Elektrifizierungstermin der Strecke Leinefelde-Gotha unbekannt

Eichsfeld  Bahnverbindung von Leinefelde nach Gotha beschäftigt Politiker verschiedener Parteien. Notwendige Brückenneuplanungen der Ortsumgehungen laufen.

Der Bahnhof Leinefelde ist der Endpunkt einer wichtigen Schienenverbindung zur Landeshauptstadt. Doch wann diese elektrifiziert wird, ist noch unklar.

Der Bahnhof Leinefelde ist der Endpunkt einer wichtigen Schienenverbindung zur Landeshauptstadt. Doch wann diese elektrifiziert wird, ist noch unklar.

Foto: Eckhard Jüngel

Michael Hoffmeier (Bündnis 90/Die Grünen), Mitglied des Eichsfelder Kreistages, ist unzufrieden. Noch immer sei keine Bewegung beim Thema Planungsbeginn für die Elektrifizierung der Bahnstrecke Gotha-Leinefelde zu erkennen. „Für die Anbindung Nordthüringens ist das Elektrifizierungsvorhaben von enormer Bedeutung“, sagt Hoffmeier. „Wenn die Fahrdrahtlücke zwischen Gotha und Leinefelde nicht zeitgleich mit der Elektrifizierung der Mitte-Deutschland-Bahn angegangen wird, droht eine Brechung der jetzigen Regionalexpresslinie 1 in Erfurt oder Gotha“, befürchtet er. Es könnten sogar verkürzte Fahrstrecken drohen. Hoffmeier hatte bereits im Kreistag einen Grundsatzbeschluss gefordert, dass sich dieser beziehungsweise das Landratsamt für ein Vorantreiben der Planungen stark macht.

Brückenplanungen nach damaligem Stand fehlerlos

Hintergrund des derzeitigen Dilemmas ist, dass diese Bahnlinie mehrfach von den geplanten Ortsumgehungen Mühlhausen, Höngeda und Großengottern/Schönstedt gequert wird.

Als dafür und vor allem für insgesamt vier Brückenbauwerke beim damaligen Straßenbauamt in Nordthüringen die Planungen liefen – das war im Jahr 2008 –, war die Elektrifizierung der Bahnstrecke noch gar nicht ins Auge gefasst.

In einer Kleinen Anfrage der Grünen im Bundestag kam jetzt sogar die Frage auf, ob das Nordthüringer Straßenbauamt diese Brücken nicht regelkonform geplant habe. Dieser Vorwurf wurde vehement zurückgewiesen. „Genau wie in der Antwort auf die Kleine Anfrage im Bundestag ist diese Angelegenheit auch bei uns im Thüringer Landtag Thema gewesen“, sagt der Eichsfelder CDU-Abgeordnete Thadäus König. „Als die Planungen damals liefen, war die Elektri­fizierung der Bahnstrecke noch nicht im vordringlichen Bedarf“, erinnert er. „Die Planungen des Straßenbauamtes liefen in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn Netzagentur. Das Straßenbauamt hat damals alles richtig gemacht.“

Aufgenommen in diesen Vordringlichen Bedarf innerhalb des Bundesverkehrswegeplans 2030 wurde die Strecke Leinefelde-Gotha am 6. November 2018. Also erst zehn Jahre nach der Ursprungsplanung der Brücken der zukünftigen Ortsum­gehungen.

Damit allerdings sieht die ganze Sache etwas anders aus. In einer Kleinen Anfrage hat König im Thüringer Landtag den aktuellen Sachstand abgefragt, wie es nun mit der Elektrifizierung auf der Verbindung zwischen Gotha und Leinefelde weiter­gehen wird. „Für dieses Jahr ist nichts in Sicht“, entnimmt König der Antwort von Staats­sekretär Klaus Sühl (Die Linke). Die sogenannte Fuldakonferenz zwischen Deutscher Bahn und Bundesregierung findet nämlich immer nur ein Mal im Jahr statt – im Frühjahr. „Sofern nicht aus einem gesonderten Anlass außerhalb des Regelprozesses ein Planungsbeginn eingeleitet beziehungsweise freigegeben wird, erfolgt dies frühestens im Jahr 2020 im Zuge der nächsten Fuldakonferenz“, lautete die schriftliche Antwort des Staatssekretärs.

