Röhrig: Kleine Kirche mit abenteuerlicher Geschichte

Röhrig.  Das Gotteshaus in Röhrig ist das einzige im Eichsfeld mit der heiligen Elisabeth von Thüringen als Patronin.

Elisabethfahne und Altar zeigen die gleiche Elisabethdarstellung, nämlich die von 1885..

Elisabethfahne und Altar zeigen die gleiche Elisabethdarstellung, nämlich die von 1885..

Foto: Eckhard Jüngel

Sie ist die Patronin Thüringens und Hessens, des Bistums Erfurt, der Caritas, vieler Krankenhäuser, Kirchen und Kapellen: die Heilige Elisabeth von Thüringen. Viele Mädchen und Frauen verehren sie. Der heutige 19. November ist ihr Namenstag und damit auch ihr Gedenktag.

Eine einzige Kirche im Eichsfeld ist der Heiligen Elisabeth von Thüringen geweiht, nämlich die kleine Dorfkirche in Röhrig. Und die hat eine wirklich abenteuerliche Geschichte hinter sich und viel auszustehen. Der Eichsfelder Historiker Torsten W. Müller hat sich bereits im Jahr 2008 mit der Kirche beschäftigt, anlässlich des gerade abgeschlossenen Elisabeth-Jahres 2007, das den 800. Geburtstag der Heiligen würdigte. In einem Beitrag in der Eichsfelder Heimatzeitschrift korrigierte er einige fehlerhafte Überlieferungen zur Röhriger Dorfkirche und zog dafür viel Originalmaterial zu Rate.

Das kleine Gotteshaus aus unverputztem Sandstein hat erst im Jahr 1800 seinen Platz mitten im Dorf gefunden. Aber es gab einen Vorgängerbau aus Holz weiter vom jetzigen Anger entfernt. Die Kirche sei so marode gewesen, dass 1799 der damalige Zimmermeister Conrad Weinrich aus Heiligenstadt befürchtete, das sie gar nicht reparierbar sei und die Gefahr bestehe, „dass sie alle Augenblicke dem Einsturz unterworfen ist.“

Schultheiß Johannes Degenhard richtete, so Müller, eine Eingabe an das bischöfliche Kommissariat, dass man bitte einen neuen Platz genehmige, weil der alte so eng sei und einen schlechten Untergrund habe. Es wurde ein freier Platz in der Dorfmitte vorgeschlagen, der Bau aus massiven Sandsteinquader begann.

Doch bald war das Geld alle, die Gemeinde sehr arm und auch von einer Seuche befallen. Zwar stand der Rohbau schon 1800 – die Wetterfahne wurde ein Jahr später aufgesetzt –, doch eine Kollekte in den Eichsfelder Dörfern hatte auch nicht das erhoffte Ergebnis gebracht. Die Röhriger wussten sich nicht mehr anders zu helfen, als ein Hilfegesuch an die Fürstbischof zu Mainz zu richten. Ob es Erfolg hatte, ist nicht bekannt, aber irgendwie schafften es die Röhriger, die Kirche ziemlich fertig zu bauen. Aber sie war nicht getüncht, ihr habe fast alles Inwendige gefehlt, schrieb Müller 2008. Aus den Mauerlöchern zwischen den Quadern rieselte der Sand, Spinnen nisteten sich dort ein und krabbelten auf den Mauern herum. Die kleine Glocke reichte mit ihrem Klang nicht einmal durch das ganze Dorf, das Kirchlein bekam dann die aus der Hauskapelle der Statthalterei in Heiligenstadt. Erst mit der Säkularisation von Klöstern, nachdem das Eichsfeld preußisch wurde, gelangten Kunstschätze nach Röhrig. Zum Beispiel eine hervorragende Renaissance-Kanzel.

Der 1977 restaurierte und verkleinerte Hochalter trägt heute noch ein Bild der Schutzpatronin der Kirche, der heiligen Elisabeth, mit dem Rosenwunder. Geschaffen hat es im Jahr 1885 der Birkunger Zeichenlehrer und Kunstmaler Joseph Hunold in Öl auf Leinwand. Von Humor zeugt die Signatur: „Hunold hat’s gemalt“. Und über dem zugemauerten Südportal steht in einer Nische eine weitere Darstellung der Heiligen aus Gips.

„Bis heute hat sie eine enorme Ausstrahlung“, sagt auch der Eichsfelder Pfarrer Günter Christoph Haase. 1207 wurde sie als Tochter des ungarischen Königs geboren, kam mit vier Jahren zur Erziehung und späteren Verheiratung an den kultivierten Thüringer Hof und wurde zehn Jahre später mit dem regierenden Landgrafen Ludwig vermählt. „Beide führten eine sehr glückliche Ehe. Drei Kinder erblickten das Licht der Welt“, erinnert Haase. „1223 kamen die Eheleute durch den Laienbruder Rodeger mit der franziskanischen Armutsbewegung in Berührung, und im selben Jahr gründeten sie ein Hospital in Gotha.“

Die Mildtätigkeit Elisabeths, die nach der Legende durch das Rosenwunder himmlisch anerkannt wurde, ist heute noch sprichwörtlich. Als sie eines Tages wieder heimlich Brot zu den Armen bringen wollte, wurde sie nach Fassung entweder von ihrem Mann oder der Schwiegermutter erwischt. Auf die Frage, was in dem Korb sei, antwortete sie in ihrer Not: „Rosen.“ Und als das Tuch gehoben wurde, waren nach der Legende tatsächlich lauter Rosen statt des Brotes im Korb.

Als bloße Spitalmagd wirkte Elisabeth nach dem Tod ihres Mannes unter Leprakranken, Krüppeln und Sterbenden, bis nach drei Jahren ihre Kräfte aufgebraucht waren und sie mit nur 24 Jahren am 17. November 1231 in Marburg starb. „Auch wenn uns heute manche Aspekte von Elisabeths Leben fremd erscheinen, so war sie eine erstaunliche Frau, deren kompromissloser Einsatz für Notleidende auch heute nach über 800 Jahren fasziniert und motiviert“, so Haase. „Vielleicht gedenken wir gerade heute, an ihrem Namenstag, dieser Frau und ihrem Vorbild.“