Neue Situation für Bürger und einige Patienten

Eichsfeld.  Klinikum und Kommunen im Eichsfeld reagieren mit weiteren Maßnahmen auf Corona-Ausbreitung. Telefonischer Kontakt statt Besuch

Lisa Gerling, Praktikantin in der Stadtverwaltung Heiligenstadt, und alle anderen Mitarbeiter sind ab Montag bevorzugt nur noch telefonisch und per E-Mail zu erreichen.

Lisa Gerling, Praktikantin in der Stadtverwaltung Heiligenstadt, und alle anderen Mitarbeiter sind ab Montag bevorzugt nur noch telefonisch und per E-Mail zu erreichen.

Foto: Sebastian Grimm

Mit sofortiger Wirkung hat die Kreisverwaltung am Freitag eine weitere Allgemeinverfügung erlassen, die alle Einwohner, die sich innerhalb der zurückliegenden 14 Tage nach Festlegung des Robert-Koch-Institutes in einem Risikogebiet aufgehalten haben, verpflichtet, sich für eine Zeitspanne von 14 Tagen in häusliche Quarantäne zu begeben. Ferner seien Betroffene und Sorgeberechtigte verpflichtet, sich unverzüglich telefonisch im Gesundheitsamt zu melden und die Umstände des Aufenthalts im Risikogebiet mitzuteilen. Auch das Landratsamt selbst zieht Konsequenzen aus der Coronavirus-Situation und bittet die Bürger, sich mit Anliegen möglichst nur per Telefon oder E-Mail an die Verwaltung zu wenden.

Laut Landratsamt gibt es inzwischen eine im Kreis Eichsfeld gemeldete Person, die mit dem Coronavirus infiziert ist. Diese habe jedoch ihren ständigen Aufenthalt in Erfurt und in den vergangenen Wochen keinen Kontakt zu Bürgern im Eichsfeld gehabt.

Patienten werden informiert

Auf Beschluss der Kanzlerin sollen ab Montag, 16. März, alle planbaren Aufnahmen, Operationen und Eingriffe – soweit medizinisch vertretbar – verschoben werden, teilt das Eichsfeld-Klinikum mit. Damit solle ausreichend Kapazität von Intensivbetten und Behandlungskapazitäten sowie die Vorhaltung ärztlichen und pflegerischen Personals gesichert werden. Da diese Information erst Freitagnachmittag schriftlich vorlag, hätten keine Terminverschiebungen vor dem Wochenende erfolgen können. „Montagvormittag sollen die Chefärzte der Abteilungen für die aktuell anstehenden stationären Aufnahmen entscheiden, ob diese medizinisch vertretbar verschoben werden können. In diesem Fall werden die Patienten nicht stationär aufgenommen und – soweit möglich – mit einem Ersatztermin nach Hause geschickt“, so Uwe Schotte, der Ärztliche Direktor.

Am Montag müssten dann auch telefonisch die geplanten Aufnahmen ab 17. März informiert und umbestellt werden. „Bei geplanten stationären Aufnahmen mit einer medizinisch begründeten Dringlichkeit bleiben die Termine bestehen und die Diagnostik und Therapie erfolgen wie geplant“, heißt es. Die Patienten werden persönlich angerufen. Von diesen Regelungen ausgeschlossen seien die Geburtshilfe sowie alle notfallmäßigen stationären Aufnahmen sämtlicher Fachabteilungen.

Heiligenstädter Bürgermeister handelt

Konsequent ist die Stadt Heiligenstadt und geht davon aus, dass das Mittun aller gefordert ist. Daher gelten bis auf Widerruf eine Besuchseinschränkung für Stadtverwaltung, Bürgerbüro und alle zur Stadt gehörigen Einrichtungen, wie Bibliothek, Archiv, Eichsfeld- und Literaturmuseum. „Die genannten Bereiche stehen zu den bekannten Öffnungszeiten nur noch telefonisch zur Verfügung“, so Bürgermeister Thomas Spielmann (Bürgerinitiative). In unaufschiebbaren Fällen könnten Bürger und Gäste unter Tel.: 03606/6770 oder der Mailadresse hotline@heilbad-heiligenstadt.de einen Termin vereinbaren. Vor Vergabe eines solchen werde die Dringlichkeit geprüft.

Per Mail und telefonisch erreichbar ist die Stadtverwaltung Montag bis Freitag, 8 und 17 Uhr, sowie samstags, 10 bis 12 Uhr. „In besonderen Fällen, wie bei Verkehrsfragen oder der Beratung in Sachen Baurecht, besuchen wir Sie weiterhin wie gewohnt auch vor Ort“, so der Bürgermeister.

In Dingelstädt stellt sich die Verwaltung auf die neue Situation ein. Ab Montag greift ein Notfallplan, sagt Verwaltungsleiter Michael Groß. Fest steht, dass dann Bibliothek, Jugendclub, Bürgerhaus und Hallenbad zu sind. Freitagnachmittag gab es ein weiteres Treffen des Krisenstabs.

Günther Fiedler, Ordnungsamtsleiter von Leinefelde-Worbis, erklärte Freitagnachmittag, dass sich alle Entscheidungsträger der Stadt erneut beraten. „Einen Notfallplan hat die Stadt.“ Laut Schnellentscheidung bleibt die Bibliothek in Worbis, die auch Bürgerbüro ist, am Samstag zu. In Leinefelde ist das Bürgerbüro heute geöffnet. Am Montag wird laut Stadtsprecher René Weißbach über weitere Maßnahmen entschieden.

Noch keine Entscheidung, ob die Therme im Vitalpark in Heiligenstadt am Wochenende und kommende Woche geöffnet ist, gab es bis Redaktionsschluss. Leiter Sebastian Fromm verwies auf die Homepage, die den aktuellen Stand melde. Dort wurde bereits mitgeteilt, dass der Vital- und Fitbereich ab Samstag geschlossen ist.

Elisabeth-Schüler wollen helfen

Schnell auf die Schul- und Kindergartenschließung reagiert das Heiligenstädter St.-Elisabeth-Gymnasium. Um die Situation nicht noch zu strapazieren und auch die Risikogruppe der Großeltern zu schützen, starte die Schule ein Solidaritätsprojekt, so Schulpfarrer Markus Könen. Engagierte Elftklässler wären bereit, zum Beispiel im Haushalt, in der Kinderbetreuung, beim Einkaufen oder Botengängen, bei allem, was Familien und Menschen, die Schutz brauchten, zu unterstützen. Kontakt bei dringendem Interesse: 03606/673402.

Risikogebiete tagesaktuell: www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Risikogebiete.html

Gesundheitsamt: Tel.: 03606/6505555, E-Mail: gesundheitsamt@kreis-eic.de