Viele Pläne, aus denen erst einmal nichts wird

Worbis.  Worbiser Bärenparkchefin hofft auf Unterstützung der Eichsfelder. Sie sorgt sich um den Fortbestand der Einrichtung, um Zirkus- und Wildparktiere.

Der Alternative Bärenpark in Worbis ist derzeit wegen der Corona-Krise geschlossen.

Der Alternative Bärenpark in Worbis ist derzeit wegen der Corona-Krise geschlossen.

Foto: Eckhard Jüngel

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Der Parkplatz ist leer, auf den Wegen kein fröhliches Kinderlachen zu hören. Niemand schaut den Tieren zu. Am Eingang zum Alternativen Bärenpark hängt ein Schild, das darauf hinweist, dass die Anlage derzeit wegen der Corona-Krise geschlossen ist. Und Sabrina Schröder stehen die Sorgenfalten auf der Stirn. Die 32-Jährige leitet den Worbiser Park. Alle aktuellen Infos im kostenlosen Corona-Liveblog

Von den rund 20 Mitarbeitern, die hier beschäftigt sind, sind bis auf zwei Tierpfleger und die Chefin alle in Kurzarbeit. „Die momentan fehlenden Einnahmen sind für uns ein riesiges Problem, denn jetzt, nach dem Winter, wäre es an der Zeit gewesen, Geld zu verdienen“, sagt die Parkleiterin. Der finanzielle Puffer für die kommende kalte Jahreszeit hätte aufgefüllt werden müssen. „Das geht an die Substanz.“ Das Osterfest mit dem traditionellen Eiersammeln auf dem Gelände wurde beispielsweise stets gut angenommen.

Bereits im Winter haben die Mitarbeiter viel unternommen, um die neue Saison vorzubereiten. „Schließlich sind wir auch eine Einrichtung, die auf Publikumsverkehr angewiesen ist. Wir haben neue Bänke angeschafft, an den Wegen gearbeitet, die Pläne für Events geschmiedet, wie das zu Ostern. Und nun wissen wir nicht, ob überhaupt das Tierschutzfest im September stattfinden kann“, erzählt Sabrina Schröder. Eingestellt wurden auch zwei neue Pädagogen, die sich unter anderem mit dem Schulprogramm für die ersten bis zwölften Klassen befassen. Einige Veranstaltungen hatten Bildungseinrichtungen bereits gebucht, nun jedoch wieder abgesagt. Um sechs Themen sollte es gehen, darunter um die Bienen, den Naturschutz oder Nutztiere.

Sorge um Tiere aus dem Zirkus

Die Tiere im Bärenpark hatte das Team natürlich auch im Blick. Einige Anlagen wurden instand gesetzt – nicht zuletzt mit dem Ansinnen, neue Bewohner aufnehmen zu können. Doch daraus wird wohl erst einmal nichts. Das bedauert die Chefin sehr, denn die Einrichtung in Worbis gehört zu einem europäischen Netzwerk und ist als Stiftung für Bären auch als Tierschutzorganisation gefragt. Dass im Zuge der Corona-Krise Zirkusse ebenso wie kleine Wildparks pleite gehen, davon geht Schröder aus. Doch was soll dann aus diesen Tieren werden?

In diesem Jahr, so berichtet sie, sollte eigentlich die schon lange geplante Erweiterung des Bärenparks in Richtung Iberg in Angriff genommen werden. Die Stadt Leinefelde-Worbis hatte die Flächen zur Verfügung gestellt, und nun sollte es Schritt für Schritt ans Werk gehen. Insgesamt ist an eine Erweiterungsfläche von 30 Hektar gedacht, mit fünf Hektar hätte der Anfang gemacht werden können – auch um neue Tiere aufzunehmen. „Wir sind dabei, ein Kompetenzzentrum aufzubauen“, sagt Sabrina Schröder. Unter anderem gehe es darum, Tiere zu übernehmen oder solche, die nach einer Verletzung wieder aufgepäppelt sind, auszuwildern. Doch das alles sei jetzt erst einmal in weite Zukunft gerückt.

Spender und Tierpaten sind gefragt

Wichtig sind nun finanzielle Hilfen. Eine Soforthilfe vom Land Thüringen hat die Bärenparkchefin bereits beantragt. Ob sie am Ende gewährt wird, weiß sie nicht. Daher hofft sie auf das Engagement der Stadt, vom Landkreis, aber auch auf das von Spendern und Tierpaten. Und Sabrina Schäfer hat eine große Bitte an die Eichsfelder: „Wenn es wieder möglich ist, dass Sie uns besuchen können, dann tun Sie das auch.“

Unter den Tieren, die derzeit im Worbiser Bärenpark leben, sind neun Bären und drei Wölfe. Aufgenommen wurden sie aus schlechten Haltungen, um hier ein besseres, natürlicheres Leben führen zu können. Wichtig ist dem Team, über die Verhältnisse aufzuklären, darüber, was für die Tiere schlecht ist und was ihnen hilft. Gern fängt das Team da schon bei den Kindern an und zeigt, wie toll es beispielsweise für einen Bären ist, wenn der nicht in einen kleinen Käfig gepfercht ist, sondern wie in Worbis im Wasser baden kann. „Schon allein beim Beobachten kann man viel über das natürliche Verhalten lernen“, weiß Sabrina Schäfer.

Zuhause für vom Aussterben bedrohte Rassen

Im Park können neben Wolf und Bär aber noch viele weitere Bewohner mehr besucht werden. Da gibt es zahlreiche Haustiere. Gezeigt wird, wie sie leben sollten und erklärt, dass zum Beispiel Meerschweinchen Gruppentiere sind. Außerdem gibt es Wellensittiche in einer großen Voliere, und auch Hühner und Kaninchen fehlen nicht. Vom Aussterben bedrohte Rassen wie die Thüringer Waldziege oder das Leineschaf werden ebenfalls versorgt.

Sabrina Schröder streift bei der Aufzählung der kleinen und großen Bewohner gedanklich durch den Park und ihre Stimme bekommt dabei einen etwas traurigen Klang, der dann aber wieder optimistisch wird. „Ich wünsche mir, dass die Menschen, gerade auch die aus der Region, solidarisch sind, dass sie hinter uns stehen und später wieder unsere Gäste sind. Es wäre schön, wenn man nicht nur in der Welt unterwegs ist, sondern gerade auch den lokalen Einrichtungen einen Besuch abstattet.“

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