Mutiger Schritt in unsicheren Zeiten

Leinefelde.  Julaphan Nitz hat sich mit einem Schnellrestaurant in Leinefelde einen Traum erfüllt und wird dafür zur Pendlerin.

Julaphan Nitz eröffnet trotz Corona-Krise in Leinefelde ein Thai-Bistro.

Julaphan Nitz eröffnet trotz Corona-Krise in Leinefelde ein Thai-Bistro.

Foto: Eckhard Jüngel

Julaphan Nitz lässt den Blick durch ihr neues Bistro schweifen. Was sie sieht, macht sie schon ein bisschen stolz. Es ist allerdings nicht nur die Einrichtung, die der Jungunternehmerin gefällt, sie freut sich auch über den eigenen Mut. In Corona-Zeiten und noch dazu während eines Teillockdowns ein Schnellrestaurant zu eröffnen, das ist schließlich keine einfache Sache.

„Doch wenn ich jetzt nicht eröffne, wann dann? Es gibt doch immer irgendein Problem, und man lebt nur einmal“, sagt die 39-Jährige und lacht. Die gelernte Köchin hat sich mit ihrem Thai-Bistro in der Leinefelder Bahnhofspassage einen Traum erfüllt. Da fällt es ihr auch nicht schwer, jeden Tag von Nordhausen ins Eichsfeld zu pendeln. „Ich habe mich überall nach geeigneten Räumlichkeiten umgesehen, auch in Braunlage und Erfurt. Doch fündig geworden bin ich erst in Leinefelde“, erzählt sie. Das hört Helga Jordan-Grompe gern. Sie ist ihre Vermieterin und hat 20 Jahre lang, dort, wo jetzt das Bistro ansässig ist, ein Café betrieben. „Es ist schön, dass dort wieder Gastronomie ansässig ist, gekocht wird“, sagt sie. Und dass es keinen Leerstand an dem alten Handelsstandort im Zentrum von Leinefelde, unweit des Bahnhofes und Busbahnhofes gibt, freut Helga Jordan-Grompe.

Ein Traumberuf, der Selbstbewusstsein gibt

Julaphan Nitz ist derweil sehr gespannt, wie ihr Bistro von den Gästen angenommen wird. Viel Kontakt wird sie erst einmal nicht zu diesen haben, denn das, was an Gerichten zubereitet wird, muss aufgrund der derzeit geltenden Pandemieregeln außer Haus verkauft und kann nicht vor Ort verzehrt werden. „Aber das ändert sich“, sagt die Wahl-Leinefelderin und ist optimistisch.

Vor 17 Jahren kam die gebürtige Thailänderin, die mittlerweile Mutter zweier Kinder ist, nach Deutschland. Zuerst absolvierte sie einen Sprachkurs, dann eine Ausbildung. „Wenn man hier leben will, ist das Erlernen der Sprache ganz wichtig. Man muss kommunizieren. Und das, was ich bislang erreicht habe, ist mir nur gelungen, weil ich deutsch spreche und einen Beruf erlernt habe“, meint die Frau, der man den Kampfgeist anmerkt.

Gastronomie, genau gesagt die Küche, hat Julaphan Nitz schon immer interessiert. Köchin wollte sie unbedingt werden, und sie wurde es. „Es ist mein Traumberuf“, erklärt sie unumwunden. Diesen Satz in Verbindung mit Koch oder Köchin hört man heute eher selten. Viel Arbeit und dann noch mal richtig ran müssen, wenn andere Feierabend haben oder in Wochenendstimmung sind, das macht der 39-Jährigen nichts aus, wie sie sagt. „Ich bin glücklich mit dem, was ich tue. Es ist mein Beruf, er gibt mir Selbstbewusstsein und macht mich stolz.“

Führen wird Julaphan Nitz ihr Schnellrestaurant erst einmal allein. Zuständig ist sie für alles, von der Organisation über den Einkauf, das Kochen bis hin zum Verkauf oder dem Servieren. Welche Herausforderungen sie erwarten, das konnte sie sich vorstellen, blauäugig stürzte sie sich nicht in das neue Abenteuer in ihrem Leben. Während die Junggastronomin erzählt, wandert ihr Blick durch den Raum, den sie nach eigenen Ideen gestaltet hat. Hängen bleibt er über den Tresen, viele Bilder mit unterschiedlichsten Gerichten hängen dort. „Das habe ich alles schon mal gekocht“, sagt sie. Jetzt wollte sie eigentlich noch die Qualifizierung zum Küchenmeister machen, doch wegen der Eröffnung hat sie den Plan erst einmal auf Eis gelegt.

Was den kulinarischen Schwerpunkt angeht, so liegt der im Bistro auf der thailändischen Küche. Doch ganz so scharf gewürzt, wie das Essen in der Heimat, wird das für die Gäste nicht auf den Teller kommen. Julaphan Nitz selbst mag am liebsten Papaya-Salat, einen mit Früchten, die noch hart und grün sind und die geraspelt werden. Das Wichtigste aber ist, das an den ganz viel Chili kommt und der kräftig gewürzt ist.

Entscheidung erfolgt mit Gefühlschaos

Biss und Durchsetzungsvermögen hat die Frau, die nun ihr eigener Chef in allen Belangen ist. Selbstbestimmt zu arbeiten, das hat sie sich schon lange gewünscht. „Ich arbeite schon sehr lange in der Gastronomie, habe als Spülkraft angefangen und viel erlebt. Es gab gute und schlechte Arbeitgeber, ebenso war es mit Kollegen. Oft war ich unzufrieden mit der Situation und fühlte mich manchmal schlecht behandelt. Nun kann ich selbst bestimmen“, sagt sie und freut sich auf die Zukunft, wohl wissend, dass es nicht immer leicht sein wird, wenn man allein die ganze Verantwortung trägt – auch für Gewinn und Kosten. Trotz des Zieles, sich den Traum von der Selbstständigkeit unbedingt erfüllen zu wollen, macht Julaphan Nitz keinen Hehl daraus, dass es bei der Entscheidung ein Auf und Ab der Gefühle gab. Zeit zum Plaudern ist dann nicht mehr. Es geht in die Küche, um Vorbereitungen zu treffen und sich auf die Wünsche der Kunden einzustellen. Und von denen sie hofft, dass sie neugierig sind.