Wer zu seinem Bruder sagt...

Schwester Maria Thoma Dikow über Gebote, die gutes Miteinander bewirken sollen

Schwester Maria Thoma Dikow, Generaloberin der Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel.

Schwester Maria Thoma Dikow, Generaloberin der Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel.

Foto: Silvana Tismer

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Du sollst nicht! Du darfst nicht! Reagieren Sie auf solche Verbote auch manchmal allergisch?

Ein selbstbestimmtes Leben gilt uns als hoher Wert. Warum will mir denn jemand reinreden, wenn es um meine Urlaubsgewohnheiten, um mein Privatleben, um meine Berufswahl oder um meine Gesundheit geht?

Ja, es ist eine große Errungenschaft, dass wir uns in den letzten zweihundert Jahren aus vielen Formen der Fremdbestimmung durch den Staat, die Kirche oder auch bloß durch gesellschaftliche Konventionen lösen konnten.

Und doch: Selbstbestimmung ist nicht alles. Sie muss mit Verantwortung und Rücksicht gepaart sein, sonst zerstört sie Gemeinschaft. Ich zuerst! Meine Familie zuerst! Mein Land zuerst! Solche Parolen gefährden Gemeinschaft, wenn sie zu Ausgrenzung der „Anderen“, der „Fremden“ führen.

Gemeinschaft entsteht nur, wenn wir das Wir groß schreiben. Dabei brauchen wir die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit und das Wohl derer, die uns besonders nahestehen, gar nicht zu vernachlässigen. In dem Evangelium, das an diesem Sonntag in den katholischen Gottesdiensten gelesen wird, betont Jesus die Wichtigkeit der Gebote Gottes.

Er will sie zu ihrer ursprünglich gemeinten Geltung bringen. Für ihn sind die zehn Gebote keine Fremdbestimmung oder Unterdrückung, sondern Weisungen, die ein gutes Leben und Zusammenleben ermöglichen. Konkret: Du sollst nicht töten! Geschenkt, werden Sie vielleicht sagen. Ich bringe doch niemand um.

Aber, sagt Jesus, achtet darauf, wo das Töten beginnt. Üble Nachrede in der Nachbarschaft, Beschimpfungen in den angeblich sozialen Medien, Mobbing am Arbeitsplatz. Wer so redet oder schreibt, wer mitmacht oder zuschaut, der trägt dazu bei, dass Gemeinschaft zerstört wird.

Gerüchte weitererzählen, jemanden lächerlich machen, abwertend reden – wir sind oft so schnell mit einem unguten Wort dabei.

Das gute Wort dagegen baut auf. Wo wir gut voneinander und miteinander sprechen, da wird gutes Leben möglich und Gemeinschaft aufgebaut.

In diesem Sinn sind die Zehn Gebote keine Fremdbestimmung, sondern sie sind eine Anleitung zu gelingendem Leben.

Lassen wir uns darauf ein?

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