Mehr krankheitsbedingte Fehltage im Eichsfeld

Eichsfeld  Barmer-Regionalchef zieht Bilanz. Thüringer arbeiten jedes Jahr 75 Stunden mehr als Beschäftigte in alten Ländern.

Holger Burchardt, Regionalgeschäftsführer der Barmer in Leinefelde.

Holger Burchardt, Regionalgeschäftsführer der Barmer in Leinefelde.

Foto: Eckhard Jüngel

Mit krankheitsbedingten Fehltagen von Beschäftigten im Landkreis hat sich Holger Burchardt, Regionalgeschäftsführer der Krankenkasse Barmer beschäftigt. Laut ihm gibt es einen Anstieg, und vor allem kämpften die Frauen und Männer mit Rückenproblemen. Wie aus der Analyse hervorgeht, waren Eichsfelder Arbeitnehmer vergangenes Jahr im Schnitt 21,6 Tage krankgeschrieben. „Gegenüber dem Jahr 2017 ist die Zahl der krankheitsbedingten Fehltage somit durchschnittlich um einen halben Tag angestiegen“, so Burchardt. Dennoch liege das Eichsfeld unter dem Thüringer Durchschnitt von 22,3 Tagen.

„Insbesondere Rückenprobleme, seelische Leiden und Atemwegserkrankungen sind die Hauptursachen für die hohe Anzahl an Krankheitstagen“, sagt der Regionalgeschäftsführer, der sich auf Auswertungen im Barmer-Gesundheitsreport 2019 bezieht. Demnach ist die Zahl der Fehltage wegen Rückenleiden konstant hoch geblieben. „Im Schnitt 4,9 Tage waren Arbeitnehmer aus dem Eichsfeld deshalb krankgeschrieben“, sagt er.

Bei den Atemwegserkrankungen stieg die Anzahl der durchschnittlichen Fehltage von 3,1 auf 3,4 Tage an. Und: „Erfreulicherweise haben wir aber bei den seelischen Leiden einen Rückgang verzeichnet“, weiß Holger Burchardt. Mit 3,4 Fehltagen liege das Eichsfeld sowohl unterhalb des Thüringer Durchschnitts von 3,7 Tagen als auch unterhalb des bundesweiten von 3,5 Tagen.

„Beim Blick auf die bundesweiten Zahlen und über alle Diagnosen hinweg zeigt sich jedoch, dass die Menschen im Eichsfeld, wie alle Menschen in Thüringen, häufiger krankgeschrieben sind als der Rest der Republik“, macht Burchardt klar. Deutsche Arbeitnehmer wären voriges Jahr lediglich durchschnittlich 18,3 Tage krank gewesen.

Im bundesweiten Vergleich aller Landkreise rangiere das Eichsfeld mit seinen durchschnittlich 21,6 Tagen gar auf Platz 68 von über 400. Den ersten Platz inne und damit die meisten Krankheitstage hat der Kreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt. Dort waren die Menschen 2018 im Schnitt 25 Tage krankgeschrieben. Die wenigsten Krankheitstage, nämlich nur 12,6, wurden im bayerischen Lindau am Bodensee verzeichnet.

Burchardt zufolge müssen die Zahlen allerdings im Kontext betrachtet werden, damit kein falscher Eindruck erweckt wird. „Auch 30 Jahre nach der Wende gibt es deutliche Unterschiede zwischen Ost und West, wie Zahlen der statistischen Landesämter belegen. Demnach arbeiteten die Menschen in Thüringen je Arbeitnehmer jährlich 75 Stunden länger als jene in den alten Bundesländern.“ Gute zwei Arbeitswochen mehr also. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 40 Stunden bewältigten in den neuen Bundesländern rund 40 Prozent der Arbeitnehmer. In den alten Bundesländern würden lediglich rund acht Prozent der Beschäftigten so lange arbeiten, was Auswertungen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung von 2017 zeigten.

Demgegenüber, so Burchardt, stehe, dass das jährliche Bruttogehalt in Thüringen rund 5.600 Euro unter dem bundesweiten Durchschnitt liegt. Als weitere Erklärung, meint er, liege nahe, dass in der Region kaum große Konzerne ansässig seien. „Dort und in öffentlichen Verwaltungen ist es üblich, dass Krankmeldungen erst ab dem dritten Fehltag eingereicht werden müssen“, gibt der Regionalgeschäftsführer zu verstehen. All das und der demografische Wandel verschärfen seiner Ansicht nach den Mangel und den Wettbewerb um Fachkräfte. Er und sein Team setzen auf die Unterstützung kleiner und mittelständischer Unternehmen. „Gesunde, leistungsfähige und motivierte Mitarbeiter sind die Basis für wirtschaftlichen Erfolg. Die Unternehmen brauchen gesunde Mitarbeiter, und das Problem fehlender Fachkräfte darf nicht durch krankheitsbedingten Ausfall noch verstärkt werden“, meint er und verweist auf Maßnahmen zur Stressprävention und Stärkung der psychischen Gesundheit. (sma)

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