Wiederholungstäter ist sich keiner Schuld bewusst

Eichsfeld  Gerichtsbericht Augenscheinlich pädophiler 45-Jähriger wird rückfällig. Berufungsverfahren auch wegen versuchter Körperverletzung

Mit fast den gleichen Vorwürfen wie schon im Dezember vorigen Jahres wurde ein 45-jähriger Eichsfelder vom Amtsgericht Heiligenstadt zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Dagegen hatte der Staatsanwalt Berufung eingelegt. Er war der Meinung, dass in diesem Fall keine Bewährung mehr gewährt werden könne. Auch das Strafmaß sei zu gering.

Der in verschiedenen DDR- Kinderheimen aufgewachsene Mann hat offensichtlich einen Hang zur Pädophilie. Immer wenn er Kinder sieht, manipuliert er an seinem Geschlechtsteil oder macht zweideutige Gesten. Dafür war er schon 2013 vom Amtsgericht Göttingen zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Danach war ihm jeglicher Kontakt zu Kindern verboten worden. Gegen diese Weisung der Betreuungsbehörde verstieß er wiederholt. Immer wieder näherte er sich Kindern, zeigte sein Geschlechtsteil. Er akzeptiert das Verbot nicht.

Seit einigen Monaten hat er eine Betreuerin, die seine organisatorischen Angelegenheiten regelt, weil er mit ihnen nicht zurecht kommt. Seine Lese- und Schreibfähigkeiten sind nicht ausreichend, um offizielle Schreiben zu verstehen.

Zwei Delikte wurden im Berufungsverfahren in Mühlhausen zusammengefasst. Morgens in einem Bus hatte er an seinem teilweise entblößten Geschlechtsteil manipuliert, so dass es ein in der Nähe sitzender Jugendlicher sehen musste. Genaueres ist noch zu klären. In einer Nacht im August gegen 3 Uhr hatte er sich zusammen mit Jugendlichen in einem Park aufgehalten und Bier getrunken. Als ihn Polizisten auf sein Kontaktverbot aufmerksam machten, floh er mit dem Fahrrad. Die Polizei war gerade wegen eines vermutlichen Brandstifters unterwegs. Deshalb verfolgten sie den Radfahrer. Als er auf die hinter ihm laufenden Beamten traf, warf er eine Bierflasche schnell von sich. Ein Polizist konnte sich gerade noch wegducken. Deshalb kommt eine versuchte Körperverletzung zur Anklage dazu. Der Angeklagte bestreitet jedoch, dass er den Beamten treffen wollte. Die fast leere Bierflasche sollte nur im Gebüsch landen, gibt er an.

Die Bewährungshelferin bescheinigt dem Mann eine relativ gute Zusammenarbeit. Wenn er aber etwas nicht versteht, macht er es einfach nicht. Er weicht allen Konflikten aus. Probleme bagatellisiert er einfach. Alltägliche Dinge kann er nicht bewältigen. Seine Wohnung musste er schon mehrfach wechseln, weil er Mietschulden hatte oder der Vermieter dem Messie kündigte.

Das Gericht ist sich darüber im Klaren: Der Mann braucht dringend psychologische Betreuung. Das ist jedoch nicht einfach anzuordnen. Dazu braucht es umfangreiche Untersuchungen, die angeordnet und bezahlt werden müssen. Da der 45-Jährigen fast durchgehend in verschiedenen Beschäftigungen arbeitet, kann er ambulante Therapien nur bedingt wahrnehmen. Und es ist fraglich, ob er überhaupt therapiefähig ist, da er sein Unrecht nicht erkennt.

Vorbestraft wegen verschiedener Delikte

„Die Frage steht: ‚Was macht man mit dem Mann?‘“, formuliert es der Berufungsrichter. Der Angeklagte sei zwar behandlungsbedürftig, aber in seiner Reflexionsfähigkeit stark eingeschränkt. Das meint auch die Bewährungshelferin. Auch der Staatsanwalt ist sich nicht sicher: „Kann der Angeklagte durch Betreuung und Beratung zu einem normalen Leben kommen?“ Doch eine verminderte Schuldfähigkeit wird nicht anerkannt. Der 45-Jährige ist wegen gleicher oder ähnlicher Delikte mehrfach vorbestraft, saß schon längere Zeit in Haft. Kleinere und größere Diebstähle sowie Alkohol im Straßenverkehr kommen dazu. Geändert hat sich nichts, da er seine pädophilen Neigungen bestreitet und seine Bestrafungen und Weisungen nicht akzeptiert. Er ist sich keiner Schuld bewusst, versteht die Vorgänge kaum. „Dafür soll ich bestraft werden“, spricht er vor sich hin. Die Geldstrafen sind bezahlt, die Gerichtskosten bisheriger Verfahren noch nicht. Da noch wichtige Zeugen vernommen werden sollen, wird der Prozess unterbrochen.

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