam herein und stellte fest, dass das, was ich da hörte, schon mehr Geschick hatte, als was ich fabriziert habe“, erzählt Wilfried Sölter .

Vier Versionen für jeden Geschmack auf CD

Julius Ruben Napp improvisierte, packte noch das Schlagzeug aus. Jetzt fehlte nur noch ein Tonstudio. „Wir gehen zu Matthias Müller“, machte Melanie Scholz Nägel mit Köpfen. „Wenn, dann machen wir es gleich richtig.“ Matthias Müller ließ die drei voller Neugier in seine Sunrock Studios hinein. „Mich hat die Tatsache fasziniert, dass jemand, der sein Leben lang Steinmetz war, Musik geschrieben hat. Und dann noch einen Schlager“, sagt Müller. „Für mich sind Menschen wie er, ein Bildhauer, Menschen mit einer Vision.“ Und wenn er sehe, dass sich ein Mensch für etwas begeistern kann, dann könne dieser auch große Dinge vollbringen. Matthias Müller hörte sich die Grobentwürfe an. „Dann begann eine lange Odyssee.“ Schlager hat Müller nämlich noch nicht in seinen Studios produziert. „Sie sind eigentlich auch nicht mein Ding.“ Oft seien sie inhaltslos. „Aber es gibt auch welche mit Herz und Gefühl. Dann bin ich dafür zu haben. Das macht Musik aus, egal ob Schlager oder Rock.“ In den Grobentwürfen sah Müller genau das, was er gesucht hatte. Er sagte zu, sich mit einzubringen, gemeinsam mit den Dreien zu arbeiten. Sechs Monate später ist das Resultat da: „Bin wie ein Riesenrad“ ist ab heute zu haben – als CD und auch über die bekannten Streamingdienste wie Spotify oder Amazon Music. Sogar ein Video gibt es dazu, um Kanäle wie Youtube zu bedienen. Das hat Tim Krchov von Jonez Entertainment in Leinefelde gedreht. Es ist nicht die erste Zusammenarbeit zwischen Müller und Tim Krchov. Der fand ein junges Pärchen, das Spaß daran hatte, die Geschichte des Liedes für die Kamera zu spielen. „Es ist die klassische Liebesgeschichte einer Frau“, fassen Sölter und Melanie Scholz zusammen.

Das Besondere an der CD und dem Song selbst aber ist, dass es ihn in vier Versionen gibt. „Einmal die klassische Disco-Schlager-Version. Die ist radio- und tanztauglich“, erzählt Melanie Scholz. „Ja, elektronisch können wir auch“, sagt Müller mit einem Lächeln. Immerhin hat er schon viel Dance- und Housemusik in seinem Tonstudio produziert. Version Nummer zwei ist die Musicalversion. Eigentlich sogar Filmmusik. Variante drei ist die klassisch-akustische Fassung, nur getragen von Klavier und Gesang. Und in Version Nummer vier, der Gentleman-Version, gehen Melanie Scholz und Julius Ruben Napp gesanglich in den Dialog.

„Jetzt kommt es nur darauf an, ob die Leute das Lied mögen“, sagt Matthias Müller. Er ist der festen Überzeugung, dass Hitpotenzial darin steckt. „Ich musste mich bei der Produktion nicht verbiegen.“ Das habe niemand der vier Akteure müssen, fügt Melanie Scholz hinzu. „Und Matthias hatte es weiß Gott nicht leicht mit uns im Studio“, sagt Julius Ruben Napp. „Für mich war es das erste Mal in einem Tonstudio. Ich hatte vorher überhaupt keine Vorstellungen, wie so etwas abläuft.“ Melanie Scholz ist da entspannter, ihren ersten Song hat sie mit elf Jahren geschrieben. Derzeit arbeite sie an einem Musical, verrät Matthias Müller.

Wilfried Sölter sagt, dass ihm die Arbeit an seinem Text und seinen Noten im Team richtig Spaß gemacht hat. Jeder habe seinen Teil beigetragen. „Wir wollten etwas Gutes abliefern. Ich habe immer zu den Musikern gesagt: Wenn ihr etwas ändern wollt, dann ändert es. Es muss nur gut werden.“ Auch er ist gespannt, ob die Menschen „Bin wie ein Riesenrad“ mögen werden. Und vielleicht, ja vielleicht kommt dann aus der Feder von Wilfried Sölter, aus der Kehle von Melanie Scholz, den Tasten von Julius Ruben Napp und den Mischpulten von Matthias Müller ein Nachfolger. „Abwarten“, sagen die vier.