Pfarrhaushälterin — ein nicht alltäglicher Beruf

Hüpstedt  Gisela Hoffmann schätzt seit 20 Jahren die Vielseitigkeit ihrer Arbeit.

Haushälterin Gisela Hoffmann

Haushälterin Gisela Hoffmann

Foto: Eckhard Jüngel

Wer an die Tür des katholischen Pfarrhauses in Hüpstedt klopft und nicht so gleich von Pfarrer Günter Christoph Haase begrüßt wird, muss trotzdem nicht unverrichteter Dinge wieder gehen. Denn ganz bestimmt öffnet ihm mit einem freundlichen "Guten Tag" Gisela Hoffmann die Tür. Sie ist die Pfarrhaushälterin, die gute Seele des Hauses. Und das seit 20 Jahren.

Kochen, waschen, putzen all das gehört zu ihrem Alltag — und noch eine ganze Menge mehr. Die nette kleine Dame mit dem herzerfrischenden Lachen kümmert sich um Haus und Garten, die Besucher, den Blumenschmuck in der Dorfkirche, die großen Rabatten auf dem Gelände rund um das Gotteshaus sowie die Priestergräber oder übernimmt die Urlaubsvertretung im Pfarrbüro.

Gerade während der Corona-Pandemie gibt es einiges zu tun, denn wer sich für den Gottesdienst anmelden will oder eine Frage hat, greift dieser Tage zum Telefonhörer. Langweilig wird es der 67-Jährigen nie. Dass die Aufgaben und Herausforderungen so vielfältig sind, war mit ein Grund dafür, dass sich Gisela Hoffmann dazu entschied, Pfarrhaushälterin zu werden.

Vor über 20 Jahren lernte sie Günter Christoph Haase kennen. Damals war er Kaplan in Weimar, sie arbeitete bei der Volksbank und engagierte sich aktiv in der Kirchengemeinde. Irgendwann stand die Frage im Raum, ob die Katholikin nicht den Beruf wechseln sollte. Dass Gisela Hoffmann das Stadt- gegen das Landleben tauschen, den guten Job an den Nagel hängen und ins Eichsfeld ziehen würde, das hielten ihre Freude erst einmal nicht für möglich und wohl auch sie nicht. Doch es kam der Tag, an dem die Weimarerin Wohnung und Arbeitsstelle kündigte und umzog.

Günter Christoph Haase, der nach der Kaplanszeit in Niederorschel Pfarrer von Geisleden, Flinsberg und Heuthen wurde, hatte nicht nur eine große Gemeinde, sondern auch ein großes Pfarrhaus samt Garten. "Allein konnte er das gar nicht schaffen", sagt Gisela Hoffmann, die mit den drei Pfarrorten noch immer viele schöne Erinnerungen verbindet. Mittlerweile hat der Geistliche eine neue Stelle und beide wohnen in Hüpstedt.

Der Alltag hat sich für Gisela Hoffmann etwas verändert. Heute arbeitet sie nicht mehr so viel mit Kindern, jetzt sind es oft die Senioren und die Veranstaltungen mit ihnen, um die sie sich kümmert. Mal sind es Geburtstagsgeschenke, die hübsch eingepackt werden müssen, mal ist es ein Frühstück mit Programm. Gefrühstückt wird im Pfarrhaus übrigens pünktlich um 7.30 Uhr. Danach hält der Geistliche in der Regel eine heilige Messe. Gut zu tun hat derweil auch Gisela Hoffmann, bis es um 11.30 Uhr Mittagessen gibt. "An meiner Aufgabe gefällt mir besonders die Vielseitigkeit, der Kontakt zu den Menschen und dass ich eigene Ideen einbringen kann", sagt sie.

Gefallen hat sie in den Jahren auch am Dorfleben gefunden. Die Wahl-Eichsfelderin tut alles, um dem Pfarrer den Rücken frei zu halten. Der schätzt das, weiß er doch als geistlicher Begleiter der Pfarrhaushälterinnen, dass es heute nur wenige gibt, die in einem Pfarrhaus wohnen. "Meist sind die Frauen verheiratet und arbeiten nur stundenweise dort", erzählt Günter Christoph Haase und lässt nicht unerwähnt, dass ein Seelsorger dafür, dass ihn im Haushalt jemand zur Hand geht, selbst bezahlen muss. Einen kleinen Zuschuss gebe es vom Ordinariat, weil die Frauen auch Aufgaben für die Gemeinde übernähmen. "Ich kann nur jedem Pfarrer zu einer Haushälterin, einer vertrauensvollen Person, raten, damit ein Pfarrhaus ein offenes und gastfreundliches Haus ist", meint er, schaut zufrieden aus und lässt den Blick über die schöne Weihnachtsdekoration im Zimmer schweifen. Die 67-Jährige hat ein Händchen dafür und kocht zudem gern. Auch das weiß Haase sehr zu würdigen.

Doch was muss man mitbringen, wenn man sich für diese Arbeit entscheidet? "Die Frauen müssen weltoffen und offen für die die Arbeit im Pfarrhaus sein, selbst den Glauben leben, sich in kirchlichen Dingen auskennen, denn sie sind ja auch Brückenbauer zur Gemeinde, wenn jemand gestorben ist, es um eine Taufe oder Eheschließung geht. Und man darf Gehörtes nicht in die Öffentlichkeit tragen", erklärt Günter Christoph Haase. Freundlichkeit, Aufgeschlossenheit und Engagement verstehen sich von selbst. Und was er an Gisela Hoffmann, der guten Seele, hat, das weiß er.

Wer sich für die Arbeit einer Pfarrhaushälterin interessiert, kann sich gern an ihn wenden. Erreichbar ist er unter der Rufnummer 036076/ 44458 oder der E-Mail-Adresse info@st-martin-huepstedt.de.