Türsteher vor den Supermärkten im Eichsfeld

Worbis.  Läden im Eichsfeld setzen auf Unterstützung von Security-Firma, um Kunden zu informieren und die strengen Corona-Regeln durchzusetzen.

Johannes Fischer (rechts) von Fischer-Security steht dieser Tage am Eingang zum Edeka-Markt Glahn in Worbis und hilft bei der Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen wegen des Coronavirus. Bedankt wird sich nicht mit Handschlag, sondern mit den Füßen.

Johannes Fischer (rechts) von Fischer-Security steht dieser Tage am Eingang zum Edeka-Markt Glahn in Worbis und hilft bei der Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen wegen des Coronavirus. Bedankt wird sich nicht mit Handschlag, sondern mit den Füßen.

Foto: Eckhard Jüngel

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„Dass ich mal an der Tür eines Supermarktes stehe und Einlassstopp machen muss, hätte ich nie gedacht“, sagt Johannes Fischer von Fischer-Security. Der Sicherheitsmann und seine Mitarbeiter widmen sich dieser Tage einem für sie völlig neuen Arbeitsfeld. Alle aktuellen Infos im kostenlosen Corona-Liveblog

Sie stehen an Supermärkten, Baumärkten und auch im Eichsfeld-Klinikum in Heiligenstadt, um die Menschen zu informieren und wenn nötig auch zu regulieren. Aktuell gibt es im Eichsfeld 19 positive Covid-19-Fälle.

Zwei Meter Abstand halten, nur eine Person pro Einkaufswagen, und im Krankenhaus gelten besondere Besuchsregelungen. Johannes Fischer und seine Mitarbeiter stellen sicher, dass diese eingehalten werden. „Unsere Mitarbeiter schaffen das zusätzlich nicht“, erklärt André Glahn, der Inhaber des Edeka-Marktes in Worbis. „Eine Securityfirma kann das alles auch viel besser kommunizieren.“ Das Ganze sei auch eine Art Nachbarschaftshilfe, eine „gute Lösung für alle Seiten“, denn er vermutete ganz richtig, dass die Firma aus Kirchworbis derzeit viele Absagen für Veranstaltungen erhalten habe.

Anfragen aus Göttingen und Kassel abgesagt

An die 70 seien es, bestätigt Johannes Fischer. „Abschlusspartys und die Bälle, Kirmes, Frühlingsfeste“, zählt er auf. Auf der anderen Seite erreichten ihn schon vor zwei Wochen Anfragen aus Göttingen, Kassel und Erfurt, die er aber ganz bewusst nicht annahm, weil er bereits da vermutet habe, dass solche Anfragen auch bald aus der heimischen Region kommen würden. Und sie kamen. Nun hat der Unternehmer sogar Probleme, genügend Leute für die Aufträge zu bekommen. „Viele meiner Mitarbeiter arbeiten nur im Minijob bei mir, haben noch einen Hauptberuf. Unsere Arbeitszeiten ändern sich jetzt aber völlig, und ich habe nicht genug Leute, um sie überall, wo gewünscht, hinzustellen.“ Er bedanke sich bei allen, die im Einsatz sind, und sich innerhalb ihrer Arbeit auch einer gewissen Gefahr aussetzen.

Mit Ehepartner verdoppelt sich die Kundenzahl

Im Edeka-Markt habe man schon in der vergangenen Woche angefangen, die Kunden räumlich zu trennen. Das habe gut funktioniert. Nun sind die Einkaufswagen abgezählt, sodass kontrolliert werden kann, wie viele Menschen sich gleichzeitig im Markt befinden. „Geht der Ehepartner immer mit zum Einkaufen, sind wir von 50 Kunden schnell bei 100, und dann können wir die geforderten Abstände nicht mehr gewährleisten.“

Für all das habe die Mehrheit auch Verständnis. Johannes Fischer fasst es in Zahlen zusammen: „99 Prozent sind sehr verständnisvoll, aber ein Prozent der Kunden ist einfach beratungsresistent, schütteln mit dem Kopf und regen sich über die Regeln auf.“ Aber da bleibe er geduldig. Und gerade wenn ihm die Kunden danken, ihm sogar einen Kaffee vom Bäcker oder eine Süßigkeit spendieren, wisse Johannes Fischer, warum er seinen Job macht. „Das motiviert.“

Treffpunkt Supermarkt - das scheidet aus

Im Großen und Ganzen hätten sich die Kunden bereits an die Regeln gewöhnt, schätzt André Glahn ein. „Was vergangene Woche noch sehr neu war, hat sich jetzt eingespielt.“ Man wolle ja nur Kunden und Mitarbeiter schützen, sagt er und erzählt auch von den Plexiglasscheiben, die nun zwischen Kassierern und Kunden angebracht wurden. „Die Betriebe sind lahm, die Kinder dürfen nicht in die Schule und dann treffen sich alle im Supermarkt – das geht ja auch nicht.“

Mit 1000 Leuten in einem Kirmeszelt

Stressige Wochen liegen hinter den Mitarbeitern, aber es werde ruhiger. Er beobachte auch, dass sich die Gewohnheiten der Menschen ändern. Wer vorher noch mehrmals am Tag in den Laden kam, macht das heute nur noch einmal oder gar alle zwei Tage.

Über diese Umgewöhnung macht sich auch Johannes Fischer seine Gedanken. „Ich bin gespannt, wann und vor allem wie sich wieder Normalität einstellen wird. Ich kann mir momentan nicht vorstellen, in einem Zelt mit 1000 Menschen, dicht an dicht, zu stehen. Ich denke, dass diese Zeit hier die Menschen prägen wird. Das kann alles Zukünftige verändern.“ Und trotzdem sehe er etwas Positives in der Situation. „Die Menschen leben bewusster. Sie gehen raus in die Natur, genießen viel mehr das, was sonst so selbstverständlich war.“

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