Eichsfelder Erfolgsgeschichten und Probleme

Duderstadt/Sickenberg  Der Bundesbeauftragte für die neuen Länder, Christian Hirte, lässt sich von Duderstadt bis Schifflersgrund über brennende Fragen informieren.

Christian Hirte zu Gast im Unternehmen Ottobock in Duderstadt. An seiner Seite Thadäus König (rechts) Mitglied des Thüringer Landtages

Christian Hirte zu Gast im Unternehmen Ottobock in Duderstadt. An seiner Seite Thadäus König (rechts) Mitglied des Thüringer Landtages

Foto: Eckhard Jüngel

Ottobock – Weltmarktführer in Sachen Prothetik, ein niedersächsisches Unternehmen, das in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert und das Wurzeln im thüringischen Königsee hat, wo sich auch heute noch ein Standort befindet. Weltweit werden derzeit rund 7000 Mitarbeiter an 58 Standorten beschäftigt, am Duderstädter Hauptsitz sind es um die 1500 Beschäftigte, die Hälfte davon kommt aus den neuen Bundesländern. Und das alles zusammengenommen sind gleich mehrere Gründe, warum CDU-Mann Christian Hirte, parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie und in diesem Amt gleichzeitig Beauftragter für den Mittelstand und die neuen Bundesländer, gestern dem Unternehmen im Rahmen seiner Sommertour einen Besuch abstattete.

Der Politiker lobte das Unternehmen als eines, das auch in den vergangenen 30 Jahren als deutsch-deutsches eine Erfolgsgeschichte geschrieben habe.

Da 73 junge Menschen derzeit bei Ottobock ihre Ausbildung absolvieren und ­einige aus dem Landkreis Eichsfeld kommen, nutzte Hirte die Gelegenheit zu einem Gespräch mit ihnen sowie mit Personalchefin Bianca Holler. Diese beschrieb dann sowohl die Schwierigkeiten, Fachkräfte als auch Lehrlinge zu finden und sprach Probleme des ländlichen Raumes an, insbesondere mit Blick auf die Infrastruktur. Bianca Holler betonte aber zugleich, dass gerade die Qualität kleiner Orte oft unterschätzt werde.

Das kennt Hirte. Er verwies auf eine Kommission, die auf die Benachteiligungen in den Regionen schaue, wo die Defizite durch politische Maßnahmen ausgeglichen werden müssten. „Die Politik ist gefordert, gute Voraussetzungen zu schaffen“, sagte er und machte klar, dass Probleme im ländlichen Raum kein ostdeutsches Phänomen sind.

Klar sprach die Personalchefin die Situation der jungen Leute an, die sich in einer Ausbildung befinden und auf Bus- und Bahnverbindungen angewiesen sind – auch das sei für das Unternehmen eine Herausforderung. Unterstützt werden die jungen Leute bei Ottobock beispielsweise mit Fahrgeld oder einem Azubiwagen, berichtete eine Auszubildende. Dass die Hilfe gebraucht wird, da Jugendliche die Kosten finanziell allein nicht stemmen können, weiß Bianca Holler.

Der Eichsfelder CDU-Landtagsabgeordnete Thadäus König konnte dem nur beipflichten und verwies darauf, wie wichtig Bildungseinrichtungen im ländlichen Raum sind, insbesondere auch die Berufsschulen. Er kennt die Sorgen der Firmen, die Nachwuchs in der Region suchen. Wenn Lehrlinge dann noch in Erfurt oder Suhl unterrichtet werden sollen, ist für manchen die Ausbildung im Eichsfeld unattraktiv.

Am Mittag setzte Christian Hirte seine Tour durch das Eichsfeld – einst getrennt und sich heute als grenzenlose Region verstehend – fort und reiste von der niedersächsischen Landesgrenze an die hessische – zum Grenzmuseum Schifflersgrund. Unterwegs machte er in Teistungen und in Geisleden Station. Er wolle nicht nur die geschichtsträchtigen Orte besuchen, die an den Fall der Grenze vor drei Jahrzehnten erinnern, sondern auch Unternehmen, die zu ganz erfolgreichen Pflänzchen gewachsen seien. „Das ist für mich eine Botschaft, dass wir 30 Jahre nach der Wiedervereinigung trotz aller Unterschiede und Schwierigkeiten große Erfolgsgeschichten hinter uns haben und deswegen stolz auf die Einheit blicken sollten“, sagte Hirte. Die Lebensqualität des Ostens müsse sich nicht hinter der des Westen verstecken. In der Region Eichsfeld zum Beispiel gebe es kaum Probleme mit Arbeitslosigkeit, es gebe eine überwiegend gute Infrastruktur, gute und preiswertere Kitaplätze als in anderen Regionen. Und beim Breitbandausbau mangele es nicht am Geld, sondern an den Baukapazitäten der Firmen. „Das bekommen wir ganz sicher auf den Weg.“

Die letzte Station des Tages war Schifflersgrund. Hirte habe selbst Bezug zur Grenze, da seine Familie in unmittelbarer Nähe zu dieser gelebt habe. „Zwar auf der Westseite, aber an der Grenze. Wir müssen weiter die Überwindung der Teilung in den Blick nehmen“, sagte er im Grenzmuseum.

Wolfgang Ruske, Vorsitzender des Arbeitskreises Grenzinformation – Träger des Hauses – nutzte den Besuch des Beauftragten für die neuen Länder, um ihm die in langer Arbeit und in langen Kämpfen erstellte Neukonzeption als Lektüre zu überreichen – mit der Hoffnung, dass es für die Umsetzung Unterstützung vom Bund gibt. Ruske hofft auf eine endgültige Entscheidung zum Jahresende.

Eine Rolle spielte gestern auch das Datum: der 13. August. Vor 58 Jahren wurde an diesem Tag die Berliner Mauer gebaut, somit die gesamte Grenze zwischen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland dicht gemacht. Wie viele Tote diese Grenze wirklich forderte, ist bis heute nicht genau erforscht. Hirte legte am Mahnmal auf dem Gelände einen Kranz im Gedenken an die Opfer des Todesstreifens nieder.

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