Ein Salesianer ist das neue Gesicht in der Pfarrei Arenshausen

Heiligenstadt  Pater Wilhelm Steenken lebt seit drei Jahren in der Villa Lampe in Heiligenstadt, wo er sich um Jugendliche kümmert. Und nun ist er auch Kooperator für zwölf Dörfer.

Pater Wilhelm Steenken gehört den Salesianer Don Boscos an und hat im Laufe seines Lebens schon vielen Jugendlichen in ganz Deutschland den richtigen Weg aufgezeigt. Seinen hat er mit 25 Jahren erkannt.

Pater Wilhelm Steenken gehört den Salesianer Don Boscos an und hat im Laufe seines Lebens schon vielen Jugendlichen in ganz Deutschland den richtigen Weg aufgezeigt. Seinen hat er mit 25 Jahren erkannt.

Foto: Eckhard Jüngel

Die katholische Pfarrei St. Matthäus Arenshausen umfasst gleich zwölf Dörfer. Pfarrer Karl Josef Meier hat also dort eine Menge zu tun. Da freut es ihn sehr, dass er seit kurzem Unterstützung bekommt. Denn Pater Wilhelm Steenken ist seit 1. August als Kooperator in der Pfarrei eingesetzt und übernimmt Gottesdienste, Hochzeiten, Taufen, die Krankenkommunion und Beerdigungen.

Seinen ersten öffentlichen Auftritt in Gerbershausen hatte Pater Steenken zur Weihe des Florian-Bildstocks, und mit den Jüngsten der Gemeinde konnte er sich bereits bei der Religiösen Kinderwoche vertraut machen. Das Fazit von den Gerbershäusern fiel positiv aus: Sympathisch, locker, nett waren die Attribute, mit denen man den neuen Geistlichen betitelte.

Kein neues Gesicht im Eichsfeld

Als Pater Steenken davon hört, muss er lächeln. Und das Lächenln ist eines, das ansteckt. „Mir gefällt es auch gut. Es ist schön, Zeit für die Menschen zu haben. Und die haben mich in der Pfarrei gut angenommen und aufgenommen. Ich bin gern da“, sagt er. Ein neues Gesicht ist er dabei vielleicht in der Pfarrei, für das Eichsfeld allgemein aber nicht. Denn schon seit drei Jahren lebt Pater Steenken in der Villa Lampe in Heiligenstadt. Er gehört den Salesianern Don Boscos an. Dem Orden ist er beigetreten, als er 25 Jahre alt war. „Mit Mitte 20 habe ich mich gefragt, wie es weiter gehen soll mit mir. Ich war auf der Suche nach dem richtigen Weg. Da habe ich die Salesianer kennengelernt und gemerkt, dass ich mich dort zu Hause fühle“, erinnert er sich. „Dann ist mein Bruder innerhalb eines Jahres zweimal Vater geworden, und als ich die Kleinen auf dem Arm hatte, habe ich realisiert, dass ich nie Vater werden würde. Das hat mich zum Nachdenken gebracht.“ Aber eingetreten ist Wilhelm Steenken trotzdem. „Und ich habe es nie bereut. Das war wirklich mein Weg: Das unmittelbare Dasein für Jugendliche.“

Geboren und aufgewachsen ist Wilhelm Steenken auf dem Hümmling, einem Teil des Emslandes, und seine Herkunft hört man ihm am Dialekt an. Zum Pädagogik-Studium ging es an die katholische Universität nach Eichstätt bei Ingolstadt und nach dem Ordenseintritt zum Theologiestudium nach Benediktbeuern. 1991 wurde Wilhelm Steenken dann zum Priester geweiht. Und dann ging es für ihn noch mehr quer durchs Land, nach Trier, Berlin und in den Ruhrpott. Dort arbeitete er jeweils in der Erziehungshilfe als Seelsorger, Erzieher und später auch als Gruppenleiter. „Ich sag nicht schwer erziehbar. Die Jugendlichen sind verhaltensoriginell.“

Allein zehn Jahre lang lebte er mit Jugendlichen in Berlin in einem Wohnheim zusammen. „Die kamen zum Teil aus der Obdachlosigkeit, der Drogenabhängigkeit oder aus dem Knast“, erinnert sich der Geistliche. Er habe da viel erlebt. „Und ich bin alles andere als naiv. Da bekommt man alle Dunkelheiten mit und ist im prallem Leben.“ Der Orden der Salesianer helfe denen, die jung sind, erklärt er, und dabei spiele Religion oder Konfession keine Rolle. Die Problemlagen seiner Schützlinge seien natürlicherweise sehr individuell gewesen. Sie reichten von tiefen Traumata über den Konflikt mit dem Gesetz bis hin zur Wohlstandsverwahrlosung. „Oft steckt dahinter aber eine Schwäche der Erwachsenen oder eine veränderte Situation“, zieht er Schlüsse aus seinen persönlichen Erfahrungen.

Da ist die Arbeit im Eichsfeld schon eine andere. Aber Wilhelm Steenken weiß auch, dass die Arbeit mit Jugendlichen heute eine andere ist. „Es ist eine andere Generation, da komme ich manchmal nicht mehr hinterher“, sagt der 62-Jährige.

2016 wurde er dann vom Bischof angefragt – als Ordensbruder muss der ihn nämlich fragen und kann nicht einfach so bestimmen – ob er sich eine Stelle in der Pfarrei Arenshausen vorstellen könne. Er konnte, und reist nun von der Villa Lampe, in der er mit seinen beiden Ordensbrüdern in einer Wohngemeinschaft lebt, regelmäßig in die Dörfer. Die Salesianer leben gehorsam, ehelos und arm. Aber einsam ist Pater Steenken nicht. „Als Salesianer lebt man auch in Gemeinschaft, und es menschelt überall.“ Dabei hat Pater Steenken kein eigenes Konto, sondern bekommt Haushalts- und Verpflegungsgeld, das er für Essen, Kleidung und auch den Urlaub verwendet.

Viel besitzt er nicht. „Wenn ich umziehe, brauche ich nur meine Bücher, die CDs und meine Klamotten. Das ist das schöne – ich kann mit einem VW-Bus umziehen.“ Möbel habe der Pater nicht. Obwohl, wenn er so nachdenkt, der marineblaue Ohrensessel, den er zum 50. Geburtstag geschenkt bekommen hat, ja doch immer mitreist.

Glaube hat nur überlebt wegen der Menschen

Eine Sache, die ihn an der katholischen Kirche stört, sei die „Mentalität des Jammerns“. Er sei davon überzeugt, dass der Glaube nicht einfach untergehen werde. „Wir werden auf Dauer keine Volkskirche mehr sein, aber das hindert uns nicht daran, Gottesdienst zu feiern.“ Das Motto von Don Bosco „Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen“ sei auch ein Motto, das die Kirche im Allgemeinen annehmen könnte. Denn der Glaube habe nur überlebt wegen der Menschen und werde so schnell nicht aussterben.

Er bezieht sich in diesem Zusammenhang auf den Schriftsteller Erich Kästner, der in dem Gedicht „Sachliche Romanze“ schrieb, dass einem Paar die Liebe abhanden gekommen ist wie ein Stock oder Hut, den man stehen gelassen hatte, aber nicht mehr genau weiß, wo und wann überhaupt. „Vielen geht es mit dem Glauben wohl ähnlich.“

Und ihnen und allen den Glauben an Gott (wieder) näher zu bringen – auch das wird Pater Wilhelm Steenken innerhalb seiner Arbeit in der Pfarrei Arenshausen tun – und dabei viel Freude haben.

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