Heiligenstädter Forstamt steht zu seiner Stadtwald-Bewirtschaftung

Heiligenstadt  Amtsleiter Achim Otto äußert sich zu einem offenen Brief eines SPD-Stadtrates zum Forstwirtschaftsplan.

Mit dem World Wildlife Fund Deutschland hat die Stadt Heiligenstadt vor wenigen Wochen eine Lücke im Urwaldpfadnetz geschlossen und einen Familienrundwanderweg im Stadtwald angelegt. Franz-Josef Strathausen war dabei. 

Mit dem World Wildlife Fund Deutschland hat die Stadt Heiligenstadt vor wenigen Wochen eine Lücke im Urwaldpfadnetz geschlossen und einen Familienrundwanderweg im Stadtwald angelegt. Franz-Josef Strathausen war dabei. 

Foto: E. Jüngel

Nachdem der Heiligenstädter SPD-Stadtrat Franz-Josef Strathausen in einem offenen Brief an die Stadt und die anderen Stadträte seine Sorge um die Zukunft des Heiligenstädter Stadtwald mit der Verabschiedung des neuen Forstwirtschaftsplanes geäußert hat, reagiert das Forstamt Heiligenstadt mit einer Stellungnahme. Zunächst, so schreibt Forstamtsleiter Achim Otto, bedanke er sich bei Strathausen für die Würdigung der Arbeit des Forstamtes und der zuständigen Förster, ja Förstergenerationen. „Die Bewirtschaftung des Waldes richtete sich in allen Epochen immer nach den Bedürfnissen der Menschen“, betont Otto. Er erinnert an Wiederbewaldung kahler Flächen rund um die Stadt und den Anbau schnell wachsender Baumarten seit 1918. Aus dieser Zeit nach 1918 stammen laut Otto zum Beispiel auch die Fichten, die im vergangenen und in diesem Jahr der Trockenheit und den Borkenkäfern zum Opfer fielen.

Bei der Forsteinrichtung im Stadtwald Heiligenstadt sei als erste Prämisse der ,,Wirtschaftswald unter Berücksichtigung der naturschutzrechtlichen Belange und der Erholungsfunktion“ festgelegt. „Das Ziel der Waldbewirtschaftung ist der Aufbau und die Pflege eines standortsgemäßen, gesunden und leistungsfähigen Waldes, der die Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen in optimaler Weise erfüllt“, zitiert Otto aus dem entsprechenden Protokoll und dem Thüringer Waldgesetz. Der Wirtschafter habe die hierfür notwendigen Maßnahmen nach anerkannten forstlichen Grundsätzen nachhaltig, pfleglich, planmäßig und sachkundig durchzuführen und die Belange der Umweltvorsorge zu berücksichtigen. „Weitere Aspekte wie aktiven Waldumbau, Förderung seltener Baumarten (Eibe) etc. wurden vorgegeben. Nicht vorgegeben wurde die Erwirtschaftung von Überschüssen aus dem Wald. Dennoch ist es gelungen, diese je nach Holzmarktlage zwischen 30.000 und 80.000 Euro pro Jahr zu erwirtschaften“, so der Forstamtsleiter.

Ein solches Ergebnis aber dürfte für 2019 und 2020 schwierig werden, sagt er, es sei aber dennoch Ziel in den Jahresplänen. „Ich widerspreche auch Herrn Strathausen in seiner Prognose und glaube, dass in Jahren ohne Schadensereignisse und bei der jetzigen Bewirtschaftungsform durchaus ein positives Betriebsergebnis zu erwarten ist.“ Und: „Sollte sich eine forstliche Bewirtschaftung in der kommenden Forsteinrichtungsperiode 2022 bis 2032 eher an Stilllegung oder Urwald ohne Holznutzung im Stadtwald orientieren, wäre das nicht möglich“, sagt er klipp und klar. „Ich bitte deshalb die Stadträte inständig, dass, was als Vorgaben des Waldbesitzers 2021 für die kommende 10-jährige Forsteinrichtungsperiode gefordert wird, auch wirklich und immer bis zu Ende zu denken.“

Auch beim Klimaschutz widerspricht Otto Franz-Josef Strathausen ausdrücklich: „Wirtschaftwald und aktiver Klimaschutz gehen sehr wohl zusammen. Wirtschaftswald und das durch den Menschen genutzte Holz binden weitaus mehr Kohlendioxid, indem es zum Beispiel als Bauholz über mehrere Jahrzehnte genutzt wird.“ lm Urwald ,,entlasse“ das Holz nach einer kurzen Zerfallsphase das Kohlendioxid wieder in die Atmosphäre, erklärt Otto. „lm Wirtschaftswald gibt es erwiesenermaßen deutlich mehr Arten von Tieren und Pflanzen als im Urwald, was ja auch durch den Wechsel von Licht und Schatten bei Holzeinschlägen leicht erklärbar ist. Die von Herrn Strathausen beschworene kommunale Ebene mit Bezug auf die Klimakatastrophe stellt einem modernem Trend folgend den Begriff ,Wirtschaftswald‘ in ein schlechtes Licht.“

Reiner Nutzungsverzicht bedeute nach Meinung des Forstamtsleiters aber immer auch, dass der Rohstoff Holz aus anderen Ländern oder Erdteilen herbeigeschafft werde. „Aus Ländern etwa, in denen es kein gesetzlich verankertes Nachhaltigkeitsgebot in der Waldbewirt-schaftung gibt, kein Kahl-schlagsverbot mit Fristen für die Wiederaufforstung, geschweige denn eine Zertifizierung.“ Das käme dem Floriansprinzip gleich: Lass mein Haus stehen, steck andere an.

Achim Otto hat einen anderen Vorschlag: Eine verankerte naturnahe Waldwirtschaft mit gleichrangiger Nutz-, Schutz-und Erholungsfunktion des Waldes. „Wenn Herr Strathausen diese Form der Bewirtschaftung schnellstmöglich einstellen will, würde ich um die forstfachlichen Kriterien bitten, an denen er derzeit im Umkehrschluss ,naturferne‘ Bewirtschaftung festmacht.“ Mit einer Ausstattung von über 80 Prozent Laubholz mit Naturverjüngung beziehungsweise Voranbau könnte jeder Waldbesitzer mehr als zufrieden sei. Bereits jetzt seien rund 200 Hektar, rund 10 Prozent des Stadtwaldes, aus eigener Initiative aus der Nutzung genommen. „Gegenüber der Forderung der Landes- und Bundesregierung von 5 Prozent ist der Stadtwald damit Vorreiter nicht nur im Eichsfeld.“ Auf rund 300 Hektar stadtnahem Wald entlang des Philosophenweges und des Arbeitsdienstweges habe die Erholungsfunktion die oberste Priorität. Das heißt, dass es außer im Katastrophenfall dort keinen Einsatz von Harvestern gebe. Es gebe den ,,Urwaldpfad“, der die wichtige Funktion der Begehbarkeit und damit der Erlebbarkeit des Waldes sicherstelle, die man in einem reinen Urwald in Frage stellen müsse.

Franz-Josef Strathausen hatte sich in seinem offenen Brief an die Stadträte gewandt, das Forstamt über diesen Brief informiert.

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