Stressige Nacht auch für Eichsfelder Helfer in Nordhausen

Eichsfeld/Nordhausen  Schnelle Helfer sind nach Bombenfund in Nordhausen ehrenamtlich im Einsatz und helfen dabei, 15.000 Menschen in Sicherheit zu bringen und zu betreuen.

Bewohner dreier Pflegeheime wurden in die Nordhäuser Wiedigsburghalle evakuiert (im Bild). In der Ballspielhalle kümmerten sich derweil Kräfte des Sanitäts- und Betreuungszuges aus dem Eichsfeld um die Evakuierten.

Bewohner dreier Pflegeheime wurden in die Nordhäuser Wiedigsburghalle evakuiert (im Bild). In der Ballspielhalle kümmerten sich derweil Kräfte des Sanitäts- und Betreuungszuges aus dem Eichsfeld um die Evakuierten.

Foto: Marco Kneise

Der Fund eines 227 Kilogramm schweren Bombenblindgängers ließ Nordhausen in der Nacht zu Donnerstag nicht schlafen. Erst gegen 2.20 Uhr konnte Entwarnung gegeben werden. Die Bombe wurde von Andreas West, Sprengmeister beim Kampfmittelräumdienst Tauber Delaborierung, und seinen Männern entschärft. Um 3.21 Uhr wurde sie dann nach Wernrode auf den Sprengplatz gefahren.

15.000 Menschen mussten zuvor ihr Zuhause verlassen. Ein Umkreis von 1000 Metern um den Fundort nahe des

Theaters wurde zur Evakuierung ausgerufen. Und weil so ein Mammuteinsatz nicht ohne Hilfe funktioniert, waren auch viele Eichsfelder Einsatzkräfte nach Nordhausen geeilt, darunter 39 Kräfte des Sanitäts- und Betreuungszuges, der größtenteils aus den Bereitschaften des DRK-Kreisverbandes besetzt wird. Mit 14 Fahrzeugen, darunter Kranken-, Rettungs- und Gerätewagen sowie ein Einsatzleitfahrzeug, ging es zum Einsatz, und der dauerte für die Eichsfelder lange – 17 Stunden. Zugführer Florian Blacha und seine Mitstreiter kümmerten sich um die etwa 700 Nordhäuser in der Ballspielhalle. Dort und in der Wiedigsburghalle wurden unter anderen Senioren aus Pflegeheimen betreut, die gesundheitlich eingeschränkt, auf Rollstuhl und Rollator angewiesen sind. „In vielen Gesichtern konnten wir lesen, dass Erinnerungen hoch kamen. Es war wichtig, mit den alten Leuten zu sprechen und auch mit den anderen, denn einige hatten ein Handicap. Für alle war die Umstellung groß und alle Generationen vertreten“, sagt Blacha. In die Halle kamen auch Familien mit Kleinkindern. Einige Nordhäuser brachten ihre Haustiere mit. Da bellte mal ein Hund und riss ein Baby aus dem Schlaf, und Hund und Katze waren sich auch nicht immer Freund. Doch alles wurde gehändelt. Und die 700 Frauen, Männer und Kinder, die sich auf engstem Raum befanden, mussten versorgt werden – mit Brötchen, Toast, Wurst, Käse, Kaffee, Tee, Wasser. Im Nachgang hieß es dann unter anderem: Decken waschen und die Fahrzeuge wieder einsatzbereit machen. „Auch da hat niemand gemault, trotz des vorherigen Stresses.“

Beeindruckt ist Blacha aber auch von der Organisation der Nordhäuser Verwaltung. Stühle und 100 Feldbetten seien schnell vor Ort, die Halle ausgelegt gewesen. Es gab in der Nacht aber auch Situationen, in denen die Eichsfelder etwas lernten: Sie sahen andere Abläufe, erfuhren, wie die Kooperation dort funktioniert. „Schön ist zudem die Erfahrung, dass man im Eichsfeld eine starke Mannschaft hat, die schnell Hilfe leisten kann“, meint Blacha. Ein Dankeschön hat er für die schnellen Helfer, die sich wieder einmal ehrenamtlich engagierten, und auch für deren Arbeitgeber, die Verständnis zeigten, dass am Donnerstag nicht jeder gleich zur Arbeit kam.

Auch Eichsfelder Feuerwehrleute waren in der Nacht im Einsatz. Norman Hein, der eigentlich Ortsbrandmeister in Bornhagen ist, war Zugführer einer der beiden Katastrophenschutzzüge, die sich am frühen Abend in den Nachbarkreis aufmachten. Gegen 19 Uhr wurden die Züge alarmiert. Sie setzten sich aus Kameraden verschiedener Wehren aus dem Landkreis zusammen. Der zweite Zug, den Norman Hein anführte, traf sich an der Feuerwache in Heiligenstadt. Von dort ging es zur Autobahnraststätte Eichsfeld. Dort traf man den Zug 1, und gemeinsam fuhr man gen Nordhausen.

Dort gegen 21 Uhr angekommen, durften sich die 37 Kameraden erst einmal stärken, bevor sie in einem der Bereitstellungsräume, die in der Stadt verteilt waren, auf ihren Einsatzauftrag warteten. Sie sollten die Polizei bei der Evakuierung der letzten Bewohner unterstützen. Ihr Einsatzort lag dabei nur 200 bis 300 Meter vom Fundort der Bombe entfernt. Als alle Personen aus der Gefahrenzone gebracht waren, sollte die Bombe entschärft werden. „Das ging dann alles richtig zügig“, sagt Hein. „Und dann ging es auch wieder an die Rückführung.“ Die Eichsfelder wurden angefordert, an einem Seniorenheim zu unterstützen. „Die Bewohner wurden mit Bussen und Krankenwagen wieder in die Einrichtung gebracht. Wir halfen ihnen aus den Fahrzeugen und begleiteten sie in ihre Zimmer“, beschreibt er den Ablauf. „Das musste alles reibungslos und schnell gehen. Die Fahrzeuge mussten ja zügig wieder weg. Es war ein einziges Kommen und Gehen.“ Nach einer langen Nacht ging es wieder ins Eichsfeld. Norman Hein war um 6.45 Uhr am Bornhagener Gerätehaus. Seine Kollegen werden es etwas früher nach Hause geschafft haben. „Es war schon eine Erfahrung, und manche von uns hatten bei der Sache auch ein flaues Gefühl im Magen. Aber die vielen Ersthelfer vor Ort haben einem schon das Gefühl von Sicherheit gegeben. Das war alles auch sehr gut organisiert.“

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