Unverständnis bei Eichsfelder Sportlern

Eichsfeld.  Vereine reagieren auf die Kehrtwende des Landkreises beim Trainingsbetrieb für Kinder und Jugendliche.

Die Ohmberghalle,  die Heimstätte der Worbiser Handballer, ist für den Trainingsbetrieb geschlossen. Nur Schulsport darf hier stattfinden.

Die Ohmberghalle, die Heimstätte der Worbiser Handballer, ist für den Trainingsbetrieb geschlossen. Nur Schulsport darf hier stattfinden.

Foto: Eckhard Jüngel

Die Kehrtwende des Landratsamtes am Dienstag mit der neuen Verfügung, die den Trainingsbetrieb für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren nun doch untersagt, sorgt für Unverständnis in der Eichsfelder Sportlandschaft. „Die Glaubwürdigkeit in unseren Landkreis und die Politik sinkt dadurch immer mehr. Wir sind wieder zur Enklave in Thüringen geworden. Um uns herum kann trainiert werden, bei uns nicht. Das Hin und Her ist nicht gut für den Sport“, sagt Jens Kolle, zweiter Vorsitzender des SV Einheit Worbis und Hygienebeauftragter der Abteilung Handball des Vereins.

Wie der Worbiser bemängeln viele Sportfunktionäre, dass die Entscheidung zunächst erst am frühen Abend am Dienstag verbreitet wurde, und es zudem am Montag noch hieß, dass der Trainingsbetrieb für Kinder und Jugendliche, so wie in der geänderten Thüringer Verordnung, auch im Landkreis gilt. „Das kannst du den Sportlern und den Ehrenamtlern im Verein nicht mehr vermitteln“, so Kolle. Am Sonntag hätten die Telefone heiß geklingelt. „Die Übungsleiter wollte wissen, ob es wieder losgeht. Da antwortest du dann, ja ab Montag kann wieder trainiert werden – und dann die Rolle rückwärts“, sagt Jens Kolle. Einen einzigen positiven Coronafall hätte es in den vergangenen Monaten in seinem Verein, der mehr als 1000 Mitglieder habe, gegeben. Das würde zeigen, dass die ausgearbeiteten Konzepte greifen.

Anfragen an das Gesundheitsamt bleiben ohne Antwort

Kolle kritisiert auch die Kommunikation des Gesundheitsamtes: „Wir waren ja eigentlich schon wieder soweit, dass man hätte Spiele machen können. Anfragen an das Gesundheitsamt blieben unbeantwortet. Uns hätte eine kurze und knappe Antwort gereicht“, so Kolle, dem durchaus bewusst ist, dass die Mitarbeiter in der jetzigen Lage viel zu tun haben, aber auch er und seine Vorstandskollegen würden mit Fragen konfrontiert, die nicht immer alle gleich beantwortet werden könnten. Da brauche es eben auch manchmal eine Antwort aus dem Gesundheitsamt.

In das gleiche Horn stößt Thadäus König, CDU-Landtagsabgeordneter, Kreistagsmitglied und Vorsitzender des SC 1911 Heiligenstadt. „Ich hätte mir eine Kommunikation mit den Vereinsvorsitzenden und dem Kreissportbund gewünscht. So ist es wieder eine Entscheidung am grünen Tisch. Die Vereine haben am Montag alles organisiert. So etwas kostet massiv Vertrauen“, so der Vereinsvorsitzende König, der auch weiß, dass zum Zeitpunkt des Bekanntwerdens der neuen Verordnung des Landkreises am Dienstag schon Nachwuchsmannschaften auf den Fußballplätzen mit dem Training begonnen hatten. Zudem sei es keine Art und Weise, über eine Pressemitteilung und das Amtsblatt zu informieren.

Bei den Vereinen sei alles mit einer Verzögerung angekommen. Auch König hätte sich eine differenzierte Betrachtung für den Landkreis gewünscht. „Es hätte jeder verstanden, wenn man mit den Vereinen gesprochen hätte, um gemeinsam für die Turnhallen eine Lösung zu finden. Es ist ein enormer Aufwand für den Landkreis, den Schulsport abzusichern, aber im Gespräch hätte sich auch hier eine Möglichkeit für den Vereinssport gefunden, wenn auch nicht sofort“, meint Thadäus König.

„Der Sport ist auch Jugendarbeit“, sagt der Landtagsabgeordnete König, der eigentlich froh war, dass die Thüringer Landesregierung der Empfehlung des Sozialausschusses des Thüringer Landtages mit seiner geänderten Verordnung anderen Bundesländern gefolgt ist. „Wir haben lange im Ausschuss diskutiert, das Pro und Contra abgewogen, und sind dann zu einem einstimmigen Beschluss gekommen, um das Training für Kinder und Jugendliche wieder zu erlauben“, so König.

Unsicherheit unter Mitgliedern des Schwimmvereins hält an

„Wir haben alles so organisiert, dass die Gruppen getrennt und zwei Trainer nicht gleichzeitig in der Halle sind“, erzählt Zacharias Kobold, Trainer in der Tischtennisabteilung des FSV Uder. Er bedauere die Entscheidung. „Mir ist bewusst, dass wir die Ausbreitung des Virus eindämmen müssen. Man sollte aber auch langsam wieder im Sinne der Kinder entscheiden“, so Kobold, denn das Training sei eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung auch in Zeiten der Pandemie. Michael Müller, Trainer der Fußball-C-Junioren des JFV Eichsfeld Mitte, bedauert ebenfalls die Entscheidung. „Die Vereine haben alle super Hygienekonzepte erstellt, viel Geld für die Maßnahmen ausgegeben, und trotzdem dürfen die Kinder nicht auf den Platz. Die Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto vor das Stadion und holen sie auch so wieder ab. Also keinerlei Kontakte. Wir Trainer geben uns auch die größte Mühe alle Regeln einzuhalten. Wichtig ist aber, dass unsere Nationalmannschaft ein Freundschaftsspiel in Tschechien, einem absoluten Corona-Hotspot, macht“, sagt er zynisch.

Für die Mitglieder des Heiligenstädter Schwimmvereins geht die Unsicherheit nun weiter, wann sie denn endlich wieder trainieren können. „Ich finde die Entscheidung unmöglich. Am Montag habe ich noch mit Sebastian Fromm vom Vitalpark telefoniert, und wir haben abgesprochen, wie und wann wir in das Training starten“, sagt Gerhard Stitz, Vorsitzender der Vereins. Man habe sich darauf verständigt, Ende des Monats in kleinen Gruppen zu starten. „Es muss alles bedacht werden. Wir wollten in der kommenden Woche noch einmal mit einander reden. Aber das ist ja jetzt auch wieder hinfällig“, so der Heiligenstädter.