Ein Künstler und sein Werk in Uder

Uder.  Heimo Ertl ist der Schöpfer des bronzenen Ossenritters und der Weinrich-Büste in der Eichsfeldgemeinde Uder. Er stammt von dort und lebt in Bayern.

Der Künstler und sein Werk: Heimo Ertl hat vor zehn Jahren den Ossenritter von Uder in Bronze geschaffen.

Der Künstler und sein Werk: Heimo Ertl hat vor zehn Jahren den Ossenritter von Uder in Bronze geschaffen.

Foto: Johannes Schmidt

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„Den Schöpfer des Pilgers, Werner Löwe aus Heiligenstadt kennt wohl jeder Interessierte“, sagt Johannes Schmidt aus Uder. „Den Schöpfer der beiden anderen Skulpturen in Uder im Park, im Riedelsburg-Saal und vorm Haus der Vereine nur wenige“, ist Schmidt sicher. Dieser Schöpfer ist Heimo Ertl, obendrein selbst gebürtiger „Ossenritter“ und ehemaliger Bewohner der altehrwürdigen „Riedelsburg“, die von seinem Ururgroßvater 1836 gegründet wurde.“ Gründer Christoph Riedel, gebürtig aus Leitmaritz, damals Deutsch-Böhmen, sei als Soldat in Heiligenstadt „hängengeblieben“, heiratete 1818 die gebürtige Heiligenstädterin Elisabeth Bode und kaufte ein Haus in Uder, wo er 1836 die „Riedelsburg“ gründete. Seit fast 200 Jahren ist sie kultureller Mittelpunkt der „Iderschen Ossenritter“.

Die Figur des Ossenritters und die Büste von Martin Weinrich stehen für den Bekanntheitsgrad der Uderaner, „wobei der Ossenritter noch herausragt, weil er als identitätsstiftende Skulptur für die Einmaligkeit und Unverwechselbarkeit der Uderaner steht und als Kunstwerk für diese besondere Identifikation sorgt“, betont Schmidt. „In diesem Kunstwerk steckt viel Herzblut des Künstlers. Es ist vollkommen zeitlos und gibt den Ossenrittern eine Seele.“ Heimo Ertl habe auch als „Eichsfelder in der Fremde das Interesse an Uder und dem Eichsfeld bewahrt, und mit der Schaffung des „Ossenritters“ schließe sich unbewusst für ihn ein Kreis. Er wurde mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt und von Papst Benedikt XVI. zum „Ritter des Ordens des heiligen Papstes Silvester“ ernannt. Darum hält es Johannes Schmidt für wichtig, Heimo Ertl einmal näher vorzustellen.

Lektor an der St. Andrews University in Schottland

Dieser kam 1943 in der Riedelsburg in Uder zur Welt. Seine Mutter Klärchen, geborene Hünermund, war die Schwester der letzten Riedelsburg-Bewohnerin. „Klärchen hatte 1939 in Traunstein Wolfgang Ertl, ihren späteren Mann, kennengelernt und im selben Jahr in Uder geheiratet“, hat Schmidt erforscht. Heimo Ertl besuchte zunächst 1949 die Grundschule in Uder. Als sein Vater 1950 aus russischer Kriegsgefangenschaft heimkehrte, siedelte Mutter Klärchen mit ihren zwei Buben nach Oberbayern in dessen Heimatstadt Ingolstadt/Donau um, damals amerikanische Zone. „Dort legte er 1964 das Abitur ab.“ Nach seinem Wehrdienst in Deutschland und Frankreich studierte er ab 1966 Anglistik, Germanistik, Philosophie und Pädagogik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und am Westfield College der Universität London. Seine Tätigkeit als Lehrer an der Kirkcaldy High School in Schottland (1969-70) unterbrach sein Studium. Nach dem Staatsexamen für das Lehrfach an Gymnasien ging er von 1973 bis 1974 als Lektor an das German Department der schottischen St. Andrews University.

Zurück in Erlangen arbeitete Ertl 1984 als Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Anglistik und Amerikanistik. 1976 erfolgte die Promotion, 1984 die Habilitation. Danach wurde er zum Privatdozenten für australische, neuseeländische und indisch-englische Literatur ernannt, lehrte am Institut für Anglistik Englische Literaturwissenschaft bis 2007 als außerplanmäßiger Professor. „1995 hielt er auf Einladung der australischen Regierung mehrere Monate Gastvorlesungen und Seminare über australische und englische Literatur an verschiedenen Universitäten in Australien“, weiß Schmidt. Bis 1998 war Heimo Ertl stellvertretender Direktor des Caritas-Pirckheimer-Hauses (CPH) Nürnberg und der dort angesiedelten Akademie der Erzdiözese Bamberg, anschließend bis 2007 Direktor der beiden Einrichtungen. Von 1985 bis 2016 war er Mitglied der Erzbischöflichen Ökumenekommission der Erzdiözese Bamberg, von 1995 bis 2000 Leiter der bundesweiten Arbeitsgruppe „Katholische Soziallehre“ in der Arbeitsgemeinschaft katholisch-sozialer Bildungswerke (AKSB) und von 1995 bis 2005 stellvertretender Vorsitzender des Leiterkreises der Katholischen Akademien Deutschlands.

Frühe Karikaturen an den Wänden der Riedelsburg

„Seit Mitte der 1990er-Jahre arbeitete sich Heimo Ertl in seiner Freizeit in die figurative Bildhauerei und das Schaffen von Bronzefiguren ein. Motivischer Schwerpunkt sind Mensch und Tier“, erklärt Johannes Schmidt. „Erst kürzlich hatte er in seiner fränkischen Heimat im Felix-Müller-Museum in Neunkirchen am Brand eine Einzelausstellung, in der seine Bronzefiguren gezeigt wurden.“ Zur Eröffnung habe die Kunsthistorikerin Barbara Leicht den Künstler besonders gewürdigt: Ertl habe sich im Laufe seines Schaffens eine eigene Handschrift angeeignet. Seine Formen seien lesbar und verständlich, nahbar und vergnüglich. Ihn treibe an, mit seinen Händen Sinnvolles zu tun, dabei Formen zu schaffen, Erkennbares zu modellieren.

„Naturalistisch, bis zu einem gewissen Grad stilisiert, in eigener Handschrift, mit viel Liebe zur Natur und in einer Haltung, die die Schöpfung als wunderbarste Handlung Gottes erkennt“, zitiert Schmidt. Ertl besinne sich auf das Wesentliche. Kein unnötiger Dekor, kein Zuviel – dafür viel Leben. Es sei wunderbar, dass Ertl auch in Uder künstlerisch tiefe Spuren hinterlassen habe, eben den Bronze-Ossenritter im Park und die kleinere Ossenritter-Skulptur aus Bronze und Stahl in der Riedelsburg. Dazu noch die Büste des Heimatdichters Martin Weinrich. Schmidt weiß noch von einer kleinen Anekdote: In der Riedelsburg brachte Heimo Ertl schon Ende der Fünfzigerjahre witzige Karikaturen an die Wände. Ältere Uderaner erinnern sich noch an das Bild „Drei Mal hat‘s gekracht“ mit der gerissenen Hose oder an das Bild über dem Eingang zum Bierkeller, das den – äußerst sinnvollen – Ausspruch illustrierte: „Durst ist schlimmer als Heimweh“ – beides wohl frühe Vorboten seines künstlerischen Schaffens .

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