Freundschaft verbindet Wahlhausen und Bad Sooden-Allendorf

Wahlhausen.  Ein Dorf im Eichsfeld und eine hessische Stadt feiern das Jubiläum der Grenzöffnung, die sie wieder zusammenbrachte.

Wahlhäuser und Bad Sooden-Allendorfer feiern die Grenzöffnung vor 30 Jahren. Ortschronist Horst Zbierski zeigt eine Bilderschau.

Wahlhäuser und Bad Sooden-Allendorfer feiern die Grenzöffnung vor 30 Jahren. Ortschronist Horst Zbierski zeigt eine Bilderschau.

Foto: Stefan Stadolka

Ein enges Miteinander gab es seit Jahrhunderten zwischen dem kleinen thüringischen Dorf Wahlhausen und der nahen hessischen Kleinstadt Bad Sooden-Allendorf. Dann wurde die Grenze errichtet. „Die Menschen beider Orte empfanden die Grenzziehung im Jahr 1952 als besonders schmerzhaft. So bedeutete der 18. November 1989 – als sich endlich der Zaun auf der Verbindungsstraße wieder öffnete – eine riesige Befreiung“, berichtet Ortschronist Horst Zbierski. In den folgenden Monaten seien dann mit großer Begeisterung alte Beziehungen wieder belebt und neue Verbindungen geknüpft worden. „Ob auf dem Gebiet des Brandschutzes mit einer engen Zusammenarbeit der beiden Feuerwehren, von der beide bis heute profitieren, oder von den Jugendlichen von Wahlhausen, welche die vielfältigen sportlichen Möglichkeiten in der Kurstadt nutzten“, erzählt Horst Zbierski, der viele Beispiele des Miteinanders benennen kann. Und auch ein Freundeskreis sei ins Leben gerufen worden, der beiden Kommunen viele gemeinsame Veranstaltungen bescherte, so zum Fasching, aber auch Wanderungen und vieles mehr.

„Hinter der Kirche am Werra-Ufer in Wahlhausen schaffte man genau an der Stelle des ehemaligen Grenzzaunes am ersten Jahrestag der Grenzöffnung einen Gedächtnisplatz, die ‘Stätte der Begegnung’ mit Gedenkstein und neu gepflanztem Lindenbaum“, blickt Horst Zbierski zurück. Dort träfen sich nun jedes Jahr am 18. November viele Einwohner aus Wahlhausen und Bad Sooden-Allendorf und würden gemeinsam der historischen Ereignisse dieser Zeit und der danach folgenden positiven Entwicklung gedenken.

Immer, wenn runde Jubiläen der Grenzöffnung anstanden, wie das Zehn-, 20- oder 25-jährige, wurden die in einem größerem Rahmen begangen. So auch in diesem Jahr, als sich der Fall des trennenden Zaunes zum 30. Mal jährte. „An der Stelle der Verbindungsstraße zwischen beiden Orten, wo so lange ein Zaun die Nachbarn trennte, trafen sich am Montagabend rund 200 Menschen. Bei kurzen Ansprachen der beiden Bürgermeister Frank Hix (Bad Sooden-Allendorf) und Thomas Gallinger (Wahlhausen) sowie bei einem Glühwein wurde an die Ereignisse von 1989 erinnert“, erzählt Horst Zbierski. Die beiden Feuerwehren sorgten mit mehreren offenen Feuerstellen und der Ausleuchtung für die Rahmenbedingungen.

Ein besonderer Höhepunkt war laut Zbierski der Auftritt der Höheberg-Musikanten, die nicht mehr regelmäßig aktiv seien, sich aber für diese Veranstaltung in fast gleicher Besetzung wieder zusammen gefunden hätten.

Danach zogen alle mit einem Fackelzug zum Wahlhäuser Gemeindesaal. „Die vorbereiteten Plätze reichten bei weitem nicht aus“, sagt Horst Zbierski. Er, der Zeitzeuge und Wahlhäuser Ortschronist, präsentierte eine bewegende Bilderschau. „Mit viel Interesse konnten die Zuschauer nochmals in die Zeit geschlossener Grenzen in einem Dorf des ehemaligen Schutzstreifens und in das Leben der Bewohner im ständigen Ausnahmezustand eintauchen“, berichtet der Wahlhäuser. Er zeigte Fotos, die er mitunter auch unter ganz gefährlichen Umständen gemacht hatte, wie den Abriss der LPG oder von Grenzanlagen. Aufnahmen von letzteren zu erstellen, war strengstens verboten. Daher verwahrte er diese auch bis nach der Wende nicht in Wahlhausen, sondern in einem anderen Ort auf. Doch den größten Raum der Präsentation nahmen natürlich Bilder von der Grenzöffnung am 18. November ein.

Zum Abschluss der Veranstaltung zeigte der Ortschronist in einer Gegenüberstellung von Motiven damals und heute, das, was sich Ort inzwischen verändert und entwickelt hat. „Man konnte sehen, dass sich für Wahlhausen das geflügelte Wort von Kanzler Helmut Kohl von den ‘blühenden Landschaften im Osten’ bewahrheitet hat“, sagt Horst Zbierski, der für seine Präsentation viel Lob bekam.

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