„Jede Abmeldung ist eine zu viel“

Eichsfeld  Interview der Woche: Jürgen Kohl bezieht als Spielausschuss-Vorsitzender des Fußballkreises Eichsfeld/Unstrut-Hainich Stellung zu aktuellen brisanten Themen

Jürgen Kohl, Spielausschuss-Vorsitzender des Fußballkreises Eichsfeld/Unstrut-Hainich.

Jürgen Kohl, Spielausschuss-Vorsitzender des Fußballkreises Eichsfeld/Unstrut-Hainich.

Foto: SCHAEFER

Am kommenden Wochenende starten auch die Kreisoberliga sowie die Kreisliga in die neue Saison. Im Interview der Woche bezieht Jürgen Kohl, Spielausschuss-Vorsitzender des Fußballkreises Eichsfeld/Unstrut-Hainich, Stellung zu aktuellen wichtigen Themen.

Sie sprachen im vergangenen Jahr davon, dass der Fußball in der Krise sei und bedauerten den Rückgang von Mannschaften im Spielbetrieb. Wie ist die aktuelle Situation?

In der Saison 2019/20 nehmen 110 Teams der Fußball-Region Eichsfeld-Unstrut-Hainich von der Verbandsliga bis zur 2. Kreisklasse teil. Die Tendenz der Mannschaftsmeldungen ist weiterhin rückläufig. Im Vergleich zum Ende der letzten Saison hat der Fußball-Großkreis sechs Mannschaften weniger im Spielbetrieb.

In der Eichsfelder Kreisliga treten nur zwölf Teams an. Ist das nicht zu wenig?

Auf den ersten Blick ist das sicher richtig. Gleichwohl gilt es, bei der Spielplanung, die Wünsche der Vereine zu berücksichtigen, wobei insbesondere der Oktober ein Monat ist, in dem aufgrund von Kirmesfeierlichkeiten kaum vollständige Spieltage möglich sind. Bei weniger Mannschaften ist der Puffer für Spielverlegungen größer. Die Vereinsvertreter haben diese Entscheidung einstimmig begrüßt.

Gab es Abmeldungen, die Sie besonders bedauert haben?

Jede Abmeldung ist eine zu viel. Aber wenn ich ehrlich bin, hat es mich schon nachdenklich gemacht, dass bei den Traditionsvereinen SSV Schlotheim und TSV Breitenworbis kein eigenständiger Spielbetrieb mehr möglich ist. Beide Vereine spielten zu Beginn der 80-er Jahre immerhin in der Bezirksliga Erfurt, der dritthöchsten Spielklasse der ehemaligen DDR. Ebenfalls bedauert habe ich die Tatsache, dass der SV Eintracht Wendehausen keine Mannschaft mehr stellen konnte. Daher spielt die Kreisliga Unstrut-Hainich nur noch mit 13 Mannschaften. Dennoch, es gibt auch positive Entwicklungen: Der Mühlhäuser Sportverein nimmt erstmals am Spielbetrieb teil und startet in der 2. Kreisklasse.

Um die Aufrechterhaltung des Spielbetriebes zu gewährleisten, ist es bisher zwei Vereinen möglich, eine Spielgemeinschaft (SG) zu bilden. Auf dem Verbandstag im nächsten Jahr soll ein Antrag auf Satzungsänderung eingebracht werden, der vorsieht, dass einer SG künftig bis zu drei Vereine angehören können...

Ich persönlich sehe das kritisch. Eine Spielgemeinschaft aus drei Vereinen mag zwar kurzfristig Erfolg versprechen, aber langfristig sehe ich für die betreffenden Vereine mehr Nachteile als Vorteile. Mit jeder Bildung einer Spielgemeinschaft geht ein Stück Identität verloren. Aus der Identität heraus entwickeln sich Emotionen und Leidenschaft, die für den Fußball – sofern sie positiv unterlegt sind – so wertvoll sind wie das Salz in der Suppe.

Was würde eine solche Satzungsänderung für die Spielklassenstruktur bedeuten?

Langfristig werden sich circa zehn Zentren bilden, die über mehrere Teams verfügen. Eine Spielklasseneinteilung ergibt sich dann von selbst, da laut Spielordnung, abgesehen von der untersten Klasse, nicht mehrere Teams eines Vereins in einer Spielklasse spielen dürfen. Im Nachwuchsbereich haben wir diese Situation schon heute.

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