Zapfenpflücker ernten Saatgut aus Eichsfelder Baumkronen

Wachstedt  Thüringer Forstwirte ernten im Westerwald Zapfen der Douglasien. Sie klettern mit Steigeisen und Seil in 35 Meter Höhe.

Hoch oben in den Baumkronen sind die Zapfenpflücker und gehen ihrer Tätigkeit nach. Wenn der Beutel voll ist, wird er nach unten geworfen.

Hoch oben in den Baumkronen sind die Zapfenpflücker und gehen ihrer Tätigkeit nach. Wenn der Beutel voll ist, wird er nach unten geworfen.

Foto: Eckhard Jüngel

Klettergurt, Seil, Beutel und Steigeisen liegen bereit. Routiniert streift Maik Oertel den Klettergurt über. Dabei achtet er darauf, dass die Karabinerhaken geschlossen und die Gurte fest gezurrt sind. Nach mehrmaligem Prüfen wirft er sich die großen, noch leeren Beutel über die Schulter. Die Steigeisen schnappt sich Maik Oertel auch und marschiert in den Westerwald. Genau wie seine drei Kollegen ist er ein sogenannter Zapfenpflücker.

Zapfenpflücker sei zu DDR-Zeiten noch ein richtiger Beruf gewesen. Mittlerweile sei es eine Zusatzqualifikation des Forstwirtes, erklärt Maik Oertel. Das vierköpfige Stammteam erntet momentan die Douglasien im Westerwald, genauer gesagt im Revier Großbartloff von Förster Thomas Schmidt.

Nach einer ersten Begutachtung und Betrachtung der Bäume meint Maik Oertel, dass die Ausbeute in diesem Jahr in ganz Thüringen nicht so üppig ausfällt wie im vergangenen Jahr. Denn da wurden etwa fünf Tonnen Zapfen gepflückt. Also etwa 100 Kilogramm pro Pflücker. In diesem Jahr wird das Gewicht zwischen 50 und 60 Kilogramm pro Pflücker liegen. Ein Grund für die wahrscheinlich geringere Ernte ist unter anderem die ­Trockenheit. Allerdings müssten Douglasien auch nicht in jedem Jahr geerntet werden. Es gebe Wälder, da würde es sich in einem Jahr nicht lohnen, aber im darauffolgenden dann wieder, sagt Maik Oertel. Er und sein Team sind in ganz Thüringen unterwegs und ernten in den Kronen der Bäume.

Zwei Möglichkeiten, Bäume zu erklimmen

Das Ernten ist mitunter kein leichtes Unterfangen. Alle Zapfenpflücker brauchen eine Kletterausbildung. Denn Douglasien sind zwischen 35 und 40 Metern hoch, und die Zapfen hängen natürlich in der Krone. Maik Oertel erklärt, dass es zwei Möglichkeiten gibt, um am Baum hinaufzuklettern. Die sei von der Baumart abhängig. Bei Nadelbäumen könnten die Pflücker mit Steigeisen arbeiten. „Natürlich müssen wir darauf achten, dass der Baum und die Rinde nicht zu sehr verletzt werden.“ Mit dem Seil muss bei Laubbäumen geklettert werden, denn die Rinde ist da zu dünn.

Wenn die Kletterer sich der Steigeisen bedienen, braucht es trotzdem zwei zusätzlicher Seile, um sich am Baum zu sichern. Bedeutet, ein Seil wird rechtsherum und eines linksherum gewickelt und natürlich ordentlich im Karabiner eingehakt. Und so würde der Zapfenpflücker Meter für Meter den Baum erklimmen. Natürlich, gibt Maik Oertel ehrlich zu, sei das aufwendig und würde auch Zeit kosten. Aber es sei sicher.

Das Klettern mit dem Seil sei manchmal etwas riskant. Der erfahrene Forstwirt erklärt auch warum: Denn bei Laubbäumen wird ein Behelfsseil mit einem Säckchen nach oben geschossen. Anschließend wird das Kletterseil über den Ast gezogen, gesichert, und der Zapfenpflücker kann seiner Arbeit nachgehen. Allerdings könne es passieren, dass der Ast nicht so stark und stabil ist und abbricht. „Da muss gut geschaut und aufgepasst werden“, mahnt Maik Oertel, der selbst schon vom Baum gestürzt ist. Allerdings sei es auch nicht möglich, bis in die Krone eines Baumes zu schauen.

Im Westerwald klettern die vier Männer Maik Oertel, Axel Delle, Marcus Trabert und Sebastian Arnold mit Steigeisen die Douglasien hinauf. Die erfahrenen Forstwirte klettern sogar über den sogenannten Ankerpunkt hinaus. Bis zu diesem Punkt ist der Kletterer sicher. Darüber hinaus könne es möglich sein, dass die Spitze abbricht. Aber für diesen Fall sind die Zapfenpflücker gesichert. Jeder von ihnen braucht für einen Baum etwa zwei Stunden. Und danach geht die Arbeit weiter.

Zapfen trocknen, erhitzen und reinigen

Vom Eichsfeld geht es zurück zur Darre Fischbach im Forstamt Schmalkalden. Denn dort ist die einzige Samenbank der thüringischen Wälder. Die geernteten Zapfen werden dort etwa zwei Monate zum Trocknen gelagert. „Zwei Mal am Tag wenden wir sie, damit sie nicht schimmeln.“ Ab November/Dezember werden die Zapfen in Öfen erhitzt, damit an die Körner herangekommen werden kann. „Ein Zapfen muss mindestens drei volle Körner im Inneren haben, damit sich die Ernte lohnt“, erklärt Maik Oertel nebenbei. Anschließend werden die Körner gereinigt und vom möglichen Harz oder Nadeln befreit. Ganz zum Schluss werden die Körner bei minus 5 Grad Celsius eingefroren, um später an Baumschulen verkauft zu werden. Aus etwa 100 Kilogramm Zapfen wird 1 bis 1,5 Prozent Saatgut gewonnen.

Und dieses Saatgut ist für Revierförster wie Thomas Schmidt sehr wichtig und vor allem wertvoll. Denn durch die Trockenheit im vergangenen Jahr sind die Bäume schon arg angegriffen. Natürlich würde ihnen auch der Borkenkäfer sehr zu schaffen machen, der sich immer weiter verbreitet und vermehrt, erklärt Thomas Schmidt. Er hat in seinem 600 Hektar großen Revier gleich mehrere Kahlstellen, an denen Bäume einfach abgestorben sind. Das Saatgut kann er also sehr gut gebrauchen. „Als Förster hat man derzeit viel mit dem Sterben zu tun, das ist nicht schön.“ Trotzdem schaut er optimistisch nach vorne, dass es wieder besser werde.

Maik Oertel und sein Team hängen derweil hoch oben in den Kronen und ernten die Zapfen der Douglasie.

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