Zwei Thüringer blicken auf 13.007 Fahrrad-Kilometer durch 15 Länder zurück

Heiligenstadt  Interview: Die Vietnam-Radler Tobias John und Matthias Schneemann sind zurück im Eichsfeld. Ihre Reise war anstrengend, aber wundervoll. Zu ihren wertvollsten Erfahrungen gehört die Gastfreundschaft.

Durch insgesamt 15 Länder sind die beiden Freunde mit dem Rad gefahren. 13.007 Kilometer standen in Ho-Chi-Minh-Stadt auf ihrer Uhr. Sie mussten 71.000 Höhenmeter überwinden und waren rund 700 Stunden auf dem Rad unterwegs.

Durch insgesamt 15 Länder sind die beiden Freunde mit dem Rad gefahren. 13.007 Kilometer standen in Ho-Chi-Minh-Stadt auf ihrer Uhr. Sie mussten 71.000 Höhenmeter überwinden und waren rund 700 Stunden auf dem Rad unterwegs.

Foto: Waldemar Schleicher

Sie sind wieder da. Nach 13.007 Kilometern, insgesamt 71.000 Höhenmetern und rund 700 Stunden auf dem Rad nach Ho-Chi-Minh-Stadt in Vietnam sind Tobias John und Matthias Schneemann wieder in Heiligenstadt angekommen. Wie es ist, wieder zu Hause zu sein, und was von der Reise am meisten im Kopf geblieben ist, erzählen sie im Interview.

Wie fühlt sich das an, zurück zu sein?

Es hat ein paar Wochen gedauert, um sich wieder einzufinden.

Ich war jetzt insgesamt fast drei Jahre weg. So viel verändert sich hier aber nicht. Wir beide haben auch direkt wieder angefangen zu arbeiten.

Haben Sie darüber nachgedacht, länger in Vietnam zu bleiben?

Nicht wirklich. Man will auch mal wieder Weihnachten zu Hause sein.

Man ist ja hier auch verwurzelt. Es ist, als ob man einen Schalter umlegen würde, wenn man wieder zu Hause ist. Nach ein paar Wochen ist die Reise schon wieder ganz weit weg, und du blickst zurück wie auf einen Film, der vor deinem Auge abspielt. Das ist manchmal sehr surreal. Und der Alltag hat dich halt auch schnell wieder.

Apropos Film: Arbeiten Sie schon an ihrem geplanten Film über Ihre Reise?

Ja. Das ist viel Arbeit, weil wir fast ein Jahr auf Spielfilmlänge bekommen müssen. Es soll die Geschichte unserer Reise werden und auch nicht stümperhaft „Mein schönstes Ferienerlebnis“ oder so.

Sind Sie denn schon wieder Fahrrad gefahren, seitdem Sie wieder da sind?

Ja, ich habe sogar schon zwei Touren gemacht mit Freunden. Es lässt sich im Eichsfeld auch sehr schön fahren.

Vor allem ohne die 20 Kilogramm Gepäck auf dem Rad.

Das macht schon einen großen Unterschied, und es macht mir auch nichts mehr aus, den Scharfenstein hochzufahren.

Da hat die Reise also auch etwas für die Kondition getan.

Am Anfang war ich wirklich recht untrainiert. Bei mir hat es zwei bis drei Wochen gedauert, bis ich mich fit genug gefühlt habe.

Welcher Streckenabschnitt hat am meisten Spaß gemacht?

Überall in Europa hat es richtig Spaß gemacht, zu fahren. Man hat fast überall Internet, kann ganz problemlos über alle Grenzen fahren – da macht EU schon Spaß.

Und Europa ist auch landschaftsmäßig und kulturell sehr unterschiedlich.

Wir konnten auch schon andere zum Radfahren inspirieren. Zwei Jungs sind gerade auf dem Weg nach Istanbul zum Beispiel, weil sie unsere Geschichte verfolgt haben und auch Bock hatten.

Durch wie viele Länder sind Sie denn gereist?

Da müssen wir immer nochmal nachzählen, aber es sind insgesamt 15.

Wie sah es mit der Gastfreundschaft in den verschiedenen Ländern aus?

Als Radfahrer mit deinen Taschen bist du ein Fremdkörper und fällst auf. Gastfreundschaft fängt da schon im Thüringer Schiefergebirge an. In Ziegenrück hat jemand über die Straße gerufen, ob wir Hunger hätten, und dann gab es Steaks frisch vom Grill.

In Serbien wollten wir einmal nur eine kurze Pause machen. Es endete darin, dass uns immer mehr Leute Bier ausgegeben haben. Das war schon ganz schön viel Gastfreundschaft für einen Tag.

Gibt es ein Land, das Ihnen besonders gut gefallen hat?

Mein Lieblingsland ist und bleibt ja der Iran, obwohl er in Deutschland recht schlechte Presse bekommt. Aber dort gibt es eine unwahrscheinlich alte und auch gastfreundliche Kultur.

Die Leute kümmern sich dort einfach umeinander. Sie wissen, dass sie auch irgendwann Hilfe brauchen könnten.

Wir haben im Iran mal vor einem Restaurant Halt gemacht, und der Inhaber brachte uns Suppe raus, dann gab er uns die Speisekarte. Letztendlich haben wir dort zwei Stunden gefuttert, und am Ende wollte er nach mehrmaligem Bitten unser Geld nicht nehmen.

Also sind sie stets gut versorgt worden?

In einer Unterkunft in China lebte auch ein Englisch-Professor aus Xian. Der hat uns erklärt, dass wir die ersten Ausländer in diesem Ort seien. Wir haben wieder viel zu essen bekommen und uns mit Händen und Füßen den ganzen Abend unterhalten.

Gastfreundschaft muss man sich aber auch verdienen. Einfach nach dem Essen ins Bett gehen, ist nicht drin. Und die Gespräche danach waren oft nicht so einfach, weil keiner die Sprache des anderen sprach. Aber es war eine Bereicherung unserer Reise. Wir haben diese ganze Hilfe auch nicht als selbstverständlich gesehen.

Am Anfang haben Sie oft gezeltet, später gar nicht mehr. Warum?

Das Wetter hat oft nicht gepasst, und die Unterkünfte waren oft einfach sehr günstig.

Und man muss sagen, wenn man nur campt und immer nur selbst kocht, dann bekommt man von den Leuten und der Gegend eben nur was am Rand mit. Du kommst nicht so leicht mit Menschen ins Gespräch, und das ist doch das, was eine Reise auch ausmacht.

Haben Sie da eine bestimmte Situation im Kopf?

Im Iran kam uns auf dem Weg in den nächsten Ort ein 19-Jähriger auf einem Motorrad entgegen. Er fragte, ob wir eine Unterkunft bräuchten, und nahm uns mit. Wir aßen zusammen, trafen seine Freunde und hatten einen tollen Abend. Es stellte sich heraus, dass Yashar – so hieß er – eine kleine Berühmtheit auf der Seidenstraße ist und viele Wanderer und Radfahrer aufgabelt und ihnen hilft.

Wie geht es jetzt weiter mit dem Projekt Seidenstraße?

Wir wollen, wie gesagt, einen Film produzieren. Da hilft uns auch Waldemar Schleicher wieder, der auch unsere Web-Serie gebaut hat. Es wird sicherlich einige Vorführungen geben, je nachdem wie groß das Interesse ist.

Wir können uns auch Vorträge vorstellen. Wir haben noch so viel Material übrig. Wer will, kann unsere gesamte Reise auf noch einmal nachverfolgen.

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