Frauenfrühstück in Heiligenstadt: Für ein Klima der Freude und Leichtigkeit

Heiligenstadt.  Das Frauenfrühstück im Schönstattzentrum bringt Frauen aus dem ganzen Eichsfeld zusammen.

Beim Frauenfrühstück des Schönstattzentrums „Kleines Paradies" in Heiligenstadt tauschen sich die Gäste nach dem Impulsvortrag aus.

Beim Frauenfrühstück des Schönstattzentrums „Kleines Paradies" in Heiligenstadt tauschen sich die Gäste nach dem Impulsvortrag aus.

Foto: Johanna Braun

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Gut 30 Frauen sitzen an den kleinen Tischen und lauschen Schwester Alena Engelhardt, wie sie mit Zitaten unter anderen von Leonardo da Vinci oder Charles Dickens zum Thema Wetter auf die kommenden Stunden einstimmt. Gelächter und zustimmendes Nicken begleiten ihre Worte. Dem Wetter sei es egal, ob man darüber schimpft. Man solle mehr so sein wie das Wetter und nicht so viel darauf geben, was andere Leute sagen, ist zum Beispiel so ein Impuls, der bei den Frauen gut ankommt. Zum Frauenfrühstück des Schönstattzentrums „Kleines Paradies“ in Heiligenstadt sind am zweiten Tag 30 Damen gekommen. Am Dienstag waren es bereits 50.

Schwester Alena Engelhardt gehört den Schönstätter Marienschwestern an, die kein Orden, sondern ein Säkularinstitut innerhalb der katholischen Kirche sind. Eigentlich wohnt sie im Schönstattzentrum in Friedrichroda im Thüringer Wald, ist aber beruflich in ganz Deutschland unterwegs. Seit zehn Jahren kommt sie regelmäßig nach Heiligenstadt, und das gern, auch weil das Eichsfeld ihre Heimat ist.

Die Schönstattbewegung hat ihren Ursprung in Schönstatt, einem Stadtteil der Stadt Vallendar am Rhein. Das Ziel des Gründers Josef Kentenich war es, der Kirche und dem Glauben der Christen ein neues, modernes Gesicht zu geben. Als Spiritual eines Knaben-Internats erkannte er, dass die Kirche zu dieser Zeit aus vielen Formen, Regeln und Traditionen bestand, aber im Leben der Menschen oft nur eine lästige Pflicht war. Schönstattzentren gibt es auf der ganzen Welt.

Das Frühstück in Heiligenstadt veranstaltet die Schönstattbewegung „Frauen und Mütter“. Eingeladen wird zum Innehalten. Dem Wichtigen im Leben auf die Spur kommen, Impulse aufnehmen, die das Frausein bestärken und inspirieren. Nach den einführenden Worten, die Schwester Alena stets mit einem warmen Lächeln unterstreicht, soll Lobpreis gesungen werden. Der Kanon schwebt wohlklingend durch den Raum. Dann lädt sie alle Anwesenden ein, sich am Frühstücksbuffet zu bedienen. Am Tisch kommt man ins Gespräch. Dort sitzen Frauen aus dem Eichsfeld, aber auch von weiter her. Sie kennen sich gut und manchmal auch gar nicht. Es geht um Reisen an Pilgerorte, um den Glauben im Allgemeinen, aber auch um ganz alltägliche Dinge.

Ein Film und viele Zitate

Dann zeigt Schwester Alena den Animationsfilm „Alike“ aus Spanien. In sieben Minuten wird ohne ein gesprochenes Wort gezeigt, was passiert, wenn Kreativität erstickt wird, wenn einfaches Funktionieren im Beruf und im Leben zu viel Energie kostet und keinen Raum für Freiheit und Freude lässt. Am Ende wird alles gut. Die Protagonisten, Vater und Sohn, stehen in einer grauen Stadt auf einer farbigen Insel und sind selbst auch nicht mehr trist, sondern farbenfroh und glücklich.

Diese Insel beschreibt Schwester Alena als Auftankort für die Seele und fragt in die Runde: Was ist Ihre grüne Insel im Alltag? Auch ruft sie dazu auf, für andere eine solche Insel zu sein, ihnen Positivität und Kreativität zu schenken mit dem inneren Klima von Freude und Leichtigkeit. So heißt nämlich auch das Thema des Vormittages. Die grüne Insel in jedem Einzelnen könne auch das Vertrauen auf Gott sein.

Immer wieder nutzt Schwester Alena in ihren Ausführungen Zitate. Zum Beispiel von Corrie ten Boom, einer niederländischen Christin und Judenretterin: „Sorgen nehmen dem Morgen nicht sein Leid, sondern dem Heute die Kraft.“ Oder vom französischen Philosophen Luc de Clapiers Vauvenargues: „Die höchste Vollkommenheit der Seele ist ihre Fähigkeit zur Freude.“ Um die Zitate webt sie ihre Gedanken, gute Worte und Ratschläge. Sie bezieht ihre Zuhörer mit ein, fragt konkret nach Erfahrungen der Anwesenden oder bittet darum, sich am Tisch auszutauschen. Immer wieder spielt die grüne Insel eine Rolle, indem sie als kleine Freunden im Alltag gepflegt wird, indem sie positives für das Lebensumfeld tut.

Es geht hauptsächlich um Lebensfragen

All das fließe zusammen in das Klima Maria, denn die Schönstätter Marienschwestern wollen Maria heute sein: wachsam, entschieden, herzlich, sich hingebend, verstehend. Stark in der Liebe und im Leid sein, ein Klima der Freude und Leichtigkeit verströmen. Es folgt eine Meditation am Ende der Veranstaltung; es werden Texte gelesen, es wird gesungen.

Angefangen hatten diese Zusammenkünfte ganz klein, weiß Waltraud Brodmann aus Heiligenstadt. Das war 2007. Seitdem kommen immer mehr Frauen. „Das Frauenfrühstück baut mich immer auf und gibt mir Kraft. Man nimmt immer etwas mit, und die Themen gehen einem ganz nah“, sagt sie. Auch ihre Tischnachbarn kommen, so oft sie können. „Und man bedauert es schon, wenn man es mal nicht schafft.“

Eingeladen sind alle Interessierten, macht Schwester Alena klar. „Wir laden Frauen ein, die offen sind für die Welt des Glaubens. Da geht es nicht um Konfession. Vom Grundgedanken her sind die Veranstaltungen zwar religiös, aber im Grunde geht es um viele Lebensfragen, die jeden betreffen. Und wenn gebetet wird, ist niemand gezwungen, mitzumachen.“

Das nächste Frauenfrühstück findet am 5. sowie am 6. Mai, jeweils von 9 bis 11.45 Uhr im Schönstattzentrum statt. Anmeldungen telefonisch unter 03606/619790.

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