Corona führt in einzelnen Kommunen zu Müllflut

Erfurt Gera/Eisenach.  Sommersonne und der Urlaub zu Hause lässt in manchen Städten die Mülleimer in Grünanlagen regelmäßig überlaufen. Das aktuelle erhöhte Müllaufkommen kann noch langfristige Folgen haben.

Leere Flaschen stehen neben einer Bank im Dreibrunnenpark.

Leere Flaschen stehen neben einer Bank im Dreibrunnenpark.

Foto: Michael Reichel / dpa

Mehrere Thüringer Städte haben im Zuge der Corona-Pandemie eine erhöhte Verschmutzung von Parks und anderen Grünanlagen registriert. „Insbesondere in den großen innerstädtischen Parks ist das Müllaufkommen signifikant gestiegen“, sagt etwa Franziska Haug von der Stadtverwaltung Gera. Wegen der Corona-Krise fänden private Partys und unterschiedliche Veranstaltungen vermehrt draußen statt. Immer wieder müssten deshalb zusätzliche Säuberungsaktionen vorgenommen werden. Mit der neuen Ausschreibungsrunde 2021 könnten daher in Gera die Kosten für die Müllentsorgung steigen. Alle aktuellen Infos im kostenfreien Corona-Liveblog.

Dem Thüringer Umweltministerium zufolge ist das kommunale Müllaufkommen im Freistaat während der strengen Corona-Einschränkungen auch insgesamt leicht angestiegen – in dieser Zeit fiel etwa vier Prozent mehr Restmüll an als im Vorjahreszeitraum.

Immer stärkere Verschmutzung in Erfurt

Die Landeshauptstadt beobachtet ganz grundsätzlich eine immer stärkere Verschmutzung von öffentlichen Anlagen, Hotspots seien unter anderem Spielplätze. „Problem sind vor allem Pizzakartons, To-go-Geschirr, Eisbecher, zerschlagene Flaschen und im Abfallbehälter entsorgte Essensreste, die Krähen dazu einladen, die Abfallsäcke zu zerpflücken“, sagt Anja Schultz von der Erfurter Stadtverwaltung. Letzteres sei bei sommerlichen Temperaturen besonders problematisch.

„Hinzu kommen unachtsam weggeworfene Zigarettenkippen als „Dauerbrenner““. Einige Plätze im Stadtgebiet müssten inzwischen täglich gereinigt werden. In den drei Meisterbereichen im Stadtgebiet entstünden jede Woche 38 Kubikmeter Müll – allein im Luisenpark würden alle anderthalb Wochen etwa 40 Säcke Müll entsorgt. Neben dem hohen Müllaufkommen komme es auch immer wieder zu Vandalismus.

In der Gesellschaft müsse Umdenken erfolgen

„Das Problem sind dabei nicht unbedingt Veranstaltungen“, so Schultz. Generell genössen es viele Einwohner, sich bei schönem Wetter im Freien aufzuhalten und dort zu trinken und zu essen. „Abfälle werden dabei oft nicht sachgerecht entsorgt beziehungsweise gar nicht erst vermieden, indem zum Beispiel Einweggeschirr verwendet wird.“ Um das Dilemma zu lösen, müsse in der Gesellschaft ein Umdenken erfolgen und das Bewusstsein für die Problematik geschärft werden. „Jeder sollte sich der eigenen Verantwortung bewusst sein, die er für seine Umwelt und seine Mitmenschen trägt, und seinen Müll selbstverständlich selbst entsorgen.“ Die Stadtverwaltung Erfurt rechnet aufgrund des Abfallvolumens und der mit dem Mehraufwand steigenden Personalkosten mit höheren Entsorgungskosten, genaue Zahlen seien aber noch nicht bekannt.

Zunahme der „Waldvermüllung“

Auch Eisenach meldet eine erhöhte Müllmenge. Die Entsorgung sei vertraglich festgelegt und die Vertragspartner hätten keine zusätzlichen Kapazitäten, den Müll öfter zu holen, sagte Sprecherin Janina Walter. „Dadurch mussten wir auch schon vermehrt selbst Müll beseitigen, wenn es zu viel wurde.“ Die Kosten dafür ließen sich jedoch nicht beziffern. In Weimar, Sonneberg, Nordhausen, Altenburg und Jena wurde im Vergleich zu den Vorjahren kein erhöhtes Müllaufkommen in Parks festgestellt.

Anders ist die Lage in den Thüringer Wäldern. Im April und Mai 2020 hatten einige Forstämter eine Zunahme der „Waldvermüllung“ gemeldet, sagte der Sprecher der Thüringer Landesforstanstalt Thüringenforst, Horst Sproßmann. „Entsorgt wurde vor allem Verpackungsmüll aus der Rucksackverpflegung: Einpackpapier, Alu-Folie, Plastiktüten, Getränkedosen, Glasflaschen oder Taschentücher.“ Auch Gartenabfälle seien während der coronabedingten Schließung der Deponien vermehrt im Wald entsorgt worden.