Teistungen: Liebesgeschichten, Karikaturen und eine Messe mit Zeitzeugen im Corona-Jahr

Teistungen.  Das Eichsfeld feiert 30 Jahre Wiedervereinigung. Corona lässt Festprogramm schrumpfen.

Ute Morgenthal vom Heimat- und Verkehrsverband hat die 5000 Flyer mit dem Programm zum 3. und 4. Oktober abgeholt und präsentiert sie den Organisatoren des Festes.

Ute Morgenthal vom Heimat- und Verkehrsverband hat die 5000 Flyer mit dem Programm zum 3. und 4. Oktober abgeholt und präsentiert sie den Organisatoren des Festes.

Foto: Eckhard Jüngel

30 Jahre Deutsche Einheit, 30 Jahre grenzenloses Eichsfeld. Für die Region ist das ein besonderer Anlass und für viele ein Ereignis, mit dem unvergessliche Erinnerungen und Emotionen verbunden sind. Entsprechend groß sollte der 3. Oktober gefeiert werden.

Das Grenzlandmuseum, der Heimat- und Verkehrsverband Eichsfeld, die Eichsfeldstädte, die Landkreise Göttingen und Eichsfeld sowie die Kirchengemeinden machten sich schon früh Gedanken darüber. Doch dann kam das Covid-19-Virus und mit ihm Einschränkungen. Ausfallen sollen die Feierlichkeiten am ersten Oktoberwochenende aber keinesfalls. Das machen die Organisatoren deutlich, nur wird das Angebot wesentlich kleiner als angedacht.

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„Es sollte ein großartiges Fest werden, nicht auf einen Ort fokussiert. Wir wollten zeigen, wie sich die Region entwickelt hat, wo die Gesellschaft hier und heute steht, denn das Eichsfeld ist ein exemplarisches Beispiel“, sagt Horst Dornieden vom Trägerverein des Grenzlandmuseums, der das Programm am Dienstagnachmittag vorstellt. Gern hätte er einen bunten Reigen von Veranstaltungen angekündigt, doch Bescheidenheit ist angesagt, denn Vorschriften müssen umgesetzt, Regeln eingehalten werden.

30 Paare und ihre Einheitsbotschaften werden gesucht

Was aber Beispiele für das Miteinander angeht, da können sich schon jetzt einige Paare, deren Kinder oder Enkel Gedanken machen, wie sie das Fest und eine Ausstellung bereichern. Denn gesucht werden deren Liebesgeschichten.

Kurz nach der Wiedervereinigung wurden bereits die ersten Ehen zwischen Ober- und Untereichsfeldern geschlossen, ihre Kinder und Enkel wuchsen ganz selbstverständlich im geeinten Land auf. Ohne die Grenzöffnung hätte mancher auch nicht sein Glück in Irland, Frankreich oder Neuseeland gefunden.

Wie hat man sich kennengelernt? Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede gab es, welche Erfahrungen wurden gesammelt bei der grenzenlosen Liebe? Und welche Rolle spielt die Teilung noch heute in den Familien? 30 Paare werden gesucht, die darüber berichten und ihre ganz persönlichen Einheitsbotschaften haben.

Die Idee, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, stammt von Duderstadt Altbürgermeister Wolfgang Nolte. Ein Paar mit Wurzeln in Gernrode und Tiftlingerode gibt es schon, erzählt am Dienstag Pastorin Christina Abel aus der niedersächsischen Nachbarstadt.

Und sie ist es auch, die gleich über den Auftakt am 3. Oktober spricht: den ökumenischen Festgottesdienst in der Duderstädter Basilika minor St. Cyriacus. Dass er der eigentliche Höhepunkt ist, freut Landrat Werner Henning (CDU), sieht er in ihm doch „unsere kulturelle Ausdrucksform“.

An dem Tag, sagt er, gehe es nicht nur um den historischen Verweis, sondern auch um das Herz, das Gemüt, das tiefste Innere und darum, authentisch zu sein. Dass die Messe in Duderstadt stattfindet, findet er gut. Denn den Festakt zu 30 Jahre Grenzöffnung gab es schließlich in St. Martin in Heiligenstadt.

An dem Gottesdienst dürfen vor Ort zwar nur 52 Personen teilnehmen, dafür wird er per Live-Stream übertragen. Es ist ein Dankgottesdienst, sagt Christina Abel, bei dem aber auch die Aufgaben und Herausforderungen der Einheit nicht vergessen werden sollen.

Da soll nicht die rosarote Brille aufgesetzt werden, da heißt es ehrlich sein mit dem Blick auf das Geschenk Einheit. Von 10 bis 10.10 Uhr werden aber erst einmal alle Kirchenglocken im Eichsfeld läuten, wie schon vom 2. auf den 3. Oktober.

Zum weiteren Programm gehören dann unter anderem Wanderungen, Filmvorführungen, Führungen in Dingelstädt und Duderstadt, Ausstellungen in den Städten zur Entwicklung oder im Schifflersgrund die Exposition „Deutschlandbilder“.

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