Franziskaner berichtet auf dem Hülfensberg über Situation in Syrien

Hülfensberg.  Bruder Fadi freut sich über die Hilfe der Eichsfelder, der Franziskaner und der Gruppe Vivere.

Bruder Fadi, der in Syrien arbeitet, berichtet auf dem Hülfensberg über die Lage in dem Land und wie wichtig Hilfe ist.

Bruder Fadi, der in Syrien arbeitet, berichtet auf dem Hülfensberg über die Lage in dem Land und wie wichtig Hilfe ist.

Foto: Johannes Küpper

Einige Orte in Deutschland hat Bruder Fadi besucht, zu Gast war er auch auf dem Hülfensberg. Eingeladen von Bruder Petrus Schüler, Kommissar des Heiligen Landes von der deutschen Franziskanerprovinz, nutzte er die Gelegenheit, um von der Situation in Syrien zu berichten. Denn wer kann besser ein Land und die Not der Menschen darstellen als einer, der beides jeden Tag erlebt. Zurzeit, sagt Bruder Fadi, habe in Syrien die zweite „Kriegsphase“ begonnen. Es herrsche ökonomischer Krieg. Die Wirtschaft sei am Boden, den Menschen gehe es schlecht.

Die Probleme sind vielschichtig. „Das größte ist das Embargo der USA und der europäischen Staaten, der Aufbau im Land wird so massiv behindert. Am schwersten sind die Trump-Sanktionen“, sagt er. Da viele Konten eingefroren sind, ist die Handlungsfähigkeit von Rückkehrern und Geschäftsleuten eingeschränkt. In die so notwendige Gründung von Existenzen kann laut dem Franziskaner nicht investiert werden.

Schwer zu schaffen machen momentan auch die Waldbrände, die aufgrund der Hitze und der Winde kaum aufzuhalten sind und die den „Tourismus, die Landwirtschaft und Wirtschaft treffen“. Bruder Fadi ist sich sicher, dass sie absichtlich gelegt wurden.

Anstehen in langen Schlangen nach Brot und Mehl

In langen Schlangen – mitunter sind sie 300 Meter lang – stehen derweil die Menschen nach Mehl und Brot an. Und das in Zeiten der Corona-Pandemie. Abstand halten ist schwer, Masken sind rar. „Sogar zu Kriegszeiten war die Situation nicht so angespannt wie jetzt“, meint der Franziskaner, der mit Blick in die Zukunft davon ausgeht, dass es noch schlimmer wird.

Das Wichtigste ist seiner Ansicht nach, dass das Embargo und die Sanktionen aufgehoben werden. „Nur so kann es eine Entwicklung geben. Syrien ist an sich ein Land, das reich an Bodenschätzen ist. Doch von den mächtigen Ländern wird es ausgenutzt und vieler Dinge beraubt.“ Bruder Fadi appelliert an eine neue Bewusstseinsbildung und stellt klar: „Leidtragend ist das Volk, nicht die Regierung.“

Der gebürtige Jordanier und seine Mitstreiter setzen bei ihrer Hilfe auf kleine Projekte, auf solche, die direkt bei den Menschen ankommen und damit konkrete Unterstützung bieten. „Die Leute müssen wieder Boden unter die Füße bekommen.“ Dass dies im syrischen Alltag gerade nicht einfach ist, weiß er. Da fehlen zum Beispiel medizinische Produkte. Hier versuchen die Franziskaner mit ihren internationalen Beziehungen zu helfen. „Manches geht nur tröpfchenweise, das Embargo behindert uns“, sagt er.

Der Gast aus Syrien berichtet eindrucksvoll auf dem Hülfensberg von seinen Erlebnissen. Die dortigen Franziskaner und die Besucher des sonntäglichen Gottesdienstes hören ihm aufmerksam zu. Dass auch vom Berg des Gehülfen Hilfe ausgeht, freut Bruder Fadi sehr. Und er spricht auch über die drei Rehabilitationszentren, in denen jeweils rund 650 traumatisierte Kinder nach der Schule betreut werden. „Sport wird angeboten und Musik. Und es gibt ein kleines Freibad. Manches Kind hat ein solches schon acht Jahre lang nicht mehr nutzen können“, sagt er und weiß um die Dankbarkeit der Familien, denen auch diese Form der Unterstützung viel bedeutet.

Medikamente für eine schwerkranke, junge Frau

Doch die Hilfe geht noch viel weiter, zeigt sich zum Beispiel in den Lebensmittelpaketen, die unter anderem für die Menschen in Aleppo im Wert von rund 25 Euro gepackt werden. Schüler erhalten ihrerseits Bücher, Studenten bekommen Geld, damit sie sich mit Materialien ausstatten können. Gerade wird auch Heizöl an Familien verteilt. „Wir haben eine Energiekrise. Die USA verhindern, dass Öl ins Land kommt“, erklärt Bruder Fadi.

Er hat auch die Binnenflüchtlinge im Blick, denen geholfen werden muss. Um die Situation im Land zu stabilisieren, versuchen die Franziskaner vor Ort, Existenzen aufzubauen, sei es durch eine kleine Käserei oder Firmen in der Textilverarbeitung, wo Nähmaschinen gebraucht werden. Einzelne Handwerker bekommen außerdem Werkzeuge. „Die Menschen müssen im Land bleiben. Kleine Projekte bringen da große Erfolge. Auch die Franziskaner sind geblieben und werden bleiben, sonst haben viele keinen Schutz und keine Perspektive“, sagt Bruder Fadi.

Letztere hätte auch ein 26-Jähriger in Damaskus nicht gehabt, der dringend eine Nierentransplantation brauchte, oder die 19-Jährige, die an Multipler Sklerose erkrankt ist und ein Medikament nehmen muss, dass 2000 Euro im Monat kostet. Und ohne Hilfe hätte nicht zuletzt auch ein 24-jähriger Krebspatient die Kosten für eine Prothese nicht tragen können. Es gibt noch viele Beispiele mehr, die Syrern Mut gemacht haben.

3300 Euro für die Notleidenden in Aleppo gespendet

Bruder Fadi lässt ebenfalls nicht unerwähnt, dass auch die Eichsfelder und die franziskanische Gruppe Vivere mit der Aktion „Licht für Aleppo“ in den vergangenen vier Jahren schon einiges bewirkt haben. Mit dem Geld konnten Wohnungen und Häuser in der Stadt renoviert werden. Auch dieses Jahr wird die Gruppe wieder um Geldspenden bitten, und zwar vom ersten Advent bis zum Abschied von der Krippe, sagt Bruder Johannes vom Hülfensberg.

Gesammelt wurde aber auch schon am vergangenen Sonntag auf dem Berg bei einem Gottesdienst. Insgesamt sind bis jetzt 3300 Euro für die Notleidenden in Aleppo zusammengekommen, die direkt an Bruder Fadi übergeben wurden, so dass das Geld umgehend für laufende Projekte eingesetzt werden kann. Der hohe Betrag ergibt sich jedoch nicht nur aus der Kollekte, sondern auch aus größeren Einzelspenden, heißt es vom Hülfensberg.