„Intoleranz kann nicht mit Toleranz begegnet werden“

Heiligenstadt.  Gesprächsforum zum Thema „Demokratie leben“: Haltung zeigen, sei ein Lernprozess

Romy Arnold (Mitte) von der Mobit Erfurt war Gast beim Gesprächsforum in der Heiligenstädter Ko-ra-le.

Romy Arnold (Mitte) von der Mobit Erfurt war Gast beim Gesprächsforum in der Heiligenstädter Ko-ra-le.

Foto: Karola Klingebiel

Es herrschte gespannte Ruhe in der Ko-ra-le. Die Teilnehmenden nahmen mit Corona-Abstand Platz. Ein Experiment, das die Gruppe um das Gesprächsforum zum ersten Mal testet. Wer keinen Platz mehr bekam, konnte live per Internet teilnehmen. „Viele nutzen die Gelegenheit, denn sie konnten ihre Fragen zum Thema ,Haltung zeigen – für Zivilcourage, Toleranz und Respekt’ live stellen“, sagt Karola Klingebiel, Leiterin der Ko-ra-le. Romy Arnold vom mobilen Beratungsdienst gegen Rechtsextremismus in Erfurt hielt ein Impulsreferat. Haltung zeigen sei sehr persönlich und stehe im Spannungsfeld zwischen Neutralität und demokratischer Praxis. Neutralität beziehe sich auf den Gleichheitsgrundsatz in der Verfassung Artikel 1 und 3 und die Menschenrechte der Vereinten Nationen, Artikel 1. „Mit der Instrumentalisierung des Neutralitätsbegriffes nehmen extreme rechte Gruppierungen unter Berufung auf Meinungsfreiheit und Toleranz das Recht in Anspruch, alles sagen zu dürfen und inszenieren sich als Opfer angeblicher Meinungsdiktatur“, so Arnold. Dadurch vermittelten sie das Bild einer Volksmeinung, die sie vertreten, und die andere Meinungen nicht mehr zulasse. „Neutral sein heißt, nicht wertneutral sein. Der Staat muss sich an Menschenrechten, der demokratischen Grundordnung und der Menschenwürde orientieren und handeln.“ Eine eigene Haltung gegen rechtes Gedankengut zur erarbeiten, sei für jeden ein Lernprozess. „Der Staat und jeder Bürger muss sich die Frage stellen, was ist verhandelbar und was nicht. Widerspruch gehört zu einer demokratischen Debatte dazu.“

Den Widerspruch auszuhalten, aufzustehen, Gegenfragen zu formulieren und Kommunikationstechniken anzuwenden, das waren Eckpunkte des Abends. Demokratie sei die Stärke einer Gesellschaft, aber auch sehr zerbrechlich. „Wenn wir uns nicht einbringen und nicht wehrhaft werden in unserem Anspruch für die Menschenwürde, dann wird Demokratie fade und kraftlos“, so das Fazit. Viele Fragen und Standpunkte wurden vor Ort und online ausgetauscht, aber auch über gelungene Integrationsprojekte berichtet.