Neuer Belag auf Tennisplatz in Gerterode schafft neue Möglichkeiten

Gerterode  Eichsfelder Tennisverein bekommt innovativen Ganzjahresbodenbelag für einen Platz und hofft auf neue Mitglieder. Auch Rollstuhltennis wäre nun möglich.

Lohar Pfaff, 1. Vorsitzender des Tennisvereins.

Lohar Pfaff, 1. Vorsitzender des Tennisvereins.

Foto: Eckhard Jüngel

Nur rund 360 Einwohner zählt derzeit das kleine Eichsfelddorf Gerterode, und doch zählt der Ort zu den wenigen im Eichsfeld, die einen Tennisverein haben. Der dürfte noch dazu zu den ältesten im Kreis gehören, wurde er doch schon 1983 gegründet. Diese Woche war für die Mitglieder nun eine ganz besondere, denn einer ihrer drei Plätze bekommt einen innovativen Ganzjahresbelag. „In Thüringen gibt es keinen vergleichbaren Platz mit solch einem neuen kunststoffgebundenen Ziegelmehlgranulat“, sagt Vereinschef Lothar Pfaff, dem man bei den Worten Stolz anmerkt und der hörte, dass auf dem Stuttgarter Wiesenhof und in Northeim auf so besonders beschichteten Plätzen gespielt wird. Eine Spezialfirma brachte den Belag jetzt auf.

Inklusive der Arbeiten am Zaun investiert die Einheitsgemeinde 38.000 Euro in das Projekt des Ortsteiles. „Kostengünstiger wäre Kunstrasen, aber der wäre nicht so ideal gewesen, dieser hat eine neue Art der Beschichtung“, weiß Lothar Pfaff. Standard wäre hingegen ein Sandplatz, doch der hätte bewässert und der Sand immer wieder ausgetauscht werden müssen. „Dank des neuen Belages ist der Platz nun fast uneingeschränkt bespielbar – außer bei Schnee und Eis. Das ist ein großer Vorteil, denn in der Nähe gibt es keine Tennishalle“, so der Vereinsvorsitzende. Der ist froh, dass insbesondere die Nachwuchsarbeit nun noch intensiver betrieben werden kann. Er erhofft sich aber auch neue Mitglieder. In Gerterode könnte nun sogar Rollstuhltennis gespielt werden. Auch hier sind Interessierte willkommen. „Es geht uns nicht vordergründig um Punkte, sondern um den Spaß, den Sport und die Gemeinschaft“, erklärt Pfaff.

Dem kann Bürgermeister Ingo Michalewski (CDU) nur zustimmen. Er weiß, dass das Geld gut angelegt ist. „Die Gerteröder waren pfiffig, haben bei der Fusion gesagt, was bei ihnen gemacht werden muss“, erzählt der Niederorscheler, der bei der Entscheidung dann nicht lange nachdenken musste. Und schließlich gehört das Grundstück der Gemeinde. Hinzu kommt, dass es auf dem vorherigen Asphaltbelag Unebenheiten gab und das Spielen für Kinder und Erwachsene nicht ungefährlich war. Da war es dann auch keine Frage, dass sich Vereinsmitglieder, bevor der neue Belag auf den 720 Quadratmeter großen Platz kam, ordentlich ins Zeug legten. „2008 Löcher mussten in die Decke, damit das Regenwasser ablaufen kann. Mit drei Bohrmaschinen haben wir eine Woche lang jeden Abend gebohrt. Alle 50 Zentimeter brauchte es ein Loch“, blickt Pfaff auf die schweißtreibende Arbeit zurück.

Dass sich der Aufwand gelohnt hat – dessen ist er sich sicher. Dem Gerteröder Tennisverein gehören derzeit 55 Mitglieder zwischen 35 und 55 Jahren an. 40 Prozent sind Frauen. „Und die sind derzeit aktiver als die Männer“, meint der Vereinschef, der zu den Vorstandsmitgliedern der ersten Stunde gehört. Auch acht bis zehn Kinder zwischen acht und zwölf Jahren trainieren im Verein.

Der wurde aus einer Initiative des Zementwerks 1983 ins Leben gerufen, auch wenn Tennis in der DDR nicht der Sport Nummer eins war. Schon auf der ersten Mitgliederliste standen 18 Namen. Gründungsväter waren Arno Herzberg und Eberhard Kurz. „Nachdem die Suche nach einer Spielfläche in Leinefelde, Niederorschel und Deuna erfolglos blieb, weil die Bürgermeister mit Tennis nichts am Hut hatten, wurde man in Gerterode mit zwei Flächen am Ortseingang fündig“, erzählt Pfaff. „Der ‚weiße Sport‘ passte zu dieser Zeit nicht so recht zur sozialistischen Sportkultur.“

Auf historischem Grund und Boden, auf dem alten Sportplatz, begann der Tennisverein mit Unterstützung der Eichsfelder Zementwerke Deuna 1984 mit dem Bau der Tennisanlage und konnte 1985 den ersten Sandplatz einweihen. Dem folgte ein Jahr später ein zweiter. Weitgehend in Eigenleistung wurden Wasser- und Stromanschlüsse hergestellt und ein Vereinshaus gebaut. Die Voraussetzungen für einen kontinuierlichen Trainings- und Wettkampfbetrieb waren geschaffen. Mit Medizin Worbis bestritten die Gerteröder ab 1987 die ersten Punktspiele. Heute kommen die Mitglieder aus Gerterode, Niederorschel, Worbis, Nordhausen, Leinefelde, Haynrode und Bernterode. „Tennis spielen kann jeder lernen, auch im fortgeschrittenen Alter“, sagt Pfaff.

Wer Lust hat, kann dienstags und freitags ab 18 Uhr oder sonntags ab 14 Uhr beim Familientennis vorbeischauen. Jahresbeitrag: 80 Euro, Infos: www.tennis-gerterode.de

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