Heute ein König?

Markus Hampel ist Pfarrer in Worbis.

Markus Hampel

Markus Hampel

Foto: Markus Hampel

Könige gibt es viele auf dieser Welt. Nicht erst, seit Rio Reiser sich zu einem solchen aufschwingen wollte und eine Biermarke mit dem Slogan warb: „Heute ein König!“

Als König werden einige geboren, andere werden dazu gemacht, wieder andere bilden sich ein, ein solcher zu sein. Und dann gibt es auch noch die unzähligen Großen und Kleinen, die sich aufführen, als wären sie ein König. Sie haben Untertanen, sie kommandieren herum, nehmen für sich selbst bestimmte Rechte in Anspruch. Zum Beispiel das Recht auf Wahrheit. So machen sich einige ihre Welt, wie sie ihnen gefällt, wie auch schon die schwedische Schriftstellerin Astrid Lindgren feststellte. Ihre „Herrschaftsgebiete“ sind meist überschaubar. Ihr Einfluss häufig lokal beschränkt.

Warum tun Menschen das? Warum schwingen sich einige zu Königen auf und meinen, über anderen stehen zu müssen? Aus Machtbesessenheit? Aus Aggressivität? Weil man sie lässt? Aus Minderwertigkeitsgefühlen oder einer tiefen Kränkung? Ich weiß es nicht!

Die katholischen Christen feiern an diesem Sonntag einen anderen König. Ein völliges Gegenstück zu dem, was all die selbst ernannten und -gefälligen Herrscher dieser Welt tun. Wir feiern einen König, der ohne Privilegien herkommt, ja, der sich für nichts zu schade ist, der keine Untertanen braucht und dessen Macht nicht von dieser Welt ist. Er übt den niedrigsten aller Dienste aus und wäscht seinen Jüngern die Füße.

Er weist jeden aufkeimenden Machtanspruch zurück: „Bei euch soll es nicht so sein!“

Er setzt Maßstäbe, an denen wir uns messen müssen und doch immer wieder scheitern. Dieser König herrscht nicht, er fordert mich heraus. Er nimmt mich mit meinem Tun und Denken ernst. Sein Thron ist das Kreuz. Zu ihm will ich aufschauen. Ihm mich anvertrauen. Ja, auch ihm untertan sein. Welchem König laufen Sie nach?

Einen nachdenklichen Sonntag wünsche ich Ihnen!