Ein Räuber unter den Pilzen: Der Schopftintling im Eichsfeld

Eichsfeld.  Der Schopftintling kann Spargelersatz sein und auch zu Schreibtinte werden.

Eine Gruppe Schopftintlinge. Beim Exemplar ganz links im Bild ist die Auflösung des Hutes schon weit fortgeschritten.

Eine Gruppe Schopftintlinge. Beim Exemplar ganz links im Bild ist die Auflösung des Hutes schon weit fortgeschritten.

Foto: Arne Willenberg

Über Nacht sind sie plötzlich da. Im wahrsten Sinne aus dem Boden geschossen, schmücken dann die Fruchtkörper des Schopftinlings in großer Zahl die Wiesen in Gärten und Parks. Und das sehr zur Freude der Pilzsammler. Denn die jungen noch geschlossenen Pilzhüte schmecken ausgezeichnet. Mit dem Sammeln und der Zubereitung muss man sich aber sehr beeilen, denn die zunächst weißen Lamellen verfärben sich innerhalb von wenigen Stunden, vom Hutrand her beginnend, zunächst rosa und danach schwarz.

Mit weiterer Reife verflüssigt sich das Hutfleisch zu einer tintenartigen, schwarzen Brühe. Nur der Stiel bleibt länger stehen. Mit der schwarzen Tinte werden die Sporen verbreitet. Gelangen die Sporen auf geeignete Standorte, wachsen daraus neue Pilzgeflechte, welche in den Folgejahren auch Fruchtkörper ausbilden können.

Bei gerade beginnender Verfärbung der Hüte lassen sich noch immer die Stiele verwenden. Diese ähneln im Aussehen und in der Konsistenz weißen Spargelstangen und können auch wie solche zubereitet werden. Beim Genuss des gut schmeckenden Spargelersatzes ist aber zu beachten, dass Schopftintlinge in Verbindung mit Alkohol eine schwach giftige Wirkung haben können. Dieses Phänomen wird auch bei anderen Tintlingsarten beobachtet. In den Pilzen ist ein normalerweise harmloser Stoff, welcher aber den Alkoholabbau im menschlichen Körper beeinflusst und dadurch Vergiftungserscheinungen hervorruft. Auch noch mehrere Tage nach dem Verzehr der Pilze löst das Trinken von Alkohol solche Vergiftungen aus. Man muss sich also entscheiden. Entweder Pilz oder Pils – beides geht nicht!

Früher wurde aus dem Schopftintling auch Schreibtinte hergestellt. Dazu wurden die Hüte in ein Gefäß gelegt. Die nach kurzer Zeit entstehende schwarze Flüssigkeit wurde aufgefangen, konserviert und zum Schreiben benutzt.

Der Schopftintling ernährt sich hauptsächlich saprotroph. Das heißt, dass ihm tote organische Substanzen aus dem Boden als Nahrung dienen. Mit dem Abbau dieser Stoffe und deren Mineralisation spielt der Schopftintling eine wichtige Rolle im Stoffkreislauf. Der Schopftintling ernährt sich zusätzlich auch als Räuber. Dazu fängt er kleine im Boden lebende Fadenwürmer. Sein Myzel besitzt kugelige Fangorgane, welche ein Gift ausscheiden, das die Würmchen unbeweglich macht. Die so betäubten Fadenwürmer werden dann von den Pilzfäden umsponnen und innerhalb weniger Tage verdaut.

Der Schopftintling ist ein im Eichsfeld häufiger Pilz und dank seines Vorkommens im menschlichen Siedlungsbereich auch sehr auffällig. Es ist sogar möglich, diesen Spargelpilz gezielt im eigenen Garten anzubauen, wozu man aus dem Spezialhandel Brutansätze beziehen kann. Erntezeit ist vom Frühjahr bis in den Spätherbst hinein.