Auch Infrastrukturministerin Birgit Keller (Die Linke) hat sich nach der Anfrage von König mit dem Thema befasst. Selbst sie kann noch keinen belastbaren Realisierungs- oder Fertigstellungstermin nennen. „Die Landesregierung wünscht sich eine zügige Planung dieses Vorhabens des dringlichen Bedarfs des Bundesverkehrswegeplans und wird sich mit Nachdruck für deren alsbaldigen Beginn einsetzen“, kündigt sie an.

Ein weiteres Problem auf der Strecke ist der Einsatz von Neigetechnikzügen, die entsprechende Geschwindigkeiten von bis zu 160 Stundenkilometern bieten. Die Frist, in der der aktuelle Neigetechnikstand genutzt werden kann, läuft allerdings im Jahr 2023 aus. Seitens der Landesregierung, so Birgit Keller, sei beabsichtigt, die Neigetechnik noch bis zum Jahr 2028, also fünf Jahre länger, zu nutzen. Derzeit stehe ein neues Vergabeverfahren an, mit dem die vertraglichen Voraussetzungen geregelt werden sollen. Allerdings müsse die aktuell genutzte Neigetechnik nach Ablauf der Restnutzzeit auf jeden Fall durch spurstarke elektrisch und zur Not auch herkömmlich betriebene Fahrzeuge ersetzt werden.

Dass die Elektrifizierung der Bahnstrecke zwischen Leinefelde und Gotha sowie der Bau der Ortsumfahrungen eng mitein­ander verbunden sind, daraus macht niemand einen Hehl. Die Feinplanungen der Trassen und die notwendig gewordenen Umplanungen der vier Brücken liegen nun in den Händen der Deges in Berlin, der Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH. „Zur baulichen Einpassung des Fahrdrahts für die Bahn müssen die lichten Höhen der Überführungsbauwerke über die Bahngleise von den ­ursprünglich planfestgestellten 4,90 Meter auf 5,70 Meter und einmal 6,20 Meter im Bahnhofsbereich angehoben werden“, erklärt Lutz Günther, Sprecher der Deges, auf Anfrage unserer Zeitung. „Des Weiteren müssen die Brücken mit ergänzenden Schutzvorkehrungen vor der kreuzenden Fahrleitung versehen werden.“ Und: „Die ­Planungen dafür haben 2018 mit Bekanntgabe der Einstufung der Elektrifizierung der Bahn­strecke in den vordringlichen Bedarf begonnen.“

Für das Brückenbauwerk im Bereich der Ortsumgehung Mühlhausen liege bereits seit Ende April 2019 Baurecht vor. Für die weiteren drei Bahn­brücken im Zuge der Ortsum­gehung Großengottern/Schönstedt laufe momentan das Verfahren zur Baurechtschaffung. „Seit dem 22. Juli liegen die Planfeststellungsunterlagen für die Dauer von einem Monat öffentlich aus“, so Günther. „Wir schaffen lediglich die Voraussetzung dafür, dass die Elektrifizierung der Bahnstrecke problemlos erfolgen kann. Wann die Bahn das Vorhaben umsetzen wird, ist uns nicht bekannt.“

Baustart für Kallmerode im nächsten Monat

Die Ortsumgehung Kallmerode wiederum ist von all diesen Plänen nicht betroffen, da sie an keiner einzigen Stelle die Bahnlinie quert oder berührt. „Der Baubeginn für Kallmerode im Norden wird nach derzeitigem Stand im September 2019 erfolgen“, bestätigt Lutz Günther einmal mehr. „Es ist geplant, diese Ortsumgehung im Jahr 2022 für den Verkehr freizugeben.“

Für die Ortsumfahrungen Mühlhausen/Höngeda und Großengottern/Schönstedt sowie für den Ausbau des Knotenpunktes der B 247 mit der L 1031 bei Bad Langensalza liefen bereits seit 2016 umfangreiche bauvorbereitende Arbeiten. „Neben zahlreichen archäologischen Grabungen werden etwa 140 Leitungen umverlegt. Sobald die bauvorbereitenden Arbeiten abgeschlossen sind, ­beginnt der Brücken- und Streckenbau in den benannten drei Abschnitten“, erklärt Günther. Diese Baumaßnahmen sollen im Jahr 2021 starten und werden voraussichtlich vier Jahre andauern.

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